Be Kind Rewind – Abgedreht

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Cover of Be Kind Rewind

Ich bin im Grunde ein bissl stolz darauf, immer mal wieder auf bestimmte Filme, Musik oder andere Medien mit Verzögerung aufmerksam zu werden. Wenn etwas neu ist gibt es immer einen – kleinen oder großen – Hype und erst mit etwas Abstand kann man einigermaßen objektiv Tolles und Blödes auseinanderhalten. So war beispielsweise ein Film wie „Blade Runner“ trotz Hype in der Presse nur mäßig erfolgreich an den Kinokassen. Mittlerweile wird er aber weithin als Kultfilm verehrt. Was sich auch positiv auf VHS und DVD Verkäufe ausgewirkt hat. 🙂

Es geht aber um einen ganz anderen Film und der beschäftigt sich thematisch mit High-Tech aus dem letzten Jahrhundert: VHS!
Der Film heißt zu deutsch „Abgedreht“ was sehr uninspiriert erscheint in Anbetracht des Originaltitels: „Be Kind Rewind„. Das heißt übersetzt „Seid nett und spult zurück“ und bezieht sich auf die gute alte Videokasette, wie sie jahrzehntelang in den Videotheken leihbar war. Der Film spielt dann auch in einer solchen, sie befindet sich im Örtchen Passaic (New Jersey) und gehört Herr Fletcher (gespielt von Danny Glover). Während der verreist ist soll sein Angestellter Mike (Mos Def) das dahinsiechende Lädchen beaufsichtigen und insbesondere seinen Freund Jerry (Jack Black) fernhalten. Dieser lädt sich prompt magnetisch auf und löscht so im vorbeigehen sämtliche Videobänder. Mike und Jerry stehen nun in Zugzwang und beschließen mit einfachsten Mitteln die Filme nachzudrehen. (Screenshots!) Als erstes drehen sie „Ghostbusters“ in wenigen Stunden nach, weil Frau Falewicz (Mia Farrow) den Film bestellt hat. Sie nennen diese spezielle ‚Technik‘ „schweden“ und begründen damit die Wartezeit auf die Filme. Überraschend kommen die nachgedrehten Filme bei den Kunden an und immer mehr Filme werden bestellt, der Laden läuft auf Hochtouren. Das ist umso erfreulicher, da das Gebäude dringend renoviert werden muß und Fletcher dazu das Geld fehlt. Die Leute zahlen sogar dafür, in den geschwedeten Filmen mitzuspielen. Doch dann schlägt die Filmindustrie gnadenlos zu und alle Filme werden wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht vernichtet. Die Enttäuschung wärt nur kurz, dann entschließen sich Mike und Jerry die Lebensgeschichte der Jazz-Ikone Thomas „Fatts“ Waller zu verfilmen und damit das fehlende Geld zu verdienen. Der Film endet unkonventionell und unerwartet, wie genau soll aber noch nicht verraten werden.

Gondry-Mos-Def-Be-Kind
Image via Wikipedia

Regisseur Michel Gondry (Vergiss mein nicht) hat insbesondere mit den kongenialen Filmen-im-Film etwas geschaffen, dass das Zeug zum Klassiker hat, wenn auch durchaus die Handlung insgesamt ein bissl löchrig ist. Seinen Charme entfaltet der Streifen im Grunde dann, wenn sich Mos Def und Jack Black in die selbstgebastelten Kostüme werfen und mit simpelsten visuellen und praktischen Tricks ihre Versionen bekannter Filmklassiker verwirklichen. Dazu gibt es eine geniale schnittfreie Sequenz, die zeigt wie mehrere Filme gleichzeitig „geschwedet“ werden. Klar, einige werden Jack Black zu albern oder die Geschichte zu anspruchslos finden. Aber wie der Film es schafft die Remix-Kultur der Gegenwart aufzugreifen und trotzdem in ein organisches, erstaunlicherweise undigitales Setting zu transferieren, hat zweifellos Respekt verdient. Der Trend des „Schwedens“ hat auch auf YouTube Niederschlag gefunden. Unabhängig davon hat der Film auch eine rührselige Seite und thematisiert den nachbarschaftlichen Zusammenhalt. Zugegeben, dass klingt alles ein bißchen nach Anachronismus und vielleicht ist es das sogar, aber es erinnert uns doch daran, das früher halt nicht alles schlecht war.

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