Die private Cloud

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owncloud Login screenViele Menschen haben sich an eine Grundvoraussetzung des neuen Web, Web 2.0, Social Web oder wie auch immer man es nennen will, offenbar schon gewöhnt: Ihre Daten liegen in der Cloud. Keiner weiß genau, wo die ist und was sie tut, so wie bei tatsächlichen Wolken. Und es sollte uns mehr kümmern. In den letzten Jahren gab es immer wieder Leaks und Hacks bei gerade den großen Datenkraken, und egal ob die Daten nun bei Dropbox, Google, Microsoft, Apple oder der NSA liegen, überall sind sie potentiell unter der Kontrolle Dritter und häufig nicht dem deutschen Datenschutz unterworfen oder auch nur einfach löschbar. Die ursprüngliche Idee des Internet war eh ein dezentralisiertes Netz und darum ist es grundsätzlich irritierend, dass heute vollkommen selbstverständlich einige wenige große Player das Netz wieder schön zentralisiert haben. I’m looking at you Facebook.

owncloud Dateiübersicht DEMOAufgrund dieser Situation habe ich seit einiger Zeit meine eigene Cloud aufgesetzt. Das ist kein geringer Aufwand, aber imho einer, der sich lohnt. Ich habe einen virtuellen Server gemietet, dieser steht irgendwo in Deutschland und ist, nach bestem Wissen und Gewissen, nur mir und einigen wenigen Freunden zugänglich. Mir ist klar, dass das auch Probleme verursachen kann, aber dazu später.

Auf meinem Server hoste ich diverse Dienste, z.B. einen Webserver und einen Mailserver. Und mittels der freien Software ownCloud hoste ich eben auch meinen eigenen Cloudspeicher. Mit entsprechender Client-Software (für Windows, Mac und Linux) synchronisieren meine Daten verschlüsselt mit dem Server, auf dem sie ebenfalls nur verschlüsselt abgelegt werden. Das bedeutet, dass ich ohne das Passwort auch nicht die Daten von anderen einsehen kann (wohl aber Dateinamen!). Das funktioniert ähnlich komfortabel wie Dropbox oder Onedrive, aber nur ich habe (theoretisch) Zugang zu meinen Daten. owncloud Kalender AppFür ownCloud gibt es auch Apps, es lässt sich also in der Funktionalität erweitern, zum Beispiel durch eine Kontakte-App oder einen Kalender. Wer bislang seine Kontakte und Termine bei Google oder iCloud ablegt, kann sie ebenso gut in die ownCloud schieben und von dort in eine Vielzahl von Programmen synchronisieren.

Dabei nutzt ownCloud die standardisierten CalDav und CardDav-APIs und setzt ansonsten auf eine Webschnittstelle, die in vielen Belangen den Angeboten der Konkurrenz in nicht nachsteht. ownCloud bietet auch rudimentäre Textverarbeitung per Webapps, Musicstreaming per Ampache und vieles mehr. Damit lässt sich die ownCloud in die meisten Systeme (Linux, Mac OS X und mit Einschränkungen auch Windows 10) und mit verbreiteter Anwendersoftware integrieren (Thunderbird, Apple Mail, Outlook, hier gibt’s ein paar Anleitungen und Hinweise).

ownCloud FotogalerieIm Gegensatz zu den proprietären Anbietern ist es auch kein Problem, wenn ein Freund oder Bekannter seine Daten auf einem anderen bzw. eigenen ownCloud Server liegen hat. Man kann trotzdem Dateien oder Ordner mit Freunden und Kollegen teilen, weil jede ownCloud-Instanz Mitglied einer Federated Cloud sein kann. Das bedeutet, die Instanzen tauschen untereinander Daten aus und ich als Nutzer1@cloud.daten.de kann mit Nutzer2@cloud.wurst.com genauso Dateien austauschen, als wäre er Mitglied meiner Instanz. Das kennt man von Dropbox, es ist nur ein wenig pfiffiger und ich weiß jederzeit relativ genau wo meine Daten sind und wo nicht.
Außerdem kann man in die ownCloud auch externe Cloud-Speicher einhängen. Wenn man also parallel noch einen Dropbox oder Google Drive – Account nutzt, geht alles quasi unter einen Hut (funktioniert auch per Samba/CIFS, SSH oder mit Amazon S3 oder OpenStack – Speicher). Damit ist das auch eine recht vernünftige Backuplösung. Und wie viele Leute machen auch heute noch keine regelmäßigen Backups von ihren wichtigsten Daten!

ownCloud AppsEs ist nun aber natürlich nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen. Natürlich unterliegt ein Server, der nur von wenigen Leuten genutzt und von einem Hobby-Admin gemanagt wird, denselben Risiken, wie die großen Datenzentren: Sie können gehackt werden, sie können fehlerhafte Software nutzen, sie können ausfallen. Je größer das System, desto mehr Sicherheitsfunktionen sind meist da (z.B. Datenredundanz) und desto mehr kompetente Menschen haben ein Auge auf den Systemen. Wenn mein Provider aussteigt, kann ich nicht viel machen. Wenn mein Zugang gecrackt wird, dann kann es sein, dass ich das nicht einmal bemerke. Ich mache zwar regelmäßige Backups (auch von der Cloud), aber auch dabei kann was schief gehen. Gleichzeitig bin ich ein wesentlich kleineres Ziel und mit gut gepflegter Software und automatischen Updates ist man schon deutlich auf der sicheren Seite.

Zu guter Letzt: Wenn man eine anständige Breitbandverbindung ins Internet hat, dann muss die ownCloud auch nicht unbedingt auf einem externen Server liegen, sie könnte auch zuhause stehen. Schon einige günstige NAS für daheim bieten auch die Möglichkeit Apps zu installieren und so als Cloudspeicher zu dienen. Dann muss man noch klären, wie man von außerhalb darauf zugreifen kann. Dafür gibt es entweder Proxy-Apps oder man sucht sich einen Anbieter für dynamische Domains und weist seinem Router einen Domainnamen zu. Das Problem lässt sich mannigfaltig lösen.

Fazit: Es ist sicherlich etwas mehr Aufwand, aber im Angesicht der Ideale des Internet und der Probleme beim Datenschutz spricht sehr vieles für eine private Cloud. Man hat damit kaum funktionale Einschränkungen und wem der technische Aufwand zu hoch ist, kann sich natürlich einfach eine Instanz mieten. Noch besser wäre es vielleicht, wenn große Cloudanbieter sich auf eine gemeinsame Schnittstelle zum Datenaustausch einigen würden, so dass man Dateien von der Dropbox in die ownCloud oder zu Onedrive teilen kann. Ich kann das nur empfehlen. Wie sieht’s bei Euch aus? Schonmal über die eigene Cloud nachgedacht?