Christis Himmelfahrt – Das Tagebuch Teil 1

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Angesichts eines freien Tages (dem gestrigen Herren-, Vater- oder Männertags aka Christi Himmelfahrt) habe ich mir ein bißchen freiwillige Arbeit gesucht und mich daran gemacht die 40 Tage zwischen Auferstehung und Himmelfahrt von Jesus Christus anhand lange verschollener Tagebucheinträge zu rekonstruieren (bevor es der Stern tut). Mein Hebräisch ist relativ schlecht, darum ist die Übersetzung möglicherweise nicht originalgetreu. Trotzdem hoffe ich, dass gerade dem Christentum eher ferne Menschen durch meine Auslegung die historische Dimension des Tatsachenberichts zu würdigen wissen und ihren Horizont zu erweitern vermögen.

Anmerkung: Die folgenden religiöse Verballhornung ist in der Absicht geschrieben lustig zu sein. Wenn sie diese beiden Konzepte (Religion und Spass) für sich nicht vereinen können, lesen sie bitte hier.

Tag nach Auferstehung – 28 nach Christus

Jesus Christ, that hurts!
Image by anyone485 via Flickr

Stehe jetzt schon geschlagene 10 Stunden an der Strasse und keine Sau nimmt mich mit. Immer die gleichen Ausreden: Kein Platz auf dem Maulesel, Wagen voll beladen. Das sah vor meinem Tod noch ganz anders aus, da haben mir die Menschen freiwillig angeboten, auf ihren Tieren in die Städte zu reiten. Lang ist’s her. Langsam macht mir dieser ganze Auferstehungskram keinen Spaß mehr. Was Vater sich dabei bloß gedacht hat. Von meinen Jüngern war natürlich keiner da, als ich wieder aufgewacht bin. Woher sollten sie auch wissen, dass ich das nur übergangsweise gemacht habe. War halt so’n symbolischer Akt damit sie später sagen: „Er starb für unsere Sünden, er litt am Kreuz für uns.“ Blah, blah. Bin jetzt auf dem Weg zu ihnen, Vater meinte ich soll noch 40 Tage mit ihnen abhängen, damit das mit dem Christentum klappt. Ich find’s ja ein bissl albern, aber Vater kommt ja immer auf solche Scherze. Noch eine Religion, als ob wir die nötig hätten! Gestern hatte Vater schon erwähnt er hätte wieder was neues in petto. Ich erinnere mich noch an unsere letzte neue Religion. Hab‘ den Namen schon verdrängt. Irgendwas mit einem glatzköpfigen, dicken Mann und einer Sache, die er Nirvana nennt. Ich dachte, das klingt cool, wie der Name einer Rockband. Aber die haben wir ja auch erst für später geplant.
Naja, ich muß jetzt erstmal weiter. Warum konnten die mich eigentlich nicht näher an Galiläa begraben? Immer diese langen Wege, und dann hat man nur diese dusseligen Jesuslatschen. Nicht mal was von Adidas! Ist doch wirklich zum aus der Haut fahren. Ich hoffe, dass irgendwann mal am Tag meiner Auferstehung, die Leute versteckte Eier suchen müssen, damit sie wissen, wie sehr mir das auf meine gegangen ist.
Jetzt erstmal weiter ins nächste Dorf.

2 Tage nach Auferstehung

Hab‘ mich mächtig geärgert! Hatte noch ein paar Latschen und anderen Tinnef im Grab liegen lassen. Also flugs Maultier gemietet und bin wieder zurück um meine Habseligkeiten einzusammeln. Kaum angekommen schleichen sich drei Weibsbilder heran und fragen mich, wo denn der Jesus läge. Ungläubiges Staunen als ich ihnen erkläre, dass ich das sei, die Jünger hätten gesagt, ich wäre gekreuzigt worden. „Ja“, sage ich, „aber jetzt bin ich halt wieder da.  Schickt mir die Rabauken mal nach Galiläa.“ Pfahle Gesichter, ich erzähle noch kurz was von Auferstehung, dann lassen sie mir ein paar Grabbeigaben da und verschwinden wieder. Spaßig, aber ich packe mein Zeug zusammen und mache mich auch auf den Weg. Will um Gottes Willen nicht hier sein, wenn noch ein paar Pilger vorbeikommen.

