Von Genies und Kindersoldaten – Ender’s Game (Buchtipp)

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In Anbetracht der Tatsache, dass Ender’s Game Ende dieses Jahres das Licht der großen Leinwand erblicken soll, werde ich an dieser Stelle das Versprechen meines letztjährigen Abschlussposts erfüllen und die ersten beiden Bände der Ender-Reihe empfehlen. Da habe ich mich bisher schwer mit getan, weil man eigentlich das Ende von Ender’s Game spoilern muss, um den zweiten Band erklären zu können, den ich derzeit noch lese. Trotzdem werde ich den größten Spoiler gut verpacken und jedem selbst überlassen, sich das Buch oder den Film einigermaßen unbeleckt anzuschauen. Allerdings, das Buch ist über 25 Jahre alt, wer’s noch nicht gelesen hat und auf SF steht, sollte das schleunigst nachholen! Insofern fühle ich mich auch nicht soo sehr in der Pflicht, spoilertechnisch. *g*

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Ich weiß gar nicht mehr, wie genau Ender’s Game seinen Weg auf meinen Kindle ([amazon_link id=“B003G4W49C“ target=“_blank“ ]Amazon-Link[/amazon_link], [amazon_link id=“B0078XGSL2″ target=“_blank“ ]und auf deutsch[/amazon_link]) gefunden hat, aber ich glaube es hatte mit der Recherche für mein Seminar „Weltbilder in Science-Fiction“ zu tun. Darum habe ich das Buch über die Weihnachtspause auch relativ fix durchgelesen. Und war hellauf begeistert. Das ist insbesondere deswegen überraschend gewesen, weil ich sonst von Militärgeschichten nicht so viel halte und Ender’s Game (oder Das große Spiel, wie es sehr unkreativ ins Deutsche übersetzt wurde) ist sehr deutlich der Military Science-Fiction zuzuordnen, wie sicherlich durch die folgende Inhaltsangabe klar wird.
 

Alle guten Dinge…

Ender's Game Film PosterWir befinden uns in einer fernen Zukunft, aber auf der altbekannten Erde. Die Menschheit hat den Weltraum erschlossen und ist auch beinahe sofort auf eine andere, insektoide Rasse gestoßen, die Bugger (oder Krabbler, wie sie in der Übersetzung heißen). Diese greifen scheinbar unvermittelt an und erst nahe vor der Erde können Sie zurückgeschlagen werden, maßgeblich wegen eines sagenumwobenen Kommandanten namens Mazer Rackham, der die feindliche Flotte trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit besiegen konnte. Auf der Erde haben sich die Lager zwar temporär vereinigt, aber dieses Bündnis scheint recht brüchig. Trotzdem verfolgt man den Plan, die Bugger bis zu ihrem Heimatplaneten zurück zu drängen und dort endgültig zu besiegen.

80 Jahre nach besagtem knappem Sieg begegnen wir Andrew „Ender“ Wiggin, dem jüngsten Spross der Wiggin Familie, der als drittes Kind (es gibt eine globale Regelung maximal zwei Kinder zu bekommen) und wegen seiner außergewöhnlichen Intelligenz schon Hohn und Spott erntet, letztendlich aber als einziger seiner Geschwister für eine Offiziersausbildung in Betracht gezogen wird. Und so verlässt er schon als Sechsjähriger seine Eltern, seine Schwester Valentine, die er über alles liebt und seinen Bruder Peter, den er ebenso leidenschaftlich fürchtet bzw. hasst, und folgt seinem Ausbilder Colonel Graff auf eine Raumstation, wo er im Raumnahkampf ausgebildet wird. In regelmäßigen Kampfübungen in der Schwerelosigkeit, erwirbt er sich schnell den Respekt der anderen Kinder und Jugendlichen, muss sich aber wegen seiner deutlichen Andersartigkeit (und weil ihn Graff bewusst isolieren will) gleichsam auch außerhalb des Kampfspiels beweisen. Wirkliche Freunde findet er dabei kaum, und auch die wenigen, die er findet, distanzieren sich wieder, als er, schneller als je ein Rekrut, befördert wird und letztlich sogar seine eigene Armee leiten soll.
 

