Ubisofts Kopierschutz – die Zukunft des PC-Spiels?

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Ubisoft Entertainment S.A.
Image via Wikipedia

Heute mal wieder ein bißchen Schelte, es geht um das neue Kopierschutzsystem der Firma Ubisoft. Der Publisher ist mir eigentlich vorher nur positiv aufgefallen, sie haben tolle Spiele geliefert (Die Siedler, Rayman, Prince of Persia), viel Innovatives was an den Kassen nicht immer gewürdigt wurde (XIII, Beyond Good and Evil) und waren für meine Begriffe ein vorbildlicher Publisher. Damit ist es nun offenbar vorbei.

Beginnend mit Silent Hunter 5 und Assassin’s Creed 2 hat Ubisoft auf dem PC ein Kopierschutzsystem eingeführt, welches nicht nur einen Online-Account bei Ubisoft voraussetzt (genaues Monitoring was wann wie oft gespielt wird) sondern während des gesamten Spieles eine „Breitband-Internetverbindung“ fordert. Verliert der Rechner die Verbindung ins Netz, bleibt das Spiel stehen bis man wieder verbunden ist oder man verläßt es. Außerdem werden Speicherstände online gespeichert und nicht auf dem heimischen PC. Dreist wie man offenbar heute in der Branche sein muss, will man dem Spieler das Ding mit folgenden Features verkaufen: 1. Man kann ohne Datenträger das Spiel an beliebig vielen PCs spielen. 2. Da die Savegames online gespeichert werden, stehen sie an jedem Ort, wo das Spiel installiert ist zur Verfügung. Nun weiß ich nicht, wie das beim Rest der Welt aussieht, aber ich habe nur einen Spiele-PC zur Verfügung (und kenne auch niemanden, der z.B. im Büro spielen darf) und da ist das Spiel drauf. Ein Bericht auf golem.de zeigt per Video, wie das dann in Realität aussieht.

Wie bei allen komplexen technischen Systemen, versagte auch dieses gleich am ersten Tag, die Authentifizierungsserver waren überlastet und die Menschen konnten ihre teuer erkauften Spiele nicht spielen. Ihrem Ärger machten die Käufer dann in diversen Foren und Beiträgen Luft (man beachte z.B. die Bewertungen bei Amazon für AC2 und SH5). Auch eine Petition dagegen läuft schon, einen Crack für beide Spiele scheint es derzeit noch nicht zu geben, weil eben an vielen verschiedenen Stellen im Spiel Code online nachgeladen werden muss und diese Stellen muss man erstmal finden. In der aktuellen Computerbild Spiele (ja, ich weiß, schlechte Quelle) steht, dass auch EA einen ähnlichen Schutz praktizieren will (aber tun sie das nicht schon seit Spore??). Auch das diesen Monat erscheinende „Die Siedler 7“ soll nun diesen Mechanismus haben, er soll für alle kommenden Produktionen auf dem PC obligatorisch sein.

Assassin's Creed II
Image via Wikipedia

Nun verstehen die Vernünftigen sicher noch, dass der Kampf gegen die Piraterie durchaus Maßnahmen erfordert, aber offenbar sind die Publisher was das angeht ähnlich unkreativ wie die Musikindustrie: Sie ziehen Schützengräben. Und die hat’s ja dann auch noch gelernt, DRM bei Musik ist nur sehr subtil noch vorhanden.

Für mich steht erstmal fest: AC2 bleibt für unbestimmte Zeit von meinem virtuellen Regal ausgeschlossen, auch auf die Siedler hatte ich mich sehr gefreut. Aber nicht unter diesen Umständen. Nicht nur, dass es mich ärgert mittlerweile für Downloadversionen von Spielen (z.B. über Steam) den vollen Ladenpreis zu bezahlen, jetzt muß ich für Einzelspieler-Spiele – denn für Onlinespiele wär’s ja nachvollziehbar – auch noch permanent das Internet frequentieren. Bei Steam (und jedem anderen Online-Spiele-Service den ich nutze) gibt’s immer einen Offlinemodus. Ganz allgemein verstehe ich aber immer noch nicht, was sich die Spielefirmen davon erhoffen. Vekaufen sie damit wirklich mehr Spiele in den kritischen ersten 4-8 Wochen? Oder ist es nicht vielmehr so, dass nur Wenige voll für ein Spiel bezahlen, dass sie nicht kostenlos herunterladen können, viele aber bewusst die Finger von derart eingeschränkter Software lassen? Zum Budgetpreis kann man sich das dann ja nochmal überlegen. Ich denke, da wird noch ein Branche mächtig auf die Nase fallen bis der Lerneffekt einsetzt. Auf meinem Wunschzettel steht jetzt zumindest erstmal nur noch Bioshock 2. Oder ich gucke mal in meinem umfangreichen Archiv nach. Pech für Ubisoft!

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  • Dan

    Ja für mich war es mit Silent Hunter 5 auch eine schwere Entscheidung, hab ich doch die Vorgänger mit viel Freude gespielt und nicht damit gezögert das Spiel sofort am Releasetag zu erwerben. Das sieht jetzt anders aus und das liegt nicht an den verschiedenen Schwachstellen/Bugs von SH5 (die in der Tat nicht abzustreiten sind, über die man als Enthusiast jedoch hinweg gucken kann) sondern das äußerst mangelhaft umgesetzte und zudem Kundenfeindliche DRM des Publishers. Ich habe diesmal bewusst mit dem Kauf gezögert und wurde in meiner Skepsis (bedauerlicherweise) bestätigt. Es ist in meinen Augen eine Ohrfeige für Jene, die Spiele legal erwerben und somit auch die Entwickler klar unterstützen. Es trifft hier nicht die Raubkopierer sondern die ehrlichen Käufer. Warum hast Du ja in vielen Punkten schon selbst gesagt.
    Die Tatsache, dass die Masterserver ausfallen ist einfach untragbar. Schließlich ist genau so ein Szenario oft schon im Vorfeld kritisiert worden und hätte mit höchster Priorität verhindert werden müssen.

