Werteverfall 2010 – Ein Rückblick

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Elbe in Licht und Flammen
Image by tm-md via Flickr

Nun ja, er wird überall schon seit Jahren beklagt und auch 2010 war dominiert vom bösen Werteverfall. Fangen wir zunächst mit ein paar eigenen Werten dieses Blogs an:

2009 veröffentlichte Artikel: 68 mit insgesamt 26509 Wörtern

2010 veröffentlichte Artikel: 29 mit insgesammt 23394 Wörtern

Wie man klar erkennen kann, sind diese Werte  2010 unheimlich verfallen, wenngleich offenbar der Umfang des einzelnen Artikeln stark gewachsen ist. Außerdem habe ich 2010 viele Infos, die ich vormals noch auf dem Blog gepostet hätte, in andere soziale Medien wie Twitter und Facebook überführt. Oder quasi verschenkt. Denn der Erfolg eben dieser Dienste hängt ja maßgeblich von dem ab, was der individuelle User bereit ist an Daten zu investieren. Was die dann damit machen, ist zumindest unsicher. Man tauscht also das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Nur was man als Gegenleistung bekommt ist irgendwie unklar. Ein klarer Werteverfall.

Besonders stark habe ich, wie viele andere wohl, Twitter frequentiert. Das zeigt zumindest die grafische Auswertung. Womit wir auch schon beim zweiten Werteverfall wären, dem der Daten. Wir alle verursachen immer mehr davon und schon allein darum verfällt ihr Wert, denn wer soll das alles noch konsumieren?Besonders viele Daten erzeugt offenbar die amerikanische Bürokratie und größere Teile davon wurden in diesem Jahr von Wikileaks der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Für umsonst. Damit ist außerdem ein weiterer Werteverfall dokumentiert, der sich seit einigen Jahren immer stärker fortsetzt: Die Idee der Freiheit scheint heute auch kaum noch etwas Wert zu sein. Was aber auch daran liegen kann, dass jeder davon eine andere Vorstellung hat. Ubisoft meinte, der Kunde sollte nicht so frei sein, seine Spiele überall und ohne Internetverbindung spielen zu dürfen. Google meinte, jeder sollte im Netz so frei sein dürfen, sich Häuser und Straßen anzugucken, Bürger meinten wiederum, dass würde sie in ihrer Freiheit einschränken, nackt im Garten zu liegen. Und hier im Blog wurde dem Trend folgend darum der unregelmäßige Meinungsmontag einberufen, der sich bisher ganz gut gehalten hat.

Richtig massiven Devisenwerteverfall hatte man uns mit der virtuellen Finanzkrise einreden wollen, gefolgt von „German Angst“ Nummer 2, einer Wirtschaftskrise. Tatsächlich stellte sich raus, war der Schaden nicht ganz so groß und während zu Beginn der Krise alle von nichts gewusst haben wollen, tätschelten sich in diesem Jahr Politiker und Wirtschaftswaisen gegenseitig lobend die Backen. Und alle, die sich vorher die Taschen gefüllt haben, sind längst wieder kräftig dabei. Es geht aufwärts.  Und scheinbar haben alle genug Kohle, denn zu Weihnachten wurde anstelle der doofen Bescheiden- und Besinnlichkeit wieder kräftig Kasse gemacht.

Der geneigte Leser sei nun aufgefordert noch mehr Anzeichen des Werteverfalls zu sammeln, wenn man beispielsweise in die Politik, Wirtschaft oder Kultur blickt, sollte einem dies nicht all zu schwer fallen. Die Kommentare oder auch die diversen sozialen Medien für Rückmeldung zur Verfügung.

In diesem wieder recht kurzen Bloggerjahr hat sich erneut gezeigt, dass kontinuierliches Veröffentlichen sinnloser Inhalte letztendlich keinem nützt. Aber auch keinem schadet. Und so möchte ich schließen mit dem wohl weisesten Satzdes Jahres aus dem aktuellen Werk des Ben Folds, einer Zeile aus dessen Song „Working Day“, die eine tiefgreifende Wahrheit – beinahe ein universelles Web 2.0-Mantra – in sich trägt:

„Some guy on the net thinks I suck and he should know.
He’s got his own blog“

Oh, und Frohes Neues!

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