Meinungsmontag: Endlich über den (Gutten-)Berg

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Mittlerweile ist ja selbst den alles auf der Schlachtbank ausweidenden Medien der Spaß am zu Guttenberg vergangen, Zeit also für mich einen Beitrag nachzuschießen. 😉

Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg - eine deutsche...

Image by the cardinal de la ville via Flickr

Die Sachlage ist ja ganz Deutschland bekannt, was aber ist nun daraus zu schließen? Herr zu Gutenberg, der trotz aller Plagiatierung weiterhin die Beliebtheitsskalen anführt, hat letztendlich einen akademischen Titel aberkannt bekommen, der ihm offenbar auch nicht zustand. Das er versucht hat, sich damit durchzuschummeln, muss man ihm zum Vorwurf machen, dass er offenbar auch nach Auftauchen der Vorwürfe unbeirrt weiter gelogen hat hingegen erwartet man ja schon fast von einem professionellen Politiker. Denn klar ist: Für so dumm, die zahlreichen eigenen „handwerklichen Fehler“ nicht zu bemerken, die er auch noch mit der Mehrfachbelastung durch Job und Familie begründet, kann man den Herr Verteidigungsminister wirklich nicht halten.

Insofern ist nicht verwunderlich, dass seine politischen Ämter unangetastet bleiben, hat er durch die Affäre doch bewiesen, dass er für die politische Karriere mehr als qualifiziert ist: Er hat den Willen und die Fähigkeit ganz Deutschland ein X für ein U vorzumachen, selbst wenn seine gesamte Umwelt überzeugend das Gegenteil beweisen kann. Er kann kunstvoll die Medien einspannen, im direkten Umgang selbst aber einen amateurhaften, ja beinahe mitleiderregenden Eindruck vermitteln, damit Ersteres dem beiläufigen Zuschauer nicht all zu offenbar wird. Und er hat, ganz offensichtlich, außer der politischen Tätigkeit sonst keine Karriere in Aussicht, ja in diesem speziellen Fall nicht einmal nötig, gehört er doch in jeder Hinsicht zu den oberen Zehntausend, wirkt aber wie vom Olymp hinabgestiegen und dem Volke zugehörig.

Viel bedenklicher für mich aber ist, dass eine mehr als fragwürdige Arbeit offenbar alle Kontrollmechanismen einer Uni problemlos passiert hat, immerhin hat zu Guttenberg nicht nur einfach bestanden sondern sogar ein „summa cum laude“ abgegriffen. Da muss man zurecht der Universität Vorwürfe machen. Die wiederum ist noch so dreist, sich nicht einmal zu bemühen den Sachverhalt vollends zu klären, man habe den Doktortitel aberkannt, weil der Freiherr Fehler eingeräumt habe. Also nicht etwa, weil man sie ihm nachgewiesen hat. Das hat man auch nicht mehr vor. So ist, schon fast im Baudrillardschen Sinn, eine Wirklichkeit auf Basis einer durch die Medien (mittels Vermutung) konstruierten Wirklichkeit geschaffen worden, deren tatsächlicher Ursprung und Verknüpfung mit den Tatsachen unbekannt bleibt.

Die Konsequenz aus diesem Nicht-Ereignis sollte vielleicht ein subtraktives akademisches System sein, dass jedem zunächst einen Doktortitel auf Probe verleiht und nur bei Verstößen gegen den wissenschaftlichen Kodex sukzessive Titel aberkennt. Auch den Medien muss man hier Vorwürfe machen, Sie haben hier ihre Rolle mehr als mangelhaft wahrgenommen und nicht wirklich dazu beigetragen, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Im Fall der Bild kann man sogar feststellen (und der gestrige Presseclub mit dem Bams-Chefredakteur machte dies sehr deutlich), dass der Vorfall sogar konsequent verharmlost und der Freiherr als Opfer porträtiert wird.  Alles in allem zeichnet sich sehr deutlich das Bild einer Gesellschaft ab, die zwar alles kann aber auch alles nur mit dem halben Arsch macht.

Demo - gegen Studiengebühren - Mannheim

Image via Wikipedia

Gute Idee! So’n Scheiss…

In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf eine Nachricht hinweisen, die vielleicht etwas im Taumel untergegangen ist: In Nordrhein-Westfalen (größtes Bundesland) hat man (nach Hessen und dem Saarland) kurzerhand die Studiengebühren wieder abgeschafft. Fast schon befremdlich, wie man die Korrektur eines unsinnigen Ausflugs auch noch als Fortschritt verkaufen will, allerdings zeigt sich hier sicher ein Trend. Traurig ist eigentlich nur, dass die Politik offenbar nicht in der Lage war, eine dumme Idee schon im Gesetzgebungsverfahren als solche zu erkennen, Proteste gab’s ja doch genug.

In weiteren Neuigkeiten haben die Roten in Hamburg die Wahl gewonnen, weil der Wähler, der schon seit Jahrzehnten gemütlich hin und her pendelt, dass so entschieden hat. Ich wage zu prophezeien, dass daraus keine weitreichenden Änderungen resultieren, aber was tut man nicht alles um das politische Desinteresse der breiten Bevölkerung zu überdecken. Während südlich des Mittelmeeres derzeit scheinbar die demokratischen Phasen einiger Länder beginnen könnten, scheint der Trend ja bei uns weitestgehend vorbei zu sein, man wartet nur noch auf das Nachfolgesystem. Hat bestimmt irgendwas mit dem Internet zu tun.

Und schlussendlich noch eine Gratulation an Judith Holofernes von „Wir sind Helden„,  die mit ihrer scharfen Beobachtung zur Anzeigenkampagne der Bild und der Ablehnung zur Mitarbeit an eben jener der einzige Lichtblick der letzten Woche waren. Nachrichtentechnisch.

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