2. Meinungsmontag – jetzt mit Sparpaket [Update]

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Der Ex-Bundespräsident

The President of Germany Horst Köhler. Former ...
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Wenn ich die Berichterstattung überblicke, ist die Republik gespalten in drei Gruppen: Da sind zum einen die Zustimmer, sie glauben Horst Köhler hat vollkommen zu Recht (nämlich, weil er den „Respekt vor seinem Amt“ vermisse ) seinen Job als Bundespräsident gekündigt, sie haben Respekt vor seiner Entscheidung. Zum anderen sind da die Kopfschüttler, sie glauben der ehemalige Bundespräsident habe mit seinem Rücktritt überreagiert, womöglich habe er die amerikanische Schelte über den Ölkonzern BP fälschlicherweise auf sein Amt (BundesPräsident) bezogen. Sie argumentieren Köhler sei zu dünnhäutig, also quasi ein Weichei und kam sich in seinem Amt überflüssig vor, zumal ja selbst die Kanzlerin ihn nicht verteidigen mochte. Zumindest das Überflüssig-Sein kann man schwer wegreden, schon Rainald Grebe singt in seiner Hymne auf das Amt:

„Jetzt kommt ein Grußwort für Hartz IV-Empfänger
Ihr Schicksal trifft mich auch persönlich
Sie halten sich für überflüssig
Es geht mir da ganz ähnlich“

Dann gibt es eine dritte Gruppe, die Verschwörungstheoretiker. Sie kamen in den diversen Diskussionsrunden in der letzten Woche ausgiebig zu Wort. Ihnen allen gemein ist die Annahme, dass Köhler seinen Hut aus einem viel bedeutsameren Grund nahm, als den paar kritischen Stimmen ob seines mißglückten Kommentar zum deutschen Afghanistaneinsatz. Diesen Grund kann er freilich nicht nennen, wer weiß also, was tatsächlich auf dem Spiel steht? Was die Politik uns, also dem Souverän dieses Landes, verschweigt? Ich möchte mich letzterer Gruppe anschließen und vermute einfach mal ins Blaue hinein, dass die versammelte Waffenlobby dem Präsidenten mit Waffengewalt den Rücktritt nahegelegt hat, nachdem er mit seiner Aussage angedeutet hatte, es gäbe wirtschaftliche Interessen am Afghanistankonflikt. Noch bis kurz vor der Pressekonferenz hatten sie seine Frau als Geisel genommen und erst nachdem klar war, dass er den für ihn eiligst getippten Abschiedstext auch vor versammelter Presse vorlesen würden durfte Frau Köhler wieder an seine Seite, von welcher sie ja dann auch nicht mehr wich. Denn wirtschaftliche Interessen als Ursache für einen bewaffneten Konflikt, das wäre ja nun wirklich vollkommen unangemessen. Geradezu unvorstellbar!! Und damit das auch so bleibt, spricht man nicht darüber. So, wie man ja auch lange Zeit nicht von einem Krieg in Afghanistan sprach. Upps!

