Convenience-Cooking, oder der große Hello Fresh-Test

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Rezeptbuch und Zutaten

Während normale Menschen während ihres Urlaubs gern fremde Länder bereisen, habe ich mir für meinen Urlaub (auch mangels der Möglichkeit des Verreisens) was ganz Häusliches vorgenommen. Kochen ist eines meiner wenigen nicht-digitalen Hobbys. Die Herausforderung dabei besteht zum einen im Finden von interessanten Rezepten und zum anderen im Beschaffen frischer Zutaten. Tatsächlich steckt in jedem Gericht ein bissl Planung und Logistik drin, geht jedem Essen-kochen ein Besuch im Supermarkt meines Vertrauens voraus. Ich persönlich finde das nervig, denn ich kaufe nicht gern ein. Andererseits bin ich ein Fan von Lieferdiensten und Online-Shops, wenn’s geht lasse ich mir mit großer Freude alles an die Haustür bringen. Darum bin auch auf Hello Fresh aufmerksam geworden

Hello Was?

Zutaten für gefüllte Paprikaschoten - Woche 1

Zutaten für gefüllte Paprikaschoten – Woche 1

Hello Fresh bietet bundesweit den Service an, sich frisches Essen für zuhause quasi zu abonnieren. Dazu bekommt man jede Woche eine gewisse Anzahl Rezepte (3 oder 5 Gerichte) und fast alle dazu notwendigen Zutaten gekühlt und frisch im Karton geliefert. Salz, Pfeffer, Öl oder Essig sollte man zu Hause haben, alles andere kommt bei Bedarf. Lediglich die Zubereitung muss man(n) noch selbst in die Hand nehmen. So zumindest die Theorie. Aber ob das wirklich so klappt? Das sollte sich in den folgenden Wochen während eines vollkommen unwissenschaftlichen Selbstexperimentes herausstellen.

Bestellung und erste Lieferung

Das Bestellen verlief schon mal unproblematisch. Die Auswahl ist ja auch übersichtlich, man wählt die Anzahl der Personen und der Gerichte aus, das ist es schon. Die Urlaubszeit bot sich übrigens deswegen an, weil ich vermutet habe, dass man während einer normalen Arbeitswoche nicht drei Tage lang Lust zum Kochen hat. Daher hab‘ ich die Box mit 3 Gerichten für 2 Personen bestellt.

Die Lieferung erfolgt immer Mittwochs vormittag zwischen 8 und 12 Uhr, was schon ein wenig unpraktisch ist, wenn man einem normalen Job nachgeht und dann also nicht zuhause ist. Pünktlich gegen 10 traf der UPS Fahrer dann erstmals mit einem freundlichen Karton ein. Darin befinden sich lauter leckere Dinge, das frische Gemüse in einem extra Karton, darunter unter Isoliermaterial Fleisch und alles Übrige auf Kühlakkus. Toll verpackt und fast vollständig recyclebar, das sollte man vielleicht anmerken. Einige Produkte sind extra verpackt, man sieht, dass es sich zum Teil um handelsübliche Supermarktware handelt (z. B. eingelegte Oliven, Sahne, Milch etc.), aber immer um Bioprodukte und hochwertig, nichts vom Discounter. Das kann man imho für das Geld auch erwarten, dazu aber später mehr.

Die gefüllten Paprikaschoten, ganz fähtich.

Die gefüllten Paprikaschoten, ganz fähtich.

Gleich am ersten Tag gab es aus dem Angebot dann die Asia-Nudeln mit Chinakohl und ich war überrascht festzustellen, dass, obwohl ich nicht alle Zutaten verbraucht hatte, ich weit mehr als 3 Portionen zaubern konnte. Mittlerweile kann ich sagen, dass das kein Einzelfall war. Und geschmeckt hat es auch, da würde sicher auch mein Mitbewohner zustimmen, der während des gesamten Experiments immer wieder zum Testessen gebeten wurde. Und sich darüber meines Wissens auch niemals beschwert hat. 🙂

Es wird gegessen, was im Rezept steht…

Als nächstes habe ich mit Hack und Feta gefüllte Paprikaschoten ausprobiert. Das ist ein Klassiker, den ich durchaus auch schon vorher mal gemacht hatte. Diesmal waren die Mengen relativ exakt für zwei Personen bemessen, geschmeckt hat’s trotzdem vorzüglich. Das dritte Gericht („geröstetes Estragon Hähnchen mit Süßkartoffelspalten“) konnte aufgrund der fehlenden Süßkartoffel nicht wie vorgeschlagen zubereitet werden, hat aber alternativ mit normalen Kartoffeln auch gut geschmeckt. Hier deutet sich aber schon an, dass ich nicht immer ganz zufrieden geblieben bin, weil ich hin und wieder Ersatz kaufen musste. Schade, denn die Vermeidung eben dessen sollte ja eigentlich Ziel der Übung sein. Was wiederum toll funktionierte, war das Pausieren der Lieferungen, denn wenn man aufgrund von Urlaub, Abwesenheit oder einfach Faulheit die Lieferungen für eine oder mehrere Wochen aussetzen möchte, ist das über die Website ziemlich leicht auszulösen. Leider scheint es aber nicht möglich zu sein das abonnierte Paket einfach zu wechseln oder die Anzahl der Personen ausnahmsweise zu ändern, was ein wenig unflexibel erscheinen mag.

