Meinungsmontag: Wikileaks

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Alles feuert auf Wikileaks.

Die letzte Woche stand ganz im Zeichen der „Geheimnisverräter“. Mit der Veröffentlichung von rund einer Viertel Million als geheim eingestufter Berichte amerikanischer Botschaften hat Wikileaks nun schon zum dritten Mal in diesem Jahr einen riesigen Berg von Geheimdokumenten der USA auf die Welt losgelassen. Die waren immer erbost und haben versucht das System Wikileaks zu bekämpfen, genutzt hat es bislang scheinbar wenig.

Doch nach der aktuellen Veröffentlichung und der Ankündigung, kontinuierlich weitere Daten preis zu geben, sah sich Wikileaks massiven Angriffen auf verschiedenen Ebenen ausgesetzt. Erstmal wurde viel gedroht und gefordert, die krasse Spitze stellen diverse teils öffentliche Bekundungen dar, man möge Wikileaks Frontmann Julian Assange doch aus dem Verkehr ziehen (eine Liste diverser Äußerungen hängt einem Interview der El Pais an). Der muss sich parallel dazu auch immer noch mit den schwedischen Behörden wegen Mißbrauchsanschuldigungen auseinandersetzen. Das Projekt Wikileaks selbst war offenbar Ziel diverser Angriffe gegen seine Server, die regelmäßig für Stunden nicht erreichbar waren. Mittlerweile gibt es  allerdings zahlreiche Spiegel der Wikileaks Website, dank der mächtigsten Waffe des WWW: dem Netzwerkeffekt.  Nach scheinbar massivem politischen Druck stellte Amazon sein Hosting von Wikileaks-Daten ein (netzwelt.de), die Domain wikileaks.org – vormals von everydns betrieben – ist derzeit tot und wurde kurzerhand durch wikileaks.de, wikileaks.ch, wikileaks.nl etc. ersetzt. Paypal sammelt scheinbar keine Spenden mehr für die Wau Holland Stiftung.  (FAZ, Frankurter Rundschau,Süddeutsche, Spiegel)

In allen Medien diskutierte man das Für und Wider der Veröffentlichung. Wikileaks hatte in Kooperation mit Medien wie dem Spiegel oder dem Guardian die Dokumente ausgewertet, welche dann ihre Artikel veröffentlichten während Wikileaks parallel dazu das Quellmaterial veröffentlichte. Ganz offensichtlich wird seitdem gnadenlos auf den der Boten gefeuert. Während die einen (so wie ich) die Aktionen von Wikileaks als Vorboten des ‚echten‘ Informationszeitalters sehen, in denen Transparenz ein ganz neue Qualität erhält, kritisieren die Gegner, dass es sich um eine Menge wenig brisanter Informationen handele die aber bewirkten, dass der gesamte diplomatische Apparat nicht mehr funktioniere, wenn die geheime Kommunikation nicht mehr sicher ist und dass (wie schon bei früheren Veröffentlichungen beanstandet) es möglicherweise gefährliche Konsequenzen für Individuen geben könnte, die Wikileaks nicht verantworten könne. Nichts ist wohl derzeit leicher, als Standpunkte dazu zu finden, darum nur ein Hinweis auf die interessante Berichterstattung von Democracy now mit einigen interessanten Videos zum Thema.

Darüberhinaus hat das zweite prominente Gesicht von Wikileaks sich zu Wort gemeldet. Ehemaliges Gesicht muss man allerdings sagen, denn Daniel Domscheit-Berg aka Schmitt, der deutsche Wikileaks Sprecher, hat das Projekt verlassen bzw. ist beurlaubt worden (wem glaubt man nun…). Was das bedeutet ist erstmal unklar, angekündigt ist ein Buch und möglicherweise bekommt Wikileaks in Zukunft auch Konkurrenz. Das kann man im Grunde nur begrüßen. Andererseits kommt die mediale Aufmerksamkeit natürlich auch durchaus gelegen, scheint es.

Das Wikileaks auch Fehler gemacht hat,  steht außer Frage. Dem entgegen stehen aber die wohl bahnbrechendsten Enthüllungen der letzten Jahre und die Wichtigste davon ist nicht mal direkt in einem Dokument enthalten. Denn es ist besonders in diesen ersten Jahren des 21. Jahrhunderts doch immer wieder deutlich geworden, dass unsere demokratischen Grundfeste nicht ganz so stabil sind, wie gedacht und gerne mal nachgeben, wenn sie gezielt belastet werden. So gesehen in der letzten Woche, das Recht auf freie Meinungsäußerung gilt scheinbar nur solange, wie man nicht den Falschen auf die Füße tritt. Cablegate zeigt, dass die Option der Geheimhaltung durchaus salopp gebraucht wird für Informationen, die das möglicherweise nicht rechtfertigen. Warum sollte eine demokratische Regierung ihren Souverän (Erinnerung: das Volk) dabei behindern informierte Entscheidungen zu treffen? Wollen wir das? Diesen Fragen müssen wir alle uns in naher Zukunft stellen, weil die Antwort darauf entscheidet, wie die restlichen 90 Jahre dieses Jahrhunderts aussehen werden.

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