Meinungsmontag – Werbung – 06.09.2010

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Briefkastenaufkleber
Image via Wikipedia

Heute nur ein Kurzer für Zwischendurch:

Im Grunde nervt ja Werbung irgendwie zu 60 bis 75 Prozent, weil einen das Produkt in der Regel nicht interessiert und daher im Grunde nur sinnlos Fernsehzeit oder Zeitschriftenseiten belegt werden. Ich glaube, dass der moderne Bürger sich die Produktinformation, die er braucht, selbst abholt, wenn er es für richtig hält. Das will die Werbeindustrie natürlich tunlichst verhindern.

Davon abgesehen gibt es gute Werbung, die einfach kurz einen Gag reinschießt oder ein optisch ansprechendes Bild entwirft und nicht weiter stört. Bäm, ich kenne das Produkt.

Viel zu oft aber ist Werbung darum bemüht, mir – dem potentiellen Kunden – Aspekte zu verkaufen, die sofort meinen Bullshitsensor anwerfen. Schlechtes Beispiel derzeit ist die Kampagne einer nicht genannten Versicherungsgruppe mit vier Buchstaben, die früher mal einen längeren Namen und einen Mitarbeiter namens Kaiser hatte und derzeit, als Ergebnis einer offenbar kurzen aber fruchtlosen Suche nach einem neuen Image, in Spots und auf Plakaten junge Menschen ins Feld wirft, die mir verticken sollen, dass sich die Versicherung wahnsinnig doll um meine Bedürfnisse schert. Bullshit! Versicherung ist wie Wetten und wenn ich gewinne verliert die Versicherung. Und da sitzen einfach Mathematiker, die mit Zahlen herumjonglieren und die Chance errechnen, dass in meiner Gegend ein Auto geklaut wird. Dann rechnen sie das in Beiträge um, die so hoch sind, dass sie selbst im Fall von x% Schäden noch Gewinn machen und versichern die Autobesitzer in meiner Straße. Wenn sie zu vielen Leuten was zahlen müssen, gehen sie pleite und der Außendienstmitarbeiter hat entweder Schiss um seine Prämie oder kriegt eine Weiterbildung in professionellem Mitleid aka „Kommunikation“. Weil man sich einfach besser fühlt, wenn der Typ einem mitfühlend sagt, dass die Versicherung in diesem Fall natürlich nix zahlt.
Und weil das eigentlich jeder weiß, wäre es wenigstens ehrlich, wenn die Versicherung das auch nüchtern sagen würde anstatt junge Leute im TV 30 Sekunden Schmarm labern zu lassen. Oder einfach Klappe halten. Ihre Versicherer.

Andere Spots, die ich nicht mehr ertrage in wahlloser Reihenfolge:

„Hallo ich bin Claire und das ist der Clearblue Schwangerschaftstest.“ Schön für dich, mal abgesehen von der schon himmelschreienden Alliteration, bitte erst wieder melden wenn das Ding auch das Geschlecht und den Geburtstag feststellen kann. Von allen Kindern, die noch kommen versteht sich. Oh, und eine App fürs iPhone wär nett.

Der alte Schöfferhofer Spot war sexy (der mit Harald, der Französin und dem suggestiven Bier im Bauchnabel), im neuen Spot lechzen ein Mann und eine Frau collagiert um die Wette und beide sehen wie Alkoholiker aus (fahl, blaß, eingefallene Gesichter, dürr und irgendwie androgyn), die sich nicht gegenseitig anhimmeln sondern eben die tolle Flasche Bier, was nun im Interesse der Firma sein kann oder auch nicht. Betrunken vielleicht lustig?

Bitte keine Werbung mehr mit „zufällig“ „interviewten“ „Passanten“. Ob Schokoschnitte, Brille oder Waschmittel, ich glaube nicht, dass das ungecastete Menschen sind, ich glaube auch nicht, dass das irgendjemand glaubt und von Schauspielern lass ich mir nur was andrehen, wenn die entweder sehr berühmt sind oder persönlich bei mir vorsprechen. Liebe Macher: Es wirkt nicht authentisch (nicht ein Stück) und selbst wenn, seit wann höre ich auf wildfremde Leute auf der Straße?

Und mein All-Time-Favourite, schon x-mal dabei, darum bitte nicht wiederwählen: Joghurt mit Bakterien. Offenbar können vor allem Frauen in Deutschland reihenweise nicht richtig aufs Klo. Das sagt man nur so nicht, neudeutsch heißt es nämlich Blähbauch. Und damit der weggeht muss man fleißig den Joghurt mit den aktiven Kulturen essen. Das regt die Darmtätigkeit an ergo (ups, Werbung) kann man wieder nach Herzenslust „äpfeln“. Die Wahrheit: Alle Milchprodukte (auch die ganz billigen) regen in nahezu gleichem Maße die Darmtätigkeit an. Aber Respekt, dass man im Fernsehen vom Stuhlgang sprechen kann, ohne das Kind beim Namen zu nennen. Ich scheiß drauf.

Guten Appetit!

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