    (Es ist laut @gamestar mehr als einmal vorgekommen, dass es zu „kleinen Serverstörungen“ kam und zehntausende Spieler aus dem jeweiligen Spiel geflogen sind.)

    Umso ironischer ist da die Tatsache, dass die Raubkopierer somit ein ganz neues Publikum erreichen (frustrierte Käufer auf der Suche nach einem Offline Patch, etc.), welche dann vielleicht auch da hängen bleiben. Viele werden vielleicht auch komplett von der Plattform PC abstand nehmen und auf Xbox360 oder PS3 ausweichen. Es ist ja nicht nur die zwingend erforderliche Internetanbindung beim Spielen selbst. Dazu kommt der Fakt, dass die erstmalige Authentifizierung dann auch dazu führt, dass man sein Konto explizit an das Spiel bindet und es so nicht mehr verkaufen/verschenken oder Freunden ausleihen kann, wenn man es nicht mehr spielen möchte. Wenn ich ein Spiel zum vollen Preis erwerbe, dann möchte ich es auch vollständig besitzen und darüber verfügen dürfen.

    So traurig es klingt ist das einzig logische Fazit, die Finger Ubisoft Produkten, welche über den Ubi Game Launcher laufen, zu lassen und zu hoffen, dass es eine legale Offline-Alternative geben wird (lustigerweise haben ja auch SH5 und viel mehr noch AC2 ihren Reiz am Singleplayer). Handelt man da schnell, kann man vermutlich auch viele Spieler (potenzielle Käufer) beschwichtigen. An der Qualität der Spiele liegt es ja hierbei nicht! Wie Du selbst schreibst hat Ubisoft auch in meine Augen viele gute Entscheidungen getroffen und sich nicht ohne Grund so etabliert. Selbst bei StarForce würde ich auch ohne Probleme mitgehen und Kompromisse machen, aber nicht so. Schade drum. In meinen Augen ist es sogar für Silent Hunter 5 viel schlimmer als für Assassins Creed 2. Schließlich wird somit eine weitere (über Jahre entwickelte) Simulation in den Boden gewirtschaftet. Danke dafür.

  • Dan

    Ja für mich war es mit Silent Hunter 5 auch eine harte Entscheidung, hab ich doch die Vorgänger mit viel Freude gespielt und nicht damit das Spiel sofort am Releasetag zu erwerben. Das sieht jetzt anders aus und das liegt nicht an den verschiedenen Schwachstellen/Bugs von SH5 (die in der Tat nicht abzustreiten sind, über die man als Enthusiast jedoch hinweg gucken kann) sondern das äußerst mangelhaft umgesetzte und zudem Kundenfeindliche DRM des Publishers. Ich habe diesmal bewusst mit dem Kauf gezögert und wurde in meiner Skepsis (bedauerlicherweise) bestätigt. Es ist in meinen Augen eine Ohrfeige für Jene, die Spiele legal erwerben und somit auch die Entwickler klar unterstützen. Es trifft hier nicht die Raubkopierer sondern die ehrlichen Käufer. Warum hast Du ja in vielen Punkten schon selbst gesagt.
    Die Tatsache, dass die Masterserver ausfallen ist einfach untragbar. Schließlich ist genau so ein Szenario oft schon im Vorfeld kritisiert worden und hätte mit höchster Priorität verhindert werden müssen.

    (Es ist laut @gamestar mehr als einmal vorgekommen, dass es zu „kleinen Serverstörungen“ kam und zehntausende Spieler aus dem jeweiligen Spiel geflogen sind.)

    Umso ironischer ist da die Tatsache, dass die Raubkopierer somit ein ganz neues Publikum erreichen (frustrierte Käufer auf der Suche nach einem Offline Patch, etc.), welche dann vielleicht auch da hängen bleiben. Es ist ja nicht nur die zwingend erforderliche Internetanbindung beim Spielen selbst. Dazu kommt der Fakt, dass die erstmalige Authentifizierung dann auch dazu führt, dass man sein Konto explizit an das Spiel bindet und es so nicht mehr verkaufen/verschenken oder Freunden ausleihen kann, wenn man es nicht mehr spielen möchte. Wenn ich ein Spiel zum vollen Preis erwerbe, dann möchte ich es auch vollständig besitzen und darüber verfügen dürfen.

    So traurig es klingt ist das einzig logische Fazit, die Finger Ubisoft Produkten, welche über den Ubi Game Launcher laufen, zu lassen und zu hoffen, dass es eine legale Offline-Alternative geben wird (lustigerweise haben ja auch SH5 und viel mehr noch AC2 ihren Reiz am Singleplayer). Handelt man da schnell, kann man vermutlich auch viele Spieler (potenzielle Käufer) beschwichtigen. An der Qualität der Spiele liegt es ja hierbei nicht! Wie Du selbst schreibst hat Ubisoft auch in meine Augen viele gute Entscheidungen getroffen und sich nicht ohne Grund so etabliert. Selbst bei StarForce würde ich auch ohne Probleme mitgehen und Kompromisse machen, aber nicht so. Schade drum. In meinen Augen ist es sogar für Silent Hunter 5 viel schlimmer als für Assassins Creed 2. Schließlich wird somit eine weitere (über Jahre entwickelte) Simulation in den Boden gewirtschaftet. Danke dafür.