Nach der ersten Woche war aber zumindest klar, dass ich das Experiment noch ein paar Wochen länger durchführen würde. Dabei kamen so leckere Gerichte wie „Berliner Schmorgurken“, „Chili-Con-Carne mit Schokolade“ oder „Zucchini-Karotten Krusti mit Pfifferlingen und Quark“ auf den Tisch. Abwechslung wird bei Hello Fresh ganz klar groß geschrieben.

Pro und Contra

Rezeptbuch und Zutaten

Rezeptbuch und Zutaten der ersten Lieferung

Nach vier oder fünf Wochen und mehr als einem Dutzend Gerichten, kann ich sagen, dass Vieles beim Hello Fresh-Angebot super klappt: Die Rezepte sind lecker und abwechslungsreich, die Zutaten hochwertig und (was man ja durchaus hätte bezweifeln können) immer frisch. Manche Gerichte sind raffiniert, andere eher klassische Hausmannskost. Entsprechend unterschiedlich kann der Zubereitungsaufwand ausfallen, aber ich persönlich fühlte mich nie überfordert. Gelungen ist eigentlich jedes Gericht, natürlich war auch mal das ein oder andere dabei, was nicht so meinen Geschmack traf. Lediglich aus Zeitgründen konnte es geschehen, dass ich nicht rechtzeitig zur Verarbeitung von Zutaten kam und auch mal etwas wegwerfen musste. Dafür kann Hello Fresh natürlich nichts. Die Lieferung war eigentlich immer tadellos, nur bei der bislang letzten Lieferung vor drei Wochen ging mal ein Glas im Paket zu Bruch und ich musste die übrigen Zutaten bei UPS selbst abholen. Die allerdings haben toll reagiert, alles neu verpackt und gereinigt. Super!

Leider hat – wie gesagt – fast immer eine Zutat gefehlt, was mich schon manchmal gestört hat, aber rückblickend nicht so wahnsinnig schlimm ist. Über mehrere Wochen stellte sich das Konzept zwar als sehr praktisch aber zum Teil auch unflexibel heraus. Wie schon gesagt kann man zwar pausieren (mit einer Woche Vorlauf) aber nicht den Umfang des Paketes oder die Anzahl der Personen mal eben ändern. Bekommt man also mal Gäste oder möchte gar doch von drei auf fünf Gerichte aufstocken, scheint mir das zumindest über die Website nicht möglich. Was genau auf dem Tisch landet bestimmt der Dienst, wem das nicht passt oder wer sehr mäkelig ist, was Essen betrifft, wird hier sicher nicht glücklich.

Ein wenig skeptisch war ich anfangs noch, wenn es um den Preis geht. Rein rechnerisch kostet die Box mit wöchentlich 39,00 € pro Gericht und Person in etwa 6,50 €. Das ist nicht wirklich viel, vor allem wenn man dann eben bei jeder Lieferung auch mal mehr als die bestellten zwei Portionen heraus bekommt. Allerdings muss man schon auch ein wenig diszipliniert kochen, damit man alles nach spätestens 4 Tagen verbraucht hat, was mir leider nicht immer gelungen ist. Dann ist es schade um die Zutaten und man muss sie ggf. noch nachkaufen.

Andererseits habe ich diverse Gerichte auch für meine Eltern nochmal gekocht, einige davon werden sicherlich Klassiker in meinem Repertoire. Jede Woche etwas zuzubereiten, was man noch nie gemacht hat, ist dann auch ein tolles Gefühl, zumindest wenn einem die Zeit dafür nicht zu schade ist bzw. man bereit ist, sie sich zu nehmen. Sicherlich klappt das nicht für jeden, weshalb das Angebot wahrscheinlich derzeit eher ein Nischenprodukt ist. Für die nächsten paar Wochen habe ich das Angebot erstmal wieder pausiert, weil die Zeit zum Kochen sich meist nur an Wochenenden ergibt. Trotzdem hab‘ ich die Idee liebgewonnen, weshalb wohl spätestens zu den Weihnachtsferien wieder Hello Fresh – Rezepte ausprobieren werden. Wer es gerne mal ausprobieren will (und nicht allein wohnt), dem kann ich das nur empfehlen. Ansonsten kann man natürlich auch einfach mal so wieder selbst kochen. Viel Spaß dabei!

Disclaimer: Das ist kein gesponserter Beitrag, der Autor hat alles selbst bezahlt. *g*

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  • Sehr hilfreiche Bewertung, gibt es doch so einige Abo-Kisten im WWW. Mit 39€ fällt sie allerdings aus meinem Budget; auch weil ich gerne selber (Frisches) einkaufe und die Zutaten locker für den halben Preis besorgen kann. Sofern es mein Geldbeutel aber zulässt, werde ich mich auch ausschließlich an regionale Anbieter halten. Vorrangig aber wegen des Lokalpatriotismus, nicht wegen der pseudoökologischen Scheinargumente 🙂

    • Selber kaufen ist zweifellos immer günstiger. Das Liefern etc. kostet natürlich extra, da muss man halt wissen, ob’s einem das Wert ist. Ein Aspekt, den ich ein wenig unterschlagen habe, ist auch das Wegwerfen von Lebensmitteln. Man hat ja theoretisch nicht mehr als man braucht, sollte also auch nichts entsorgen müssen. Praktisch fiel das bei mir im Vergleich mit dem normalen Einkauf aber nicht wirklich ins Gewicht, scheint mir also (auch) kein Pro-Argument zu sein.