Werbung nervt

Egal ob privat oder öffentlich-rechtlich, wer fernsieht oder Radio hört, wird lebendig beworben. Manchmal geben sich die Firmen ja durchaus Mühe, in den meisten Fällen aber eben nicht. Da ist die schlanke, optisch gesunde Frau, die sich beklagt, weil sie sich ja so aufgebläht fühle. Und noch bevor man ihr entgegenschreien kann, sie sollte doch mal gepflegt einen fahren lassen, da drückt sie schon die Packung kulturell wertvollen Joghurts gegen das Objektiv, den sie jetzt täglich esse und seitdem offenbar blähungsfrei daherkommt. Dass dieser  Wunderjoghurt nachweislich erstmal nur doppelt so teuer ist wie ’normaler‘ Joghurt aber daran gemessen nicht wesentlich besser für den Darm, dass verschweigt der Spot. Schnipp, da werde ich schon über Pierres BASE aufgeklärt. Das ist ja so flexibel, weil man alles mögliche dazu und wieder weg buchen kann. Toll, tangiert mich aber nicht, weil ich nicht jeden Monat aufs Neue mein Telefonnutzungsverhalten analysiere. Und keiner kann mir erzählen, dass unsere Babies plötzlich alle wahnsinnig Grips ansetzen, weil sie in ihren Mörderpampers die ganze Nacht durchstrullen können ohne davon wach zu werden. Meine Mutter hat meine Stoffwindeln (und die meiner Schwester) noch gewaschen und wiederverwendet! Hat auch nix geschadet, denn wenn man einmal daran gewöhnt ist, die Kacke einfach laufen zu lassen, kommt man nur ganz schwer wieder davon weg.. Wenn überhaupt, dann sollte man die Hightech-Windeln für die um sich greifende Doofheit der Leute verantwortlich machen. Richtig nerven tun auch die diversen Spots mit FIFA WM 2010-Bezug. Insbesondere wenn Michael Ballack, der alte Mit-Attest-zu-Hause-Bleiber, in die Kamera grinst, so als genösse er schon jetzt die Werbemillionen, die er sich trotz seiner WM-Abwesenheit verdient hat. Der gehört verpixelt!
Der Hammer ist aber ein BlendaMed-Spot, bei dem der Zuschauer aufgefordert wird, sich doch bei den tollen Wissenschaftlern zu bedanken, für die tolle Zahnpasta, die sie da ständig neu erfinden. Dazu sage ich nur: GEHT ES NOCH!! Da sitzen offenbar seit Jahrzehnten ausstudierte, vom Staat teuer finanzierte Zahnmediziner und Chemiker in einer Fabrik und basteln nicht anderes als neue Zahnpasten! Diese Menschen könnten Heilmittel für AIDS, Krebs oder Alzheimer suchen, sie könnten kranken Menschen helfen, von denen es ja zweifellos mehr als genug gibt. Stattdessen sitzen sie in der sterilen Umgebung eines Gewerbegebietes, abgeschirmt von der restlichen zivilisierten Welt und brüten über Farb- und Geschmackskombinationen für ZAHNPASTA!! Welche, so gut wie die mittlerweile ist, die Zähne schon blitzeblank reinigen müßte, WENN MAN NUR DIE TUBE MIT DEM KLEINEN ZEH BERÜHRT!

Sparpaket

Eigentlich nicht überraschend, sondern lange, lange überfällig. Mich hat schon immer geärgert, dass ein Staat Geld raushaut – mithin sicherlich sinnvoll, aber auch nicht immer – , das er nicht hat. Gerade berichtet das Nachtmagazin, dass man sich in Europa final für einen ‚Rettungsschirm‘ des Euro geeinigt hat. Tolle Sache, die allerdings gar nicht nötig wäre, wenn alle ein bisschen vernünftiger mit ihren Budgets umgehen würden. Nun hat heute die Regierung Pläne für umfangreiche Einsparungen vorgelegt, viel im Bereich Arbeit und Soziales, Subventionen abbauen, Atomkraftwerke zahlen für Störfälle. Oder so. Toll dabei: keine Einsparungen für Bildung und Forschung (sehr vernünftig) und keine Steuererhöhungen. Bankensteuer gibt’s leider immer noch keine (international traut man sich auch nicht so recht) und die Reichen besteuern mag man auch nicht, gut, die Jammern ja nun mindestens doppelt so laut, wie die armen Leute. Insgesamt augenscheinlich eine durchdachte Sache, die natürlich noch durch den Praxistest muss. Das hält aber die Opposition (=die Leute, die von Haus aus dagegen sein müssen) nicht davon ab, der Regierung an allen Ecken und Enden versagen vorzuwerfen. DGB-Chef Sommer, der für den ersten Satz seiner Erklärung drei Anläufe brauchte, die live bei Phoenix übertragen wurden. Ganz großes Kino!

Meine Frage an die Meckerpötte: Wäre es zuviel verlangt, bei solch grundlegenden, wichtigen Themen ein wenig Kooperation zu zeigen? Nur ein kleines bisschen?? Natürlich macht Sparen keinen Spaß, aber es muss nun mal sein. Und darauf, dass das alles nicht allzu unsozial wird, kann die Opposition ja konstruktiv einwirken. Wenn sie nicht zu sehr mit sinnlosen Streikforderungen beschäftigt sind. Oder damit ihre Reden auswendig zu lernen. Nah, wohl nicht.

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