Angst vor, na, Dings hier, Überfremdung und so

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Ein Glaubenskrieg gegen Glaubenskriege? - von Caruso Pinguin via flickr und CC-BY-NC

Überall in Deutschland (aber eigentlich nur im Osten, speziell in Dresden) gehen derzeit Menschen auf die Straße um Ihrer Angst vor Überfremdung (neben scheinbar vielen anderen Ängsten) Ausdruck zu verleihen. Viele vernünftige Argumente kann man gegen diese Bewegung(en), deren Namen ich mir mal gar nicht erst merke, ins Feld führen: Dass der Anteil der Muslime in Deutschland tatsächlich gar nicht so hoch ist (besonders in den Regionen mit aktuell starkem Demonstrationsaufkommen) und dass auch davon die meisten vollkommen ungefährlich sind. Dass Angst vor dem Unbekannten ja normal ist und im Moment viel Unbekanntes daher kommt, dies aber kein Grund sein muss ausfallend zu werden. Dass Flüchtlinge nun einmal untergebracht werden müssen, auch in Deiner Nachbarschaft, so wie bis 1989 ostdeutsche Flüchtlinge in Westdeutschland irgendwie irgendwo unterkommen mussten. Dass das Thema etwas komplexer ist als die Demonstranten sich das so vorstellen und sie vielleicht lieber mal ein Buch oder die Einwanderungsstatistik lesen sollten und sich dann fragen könnten, ob sie durch ihre Filterblasen nicht etwas einseitig informiert sind und vielleicht wichtigere Probleme zu lösen wären. Dass Sie vielleicht ihre generellen Probleme mit der Moderne auf ein arbiträres Feindbild projizieren.
Wenn man dann die von den bösen Staatsmedien (die privaten sind aber auch nicht besser) zusammengeschnittenen Interviews mit Vertretern der Gruppierung hört, kommt in einem auch die Angst vor Überfremdung hoch, weil es einem schon sehr fremd vorkommt, was den Leuten so in der Birne umher schwirrt. Oder eben gerade nicht. Und es ist natürlich nicht alles Unsinn, genau darin liegt ja das Perfide. Auf diese Art kann man für jeden Blödsinn argumentieren.
Die Politiker sagen gerade sehr oft, man muss die Sorgen und Ängste dieser Menschen Ernst nehmen und das müssen die ja tatsächlich, weil sie wieder gewählt werden wollen. Ich aber kann sagen, dass ich denke, man sollte diese Leute nicht zu Ernst nehmen, denn sie sind kräftig in der Unterzahl und haben offenbar auch nur zu viel Zeit montags Demonstrieren zu gehen. Überhaupt schade, dass die Montagsdemos zu Meckerveranstaltungen für unreflektierte Randgruppen verkommen sind. Auch wenn die 19 Standpunkte zusammenklöppeln können.
Die Medien haben diese Bewegung (wann wird aus einem Mob eigentlich eine Bewegung?) in den letzten Wochen in jeder dritten Sendeminute und/oder Seite untergebracht und damit zu dieser ungerechtfertigten Popularität beigetragen, die sie sonst wohl nicht erreicht hätte. Gleichzeitig wird geschimpft, die Medien berichteten nicht fair und unvoreingenommen über das Thema. Man sei ja gar nicht ‚rechts‘ oder ‚rassistisch‘. Zumindest nicht alle. Aber das lässt sich halt schwer rüberbringen, wenn man von der AFD verteidigt und von der Jungen Freiheit beworben wird. Aber letztendlich bringen Labels wie rechts und links auch gar nichts. Schlecht informiert, unreflektiert oder einfach dumm wären viel bessere Kategorien.
Nachdem diese armen Menschen nun ihre fünf Minuten Ruhm hatten, wäre ich allerdings dafür, dass wir unsere Aufmerksamkeit wieder gleichmäßig auf die wichtigen Probleme dieser Welt verteilen. Vielleicht kann man bei den Demos ja ein paar tausend Leute für Suppenküchen oder andere nützliche Zwecke abwerben. Da wäre dann wirklich einigen geholfen.

Bild von Caruso Pinguin via flickr