Film "Das Beste kommt zum Schluss" – Das Thema Tod

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Film poster for The Bucket List - Copyright 20...

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Wenn es ein Thema gibt, das zumindest in der breiten Öffentlichkeit immer noch tabuisiert wird, dann ist es der Tod. Womöglich ist der allgemeine Dialog dazu heute schon viel eher möglich als noch vor 50 Jahren – erst vor kurzem hatte ich eine Postwurfsendung meines lokalen Bestattungsunternehmens im Briefkasten -, allerdings ist meine Beobachtung, dass beispielsweise die Ladenfront eines Bestatters in etwa so aussagekräftig neutral ist wie die eines Geschäftes für Erotikartikel. Wenn nicht noch weniger, denn bei Beate Uhse stehen zumindest spärlich bekleidete Frauen im Schaufenster, während beim Bestatter nicht einmal aktuelle Sargmodelle zu sehen sind. Dabei geht es doch eigentlich um ein Thema, das nun wirklich jeden angeht, denn das Ende des Lebens steht uns letztendlich allen bevor.

Filme zum Thema Tod gibt es wahrscheinlich reichlich – was kein Widerspruch zum ersten Absatz darstellt, wenn man sieht, wie verzerrt das Thema häufig dargestellt wird-, aber „Das Beste kommt zum Schluss“ (Original: „The Bucket List„) sticht für mich aus dem Hollywoodrepertoire zu diesem Thema heraus, auch weil er das Thema Tod durch Krankheit aufgreift. Zwei älteren Herren erkranken schwer an Krebs und teilen sich unfreiwillig ein Krankenzimmer. Da ist zum einen der Automechaniker Carter Chambers (Morgan Freeman), der seit langem glücklich verheiratet ist und eine große Familie hat und zum anderen der Milliardär Edward Cole (Jack Nicholson), dem neben diversen Krankenhäusern so ziemlich alles gehört, was man für Geld kaufen kann, der vier Mal verheiratet war und eine Tochter hat. Die beiden begleiten sich gegenseitig auf ihrem Leidensweg während ihrer Behandlung und Chemotherapie, freunden sich dadurch an und erfahren ebenfalls zusammen, dass sie nur noch wenige Monate, vielleicht ein Jahr zu leben haben.

Sie entschliessen sich kurzer Hand eine Liste zu schreiben mit allen Dingen, die sie in ihrem Leben noch erleben wollen. Angefangen mit einem Fallschirmsprung jetten die beiden durch die Welt um ihre Liste abzuarbeiten, sie gehen auf Safari, erklimmen die Pyramiden von Gizeh und fahren Motorrad auf der chinesischen Mauer. Carters Frau ist von der ‚Flucht‘ ihrer Mannes überhaupt nicht erfreut und versucht alles, ihn wieder zur Rückkehr zu bewegen. Letztendlich beendet Carter die Reise dann und kehrt zurück, dabei arrangiert er aber noch ein Treffen zwischen Edward und seiner einzigen Tochter, mit der er sich vor langer Zeit zerstritten hatte. Edward ist davon überhaupt nicht begeistert und sie trennen sich im Streit.
Kaum zuhause angekommen bricht Carter dann wieder zusammen und muß zurück ins Krankenhaus.

Das Ende wird wie üblich hier nicht verraten, der Film ist absolut sehenswert, wie ich finde, auch wenn er vielleicht in Strecken manchmal recht schmalzig wird. Letztendlich ist es eine ruhige Geschichte mit zwei herausragenden Darstellern, denen die Rollen auf den Leib geschrieben sind (oder anders herum, um die man die Story herum geschrieben hat). Nicholson spielt den nervenden, sarkastischen weißen Milliardär mindestens genauso überzeugend wie Freeman den klugen, erfahrenen farbigen Arbeiter. Den Gegensatz der Hautfarbe braucht man so wahrscheinlich nur für das amerikanische Publikum, er hat eigentlich für die Geschichte sonst wenig Bedeutung und das ist auch gut so. Der Hollywoodpathos ist im Film denn auch etwas abgeschwächt, das absehbare Ende wird nicht verborgen und es gibt keinen Versuch, mit einem Twist, das Unvermeidliche vor dem Zuschauer zu verbergen. Die einfache Botschaft macht für mich dann auch die Faszination des Filmes aus: Wie gestalten wir unser Leben und was ändert sich, wenn man definitiv weiß, dass es bald endet? Ich finde das deshalb so wichtig, weil Filme, die sich damit beschäftigen entweder sehr bedrückend und beklemmend sind oder das Thema stark überzeichnen (mir fällt da jetzt als Beispiel „Knockin‘ on heavens door“ ein) und damit im Grunde überschreiben. Das Gefühl hatte ich bei „Das Beste kommt zum Schluss“ nicht, der Film bedient sich einiger sehr eindrucksvoller Bilder ist aber sonst lobenswert zurückhaltend.

Randy Pausch and his wife Jai meeting with Sting at a Police concert at the University of Virginia on November 6 2007

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In der Realität findet man leider nur selten vergleichbare Denkanstösse, eben weil Tod und Sterben offenbar nicht-öffentlich verhandelt werden. Eine prominente und wirkungsvolle Medienerscheinung war beispielsweise die „Last Lecture“ mit dem Titel „Really Achieving Your Childhood Dreams“ von Universitätsprofessor Randy Pausch, der die Aufmerksamkeit, die sein Vortrag weltweit erregte, noch miterleben konnte, bevor er im Juli diesen Jahres an seiner Krebserkrankung starb. Oder auch George Carlin (habe ich auch drüber gebloggt), der in seinem letzten Bühnenprogramm –aber auch vorher schon– noch bissig über den Tod philosophiert hat.

Ich finde der Tod sollte nicht unnötig mystifiziert oder abstrahiert werden, wie es häufig in den Medien geschieht, es geht dabei um etwas grundlegend Menschliches und durchaus Persönliches, ein Aspekt, der nur zu gern maskiert wird. Derzeit scheint es einen Hang zu übernatürlichen Ansätzen mit Bezug auf den Tod in TV-Serien zu geben, als da wären „Ghost Whisperer“, „Dead Like Me – So gut wie tot“ oder auch „Six feet under“ (liegt schon etwas zurück). Auf der anderen Seite wird der – dann richtig – Tote verdinglicht wie in den diversen CSI-Klonen, so dass wiederum überhaupt kein Selbstbezug möglich ist. Der Tod wird in den Medien so oft und so abstrakt simuliert, dass er ein Simulakrum bleibt, bis er einen selbst trifft. Ich denke, dass da gesellschaftlich doch einiges aufgearbeitet werden muss, schon allein, weil das Bewußtsein und der Repekt (nicht Angst, wie so stark verbreitet) vor dem bevorstehenden Tod meiner Meinung nach ein wichtiger Einfluss auf die Art sein kann und sollte, wie wir unser Leben führen. Es ist sicher nicht leicht, sich dem zu nähern aber in kleinen Schritten ja offenbar immer möglicher, siehe „Charlotte Roche unter Bestattern“ (lief am 1.10. um 23.14 auf 3SAT). Vielleicht ist das Ziel der gesellschaftlichen Akzeptanz erst dann näher gerückt, wenn es auf Pro Sieben den „Sarg-Report 20XX – so sterben die Deutschen“ gibt und in einer Reality-Soap ein Krebskranker 24/7 mit der Kamera begleitet wird. Ich bin mir sicher, dass Pläne für beide Formate schon in irgendwelchen Schreibtischen auf die Produktion warten.

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