6 Tage nach Auferstehung

Endlich in Galiläa angekommen! Was für ein Hallo. Waren alle ziemlich überrascht, dass ich [Achtung Wortwitz!] aufgekreuzt bin. Judas war leider nicht da, man berichtete mir er hätte wohl schon ein Auge auf Maria Magdalena geworfen. Aber nicht solange ich da bin. Sie wissen nicht, dass ich in 34 Tagen eh wieder weg bin. Noch nicht. Aber das werde ich ihnen wohl noch beibringen müssen. Unter anderem. Habe mir erstmal die Füße salben lassen. Habe Blasen so groß wie Feigen von der Lauferei. Endlich mal wieder in Ruhe ausschlafen…

7 Tage nach Auferstehung

A 6th century mosaic of :en:Jesus at Church Sa...
Image via Wikipedia

Ok, Plan: Ich werde jeden Tag ein paar Stunden mit einzelnen oder mehreren Jünger verbringen. Ich erzähle ihnen Gleichnisse und Geschichten, ein paar Wunder hier und da, so wie früher. Sie sollen hinaus in die Welt und den neuen Glauben verbreiten. Und mein Buch verticken, wenn’s fertig ist. Habe mir hier eine gemütliche, abgelegene Pension gesucht, tolles Frühstück hier. Keiner weiss, wo die sich befindet, sonst gehen sie mir doch noch den ganzen Tag auf die Nerven. Ehrlich gesagt war diese ganze Verrat-Kreuzigung-Auferstehungsangelegenheit ziemlich anstrengend und damit hab‘ ich mir wohl etwas Ruhe verdient. Nichtsdestotrotz muss ich auch weiter an den Büchern arbeiten, also den religiösen Schriften, die ich hinterlassen soll. Die Entwürfe von oben sind ja ganz nett, aber noch nicht das gelbe vom Ei.

9 Tage nach Auferstehung

Gestern hat mir einer meiner Jünger erzählt, dass ein paar Frauen mein Grab aufgesucht haben und entsetzt feststellen mussten, dass es leer ist. Dann, so sagen sie, wäre ich ihnen erschienen… Musste mich ein bißchen zusammenreißen, nicht laut loszulachen.  Immerhin haben sie mich besuchen wollen, dafür gibt’s Bonuspunkte. Aber was die „Erscheinung“ angeht, hoffe ich, die erzählen das nicht rum. Glaubt aber wohl auch keiner. Hoffentlich.
Bin ansonsten noch damit beschäftigt, dieses Christentum-Ding zum Laufen zu bringen. Vom Konzept her ja eher eine dogmatische Angelegenheit, zumal es quasi ein Sequel zum Judentum werden soll, wenn ich Vater da richtig verstehe. Aber gestern Nacht hatte ich eine Eingebung um die Sache zukunftsfähig zu halten: Veränderung! Das einzig Konstante im Universum ist die Veränderung pflegt Daddy doch zu sagen. Und er muß es ja wissen. Zunächst mal werden wir einen Menschen hier als Stellvertreter Gottes auf Erden einführen und wenn der stirbt (und das wird er) dann müssen sie einen neuen wählen, schön so mit festen Regeln und massenhaft traditionellen Ziermechanismen. Ich hab‘ mit Johannes drüber gesprochen, aber der meinte, das wäre ihm zu stressig und das könnte vielleicht eher Simon Petrus machen. Auch keine schlechte Idee, werde ihn heute abend beim Wein mal drauf ansprechen.

12 Tage nach der Auferstehung

Heute bin ich Maria M. begegnet. Mit Judas läuft nichts hat sie mir geschworen, nachdem ich ihr alles erklärt habe, wegen der Wiederauferstehung und so. Haben uns für morgen verabredet. Simon Petrus findet die Idee mit dem Gottesvertreter wohl super, wenn er in Italien wohnen darf, sagt er, macht er den Job.

14 Tage nach Auferstehung

Martin Luther, German reformer, 1529
Image via Wikipedia

Heute Riesenstreit mit Gott Vater gehabt, wegen des Katholizismus. Findet er ja total toll, von wegen Brauchtum und Tradition und so. Obwohl das Buch bis jetzt relativ lahm ist. Von den Sünden freikaufen, was für eine kranke und materialistische Idee! Wo bleibt denn da das Spirituelle? Hab‘ ihm meine Idee des Protestantismus erklärt, findet er natürlich überhaupt nicht göttlich. Selbst den Teil mit Luther und den Thesen, obwohl ich mir da doch wirklich den heiligen Geist aus dem Leib geschrieben habe. Meine Fähigkeiten als Autor sind scheinbar zu beschränkt, was ich aber durchaus auch von Vater habe (wenn man sich mal die Bücher Mose durchliest, läuft es einem auch eiskalt den Rücken runter, als Souffleur hat der gar nichts drauf). Muss ich wohl jemanden mit einspannen, der sich mit sowas auskennt. Vielleicht Johannes mal fragen. Heute Abend erstmal ins Theater mit Maria Magdalena. Danach schick essen gehen und dann schau’n wir mal.

Die Fortsetzung gibt es spätestens am Sonntag…

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