Die Drachen Armee

Seine Armee trainiert Ender mit unorthodoxen Strategien und Ideen, und obwohl er seine Rekruten nicht auswählen darf, hat er bald eine Truppe beisammen, die es mit allen anderen Armeen aufnehmen kann und immer siegreich aus den Kampfspielen hervorgeht.
Parallel dazu gibt es quasi als Ausgleich eine Art psychologisches Computerspiel, dass die Kinder in ihrer Freizeit spielen. Das Spiel stellt sich dabei individuell auf den Spieler ein. Dieses Mind Game spielt auch Ender, absolviert dabei vermeintlich unlösbare Aufgaben und erreicht auch zur Überraschung seiner Ausbilder bislang unbekannte Spielräume. Gleichzeitig wird er aber auch mit seiner größten Angst, seinem Bruder Peter konfrontiert.
Peter und Valentine Wiggin, beide ebenso intelligent wie Ender, verbleiben auf der Erde. Peter wurde als zu brutal für eine Militärausbildung, Valentine als zu sanftmütig eingestuft. Allerdings analysieren sie über das globale Netzwerk die fragile politische Situation zwischen dem Warschauer Pakt und dem Westen und entscheiden sich, unter Pseudonym den Meinungsbildungsprozess zu beeinflussen. Valentine schreibt im Netz unter dem Pseudonym „Demosthenes“ hetzerische Beiträge während Peter unter dem Pseudonym „Locke“ staatmännisch auf Verständigung aus ist. Beide wählen damit Standpunkte, die ihren tatsächlichen Persönlichkeiten gegenüber stehen. Sie generieren für sich eine Aufmerksamkeit und werden von den Medien angefragt, regelmäßige Kommentare zu schreiben.
 
Währenddessen hat Ender (mittlerweile 11 Jahre alt) mit seiner Armee ungeahnte Erfolge erreicht, was für viele der anderen Kommandanten nicht einfach hinzunehmen ist. Insbesondere kommt es in der Dusche zu einem Zweikampf zwischen ihm und Bonzo, seinem ehemaligen Kommandanten, bei der Ender sich so effektiv verteidigt, dass Bonzo sich an den Armaturen schwer verletzt und zu Boden geht. Ender erfährt nicht, dass Bonzo dabei stirbt und wird vorzeitig versetzt, seine Ausbildung wird auf dem Asteroiden Eros weitergeführt.
 
mazer-rackham (Ender's Game movie)Auf Eros angekommen trifft Ender auf den alternden Helden Mazer Rackham, er kümmert sich um seine weitere Ausbildung. Zusammen mit einigen seiner Kameraden aus der Kampfschule, soll er hier Kampfsimulationen von Raumschiffflotten absolvieren und den Kampf gegen die Bugger trainieren. Ender erfährt auch, dass der Krieg gegen die Bugger schon weit fortgeschritten ist. Nachdem die Technologie verstanden war und man die Ressourcen hatte eine effektive Waffe zu erschaffen, wurde die neue Flotte auf den Weg zur Heimatwelt der Bugger geschickt. Diese Schiffe sollen im Kampf per Überlichtfunk von fähigen Kommandanten gesteuert werden, das war und ist das Ziel von Enders Ausbildung, denn er wird als einziger fähiger Kandidat gehandelt, die Schlacht siegreich zu beenden.
 
Rackham erklärt Ender, dass er nur durch Zufall bemerkte, dass ein Buggerschiff besonders geschützt wurde und vermutete daher, dass sich dort die Königin befinden musst. Er konzentrierte sein Feuer auf das Schiff und weil der restliche Stamm ohne Königin nicht mehr kampffähig war gewann er die Schlacht. Mit diesem Wissen und seinem unerreichten Talent schickt man Ender weiter ins Training.
Der Druck auf Ender wächst und während er durch immer härtere Kampfszenarien geprügelt wird, wirkt sich auch die Isolation, in der er sich befindet, und der fehlende Kontakt zu Valentine negativ aus. Ender zweifelt an sich und seiner Aufgabe, fühlt sich ausgenutzt und instrumentalisiert. Er ist ausgelaugt und die andauernden Trainings machen ihm körperlich und seelisch zu schaffen. Auch seine Ausbilder sind sich nicht mehr sicher, ob er dem Druck noch lange Stand halten kann.
 
