Nach dem Krieg ist vor dem Krieg…

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encore
Image by David M* via Flickr

Wenn Großeltern – beispielsweise meine Omas – von ihrem Leben erzählen, sprechen sie häufig von der Zeit vor, während oder nach „dem Krieg“. ‚Der Krieg‘, das bezieht sich üblicherweise auf den 2. Weltkrieg (1939-1945) , hin und wieder auch auf den 1. (1914-1918). Das sind zweifellos die beiden zentralen Zeitmarken des 20. Jahrhunderts, besonders aber in der Jugendzeit der betroffenen Generation.

Große Teile der westlichen Welt haben daraus gelernt und lassen zumindest keine Kriege mehr auf ihrem Territorium stattfinden. Sie verlegen sie einfach, so geschehen im aktuell noch stattfindenden Irakkrieg der Amerikaner. Vietnam, Golfkriege, Grenzkonflikte wie im nahen Osten und allerhand andere militärische Auseinandersetzung, die man durchaus nicht kleinreden sollte, zeigen, dass man an vielen Orten in der Welt die Botschaft der Weltkriege nicht mehr präsent zu haben scheint oder gar niemals verstanden hatte. Und die Tatsache, dass Kriege viel kürzer und wesentlich fragmentierter stattfinden als noch vor 70 Jahren, scheint die Akzeptanz auch noch zu steigern. Für uns, die wir nicht in Kriegsgebieten leben, ist der abendliche 3-Minuten Zusammenschnitt meist entschärfter, autorisierter Bilder in den Nachrichten, offenbar nicht mehr als eine Simulation, eine Inszenierung von vielen, denen wir kaum noch Beachtung und – teilweise mit Recht – auch keinen Glauben mehr schenken und damit ausblenden, dass um uns herum in der Welt jeden Tag sinnlos Menschen sterben.

Two Hamas militants with a Yasin Rocket-propel...
Image via Wikipedia

Momentan können wir medial miterleben, wie Israel mit einem massiven Militäreinsatz gegen die Hamas vorgeht, eine Terrororganisation, die offenbar für Israel eine latente Gefahr darstellt und das schon seit längerer Zeit. Das Problem im nahen Osten ist allerdings schon mehr als 60 Jahre alt (der Wikipedia-Artikel über Israel bietet eine guten Überblick) und wird auch mit dem angestrebten Ende der Hamas wohl kaum gelöst werden. Aber wie so oft im wahren Leben, gibt es keine White-Hats und Black-Hats in diesem Konflikt, denn die Reaktion Israels auf die durchaus nachvollziehbare Bedrohung scheint mir vollkommen unangemessen und es ist wohl deutlich, dass Kräfte auf beiden Seiten die Auseinandersetzung immer wieder anheizen. Israel hat nur aus historischen Gründen das Verständnis und die Unterstützung der Staatengemeinschaft, moralisch ist das Vorgehen höchst zweifelhaft.

Israel hat die beste Armee- und Militäraustattung der Region, sie haben sehr wahrscheinlich sogar Atomwaffen, trotzdem sieht man sich offenbar immer noch in der Opferrolle, stellt die Militäraktion als Verteidigung dar. Ich finde das eigenartig. Kanzlerin Merkel macht die Hamas für die erneute Eskalation des Konfliktes verantwortlich, was mich persönlich schon enttäuscht, aber alles andere wäre womöglich politisch unkorrekt gewesen. Tatsache ist, dass man keiner der beteiligten Parteien eine Schuld absprechen kann oder gar den Sieg wünscht.

Und so bleibt am Ende nur die Feststellung, dass so kurz nach Weihnachten offenbar die Welt schon wieder in ihre alten Verhaltensmuster verfällt und letztendlich unsere Aufmerksamkeit den unschuldigen Zivilisten gelten muß, die die wahren Opfer des Konfliktes sind und noch werden.

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  • Dan

    Sehr interessanter und vor allem anregender Beitrag. Das die klassische Kriegsform verdrängt wird ändert trotzdem nichts an der Tradition Kriege zu führen. Eine Tatsache die so einleuchtend wie auch schockierend ist. Es ist erschreckend, dass es so viele Menschen gibt, die kein Ende dieses Konfliktes anstreben oder nur wünschen. Ein erschütterndes Phänomen was oft auch bei anderen Konflikten auffällt.
    Wer ist in diesem Glaubenskrieg denn noch ein Zivilist? Eines der wohl größten Probleme bei dieser Kriegsform.
    Auch wenns vielleicht pathetisch klingt, aber die wahren Opfer sind die Kinder, die in den Konflikt reingeboren werden und mit einer alltäglichen Natürlichkeit damit konfrontiert werden.

  • Dan

    Sehr interessanter und vor allem anregender Beitrag. Das die klassische Kriegsform verdrängt wird ändert trotzdem nichts an der Tradition Kriege zu führen. Eine Tatsache die so einleuchtend wie auch schockierend ist. Es ist erschreckend, dass es so viele Menschen gibt, die kein Ende dieses Konfliktes anstreben oder nur wünschen. Ein erschütterndes Phänomen was oft auch bei anderen Konflikten auffällt.
    Wer ist in diesem Glaubenskrieg denn noch ein Zivilist? Eines der wohl größten Probleme bei dieser Kriegsform.
    Auch wenns vielleicht pathetisch klingt, aber die wahren Opfer sind die Kinder, die in den Konflikt reingeboren werden und mit einer alltäglichen Natürlichkeit damit konfrontiert werden.

  • Dan

    Sehr interessanter und vor allem anregender Beitrag. Das die klassische Kriegsform verdrängt wird ändert trotzdem nichts an der Tradition Kriege zu führen. Eine Tatsache die so einleuchtend wie auch schockierend ist. Es ist erschreckend, dass es so viele Menschen gibt, die kein Ende dieses Konfliktes anstreben oder nur wünschen. Ein erschütterndes Phänomen was oft auch bei anderen Konflikten auffällt.
    Wer ist in diesem Glaubenskrieg denn noch ein Zivilist? Eines der wohl größten Probleme bei dieser Kriegsform.
    Auch wenns vielleicht pathetisch klingt, aber die wahren Opfer sind die Kinder, die in den Konflikt reingeboren werden und mit einer alltäglichen Natürlichkeit damit konfrontiert werden.

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