Bei Ben in Berlin

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Die meisten Leute in meinem näheren Umfeld wussten auf Nachfrage nicht wer Ben ist. Dabei habe ich doch schon das ein oder andere Mal über Ben gebloggt, getwittert und verlinkt. Ach ja, liest ja keiner. 😉 Naja, auch egal. Denn:

Am Donnerstag (also vor knapp 2 Stunden – von dem Zeitpunkt gesehen, da ich diese ersten Sätze schreibe) hatte ich das unglaublich große Vergnügen Mr. Ben Folds live und persönlich in Berlin spielen zu hören (und sehen, natürlich). Wer seine Musik kennt oder schon mal ein Youtube-Video von einem Konzert gesehen hat (oder dies hier), weiß, dass er Klavier spielt als gäbe es kein morgen. So auch gestern. Bei Songs wie „Saskia Hamilton“ oder „Still Fighting“ hämmert Folds in die Tasten, dass man meint er wäre der Drummer (was er wohl auch mal war). Man könnte sagen, er ist eine Art moderner und unschwuler Elton John, der Balladen genau so geil schreiben kann wie Pophymnen und dessen Texte (wenn’s denn seine sind) die Bandbreite von banal bis tiefschürfend komplett abdecken.

Meine persönlichen Lieblinge – allen voran „Picture Window“ und „Effington“ – waren ebenso auf der Setlist, wie zahlreiche weitere  Titel der Kollaboration „Lonely Avenue“ , bei der Nick Hornby die Texte der Songs schrieb, und anderen Perlen aus dem Gesamtwerk des – Achtung, abgelatschte Lobhudeleivokabeln voraus – Ausnahmekünstlers.

Nach einem tosenden Applaus gab’s in der Zugabe „Ben Folds Five“-Klassiker „Zak & Sara“, „Army“ sowie den Mitmacher überhaupt „Not the same“ bei dem Folds wie zur Hommage an Gotthilf Fischer gern das Publikum dreistimmig Harmonien intonieren lässt. Das funktionierte auf Anhieb so perfekt, dass er zum Ende des Lieds auf’s Klavier stieg, um mit dem Chor noch einen kleinen Marsch zu dirigieren.

Überhaupt war Mr. Folds augenscheinlich gut drauf, denn auch eine neue Interpretation von „Rock this bitch“ („Rock die Schlampe“) gab’s spontan, als ein unhöflicher Zuschauer in einen beginnenden anderen Song hineinrief. Macht man nicht, war aber lustig. Immerhin hatte Folds das „Rock this bitch“-Thema schon mehrfach ad acta gelegt.

Bei einigen Songs („From above“, „You don’t know me“ und „Songs of Love“) wurde Folds außer von der 4-köpfigen Band auch von Kate Miller-Heidke gesanglich begleitet, die mit ihrer unglaublichen Stimme schon als Vorband das Haus bis ins Mark gerockt hatte. Es schadet halt auch in der Popmusik nix, wenn man richtig singen kann (kleiner DSDS-und-Co-Kommentar meinerseits).

Alles in allem war’s die Reise vollkommen wert, die restliche Zeit hab‘ ich mit ein bissl Sightseeing in der Hauptstadt verbracht, dazu kommt man schließlich auch nicht alle Tage. Ich hab‘ beispielsweise noch die Wiese besucht, die sich früher mal „Palast der Republik“ nannte und bin mit der neuen U-Bahn-Linie zum Bundestag gefahren. Der sah‘ auch ohne Guttenberg noch sehr geschichtsträchtig aus, was die Vermutung nahe legt, dass Deutschland vielleicht doch noch darüber hinweg kommt, dass der Mann erstmal Kreativpause macht.

Untergekunftet war ich übrigens im „36Rooms„, einem Hostel im schönen Kreuzberg, dass einen sehr bodenständigen Charme versprühte, aber als günstige Übernachtungsmöglichkeit in der Hauptstadt (für Abenteuerlustige sicher auch für mehr als eine Nacht) durchaus eine Überlegung wert ist und hiermit als empfohlen gilt.

 

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