Den ständigen Kämpfen überdrüssig, steht Ender in seiner Abschlussprüfung abermals einem unlösbaren Problem gegenüber, als er mit einer hoffnungslos unterzähligen Flotte eine große Buggerarmee auf deren Heimatplaneten besiegen soll. Er entscheidet sich, gar nicht erst zu versuchen sie zu besiegen und beschließt, den Planeten direkt anzugreifen. Damit hofft er auch, sich für den Job des Kommandanten zu disqualifizieren und damit sein Leiden zu beenden. Doch am Ende kommt es ganz anders…
 
[learn_more caption=“! Spoileralarm ! – Sie wurden gewarnt!“] Ender opfert den größten Teil seiner Flotte, aber es gelingt ihm den kleinen Doktor auf den Planeten abzufeuern, ein Waffe, die einmal ausgelöst alle Materie verzehrt, die es findet. So vernichtet er alles Leben auf dem Planeten und als Kettenreaktion zerstört er so auch die Flotte der Bugger, die nun führungslos sind. Anstatt ihn aber wegen der verlustreichen Schlacht zu tadeln, feiern seine Ausbilder und erklären Ender, das seine letzten Übungsmissionen kein Training sondern tatsächliche Schlachten mit den Buggern gewesen sind. Aufgrund der Erkenntnis, dass er also mit seinem finalen Sieg den Krieg beendet und die Bugger restlos ausgelöscht hat und damit Xenozid begangen hat, bricht Ender zusammen. Das Ende des Krieges löst umgehend einen Krieg auf der Erde aus. Valentine beschließt mit Ender diese zu verlassen und aufzubrechen die leeren Planeten der Bugger zu kolonisieren. Dort findet Ender den Kokon der letzten Buggerkönigin und sie erklärt ihm, dass Sie schon über das Mindgame versucht haben mit ihm Kontakt aufzunehmen. Ender schreibt unter Pseudonym ein Buch über seine Erkenntnisse über die Bugger, welches ihn selbst als Mörder dieses empfindungsfähigen Volkes entlarvt. Er bekommt einen Ruf als Monster. Um Buße zu tun für seine Taten, beschließt Ender für die Königin einen neuen Planeten zu finden, wo ihr Volk wiederauferstehen kann. [/learn_more]
 

Kein Ender in Sicht…

EndersGame_BattleSchool_01_Preview7Basierend auf einer Kurzgeschichte von 1977 hat Orson Scott Card Ender’s Game eigentlich nur als Vorgeschichte von Speaker for the Dead ([amazon_link id=“B003H4I4JU“ target=“_blank“ ]Amazon auf englisch[/amazon_link], [amazon_link id=“B00302MZD0″ target=“_blank“ ]auf deutsch[/amazon_link]) geschrieben, dem zweiten Band der Reihe, der 3002 Jahre nach dem ersten Teil spielt und nicht mehr so sehr militärisch ausgerichtet ist. Mit drei weiteren Teilen in der Serie und weiteren Serien aus dem Ender Universum scheint Card dem Umfang der Wüstenplanet-Saga von Herbert nachzueifern. Ob die späteren Bände auch so gut sind, kann ich nicht sagen, aber noch nie habe ich einen so tiefschürfenden Einblick in militärisches Denken im Rahmen eines Romans gefunden. Das unmenschliche Handeln einer ignoranten Menschheit, die, nachdem sie ihre Feinde besiegt hat, sofort wieder sich selbst bekriegt, werden im Charakter des genialen und doch so zerbrechlichen Ender hervorragend personifiziert. So ist das Buch, wenn man Wikipedia glauben darf, beim U.S. Marine Korps für diverse Ränge als Empfehlung auf der Leseliste. Die Ender Saga wird allerdings nicht ganz unkritisch betrachtet, insbesondere die teilweise recht krasse Gewalt und politische Tendenzen werden häufiger kritisiert. Und erst unlängst haben die Medien sich intensiv mit Cards wiederholten Äußerungen gegen die Rechte von Lesben und Schwulen beschäftigt. (Huffington Post Übersicht)
 
Ender Game Film 1Ich kann eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen, auch für Leser, die SF eher kritisch gegenüber stehen. Alternativ gibt es auch eine Comicserie von Marvel, die ich auch ganz gelungen finde und die es wohl[amazon_link id=“3862016455″ target=“_blank“ ] teilweise auch auf deutsch[/amazon_link] gibt. Ansonsten kann man natürlich auch auf den besagten Spielfilm warten, der mit Asa Butterfield (Der Junge im gestreiften Pyjama, Hugo Cabret) einen imho tollen Ender vorweisen kann. Man wird sehen, ob es dem Film gelingt, die Essenz des Buches einzufangen, denn das stelle ich mir durchaus nicht einfach vor.
 
In einem weiteren Post werde ich mich dann Speaker for the Dead widmen, mir fehlen dazu nur noch ein paar Seiten. Und damit verabschiede ich mich erstmal in einen kurzen Urlaub. *winkewinke*
 
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