Erste "Spore"n verdient – die ersten 8 Stunden Evolution

yodahomeMeinungen0 Comments

Ja, lang ist’s her da kündigte Will Wright – Schöpfer von Sim City und den weltberühmten Sims – sein Projekt einer Evolutionssimulation an, dass den Spieler durch verschiedene Stufen an der Entwicklung seiner höchst-eigenen Rasse beteiligen sollte. Dann folgten Gameplay Videos, die den umfangreichen Editor zeigten und viele gute Ideen, die es so noch nicht gegeben hat. Wright, der offenbar als einer der wenigen Leute in der Branche Narrenfreiheit geniesst, was neue Projekte angeht (und das unter dem Dach der ansonsten so kontrollwütigen Brigade EA), innovierte vor allem im technischen Bereich munter drauf los und das Ergebnis hat heute, nach nicht weniger als 5 Jahren, das Licht der Welt erblickt.

Beeindruckend ist auch, dass Brian Eno für die Generative Musik in Spore verantwortlich zeichnet (Video mit Wright und Eno).

So bin ich denn heute auch munter in den nächsten ******-Markt gegangen, wo das Spiel derzeit für 44 Euro (günstigstes mir bekanntes Angebot) feil geboten wird und habe es käuflich erworben. Etwa acht Stunden lang habe ich bislang mit meiner neuen Rasse – den Cuonecs – verbracht und möchte an dieser Stelle meine Meinung kundtun.

Technische Ärgernisse

Zunächst mal wurde meine Spielfreude jäh getrübt, weil die Server bei EA offenbar massiv überlastet waren und ich keine Verbindung bekam. Hierzu sei gesagt, dass das Spiel online aktiviert werden muß, was aber sinn macht, weil es im Hintergrund die eigenen Rassen, Gebäude und andere Machwerke mit dem Rest der Spore-Welt austauscht. So landen denn auch Kreationen anderer Spieler im eigenen Spiel. Trotzdem die Verbindung also streikte, konnte ich problemlos mit dem Spiel beginnen (halt ohne Online-Anbindung), was mich allerdings wunderte, da ja überall massiv über die einmalige Onlineaktivierung gemotzt worden war. Ich habe nichts davon bemerkt, offenbar passiert das vollkommen unbemerkt. Von mir dazu also keine Schelte, Pech (zumindest wohl kurzzeitig) für die Raubkopierer.
Übrigens war der Server dann kurzzeitig ganz weg, jetzt (23:58 Uhr) läuft die Sache wieder rund aber die Community-Website („MySpore“) ist noch weg.

Wie spielt es sich

Wenn man dann ein neues Spiel startet beginnt alles Leben im Wasser. Man steuert ein winziges Wesen in 2D (Vogelperspektive) durch das Wasser und sammelt Nahrung (Pflanzen oder Tiere), mit der man dann Evolutionspunkte sammelt und die eigene Kreatur mit neuen körperlichen Eigenschaften ausstatten kann. Sehr simpel, macht aber Spass und ist relativ schnell vorbei. Je mehr man isst, desto mehr wächst man und die Kamera zoomt immer weiter heraus. Ist die Stufe geschafft, bekommt man sein erstes Paar Beine (oder auf Wunsch auch mehrere) und findet sich an Land wieder.

Auch hier steuert wann weiterhin ein Exemplar der Spezies, soll aber nun fremde Spezies kennenlernen. Man kann sich anfreunden oder auch feindlich nähern, je nach Ausstattung der Kreatur fällt das eine leichter als das andere. Man trifft also bewusst die Entscheidung, wie sich die eigene Schöpfung verhalten soll. Im eigenen Nest schlüpfen derweil die ersten Babys, man kann dorthin zurückkehren, um die durch Interaktion gewonnenen DNA Punkte in Körpererweiterungen zu investieren. Sowohl für den friedlichen als auch den feindseligen Weg gibt es Aktionen, mit denen man fremde Rassen dann beeindrucken oder eben besiegen muss. Derer gibt es im Umkreis einige und immer mal wieder zieht die Gruppe samt Nest in eine neue Nachbarschaft. In dieser Phase wird nur die Kreatur regelmäßig modifiziert, am Ende läßt sich der Stamm nieder und eine neue Phase beginnt.

In der Stammesphase gilt es, alle anderen Stämme entweder niederzumetzeln oder sich mit ihnen anzufreunden. Daneben existieren noch wilde Kreaturen, die man domestizieren kann. Diese Phase ist in der Tat ein bissl schwach, man baut entweder Hütten für Waffen oder Musikintrumente, mit denen man dann (erraten!) entweder erobert oder beeindruckt. Da wäre mit Vorbildern wie die Siedler, Black & White oder auch Populous durchaus mehr drin gewesen, dafür geht die Phase aber auch relativ schnell vorbei. Die Kreatur selbst kann hier nicht mehr modifiziert werden, wohl aber deren Aussstattung und Kleidung. Am Ende ist die eigenen Rasse die dominierende auf dem Planeten.

Es folgt die Zivilisationphase und es müssen Städte erbaut werden. Die bestehen aus Häusern, welche wir wiederum in einem Editor aus unzähligen Bausteinen zusammensetzen können. Ressourcen müssen mit – ebenfalls selbstkreierten – Fahrzeuge abgebaut werden. Andere Städte werden von ihrer Rasse gegründet und treten dann – so glaube ich jedenfalls – in Konkurrenz zu ihrer eigenen Stadt.

Das ist der Punkt, wo ich dann auch aufhören muß, denn an genau dieser Stelle im Spiel bin ich dann erstmal für’s Abendbrot ausgestiegen. Den Rest des Spiels werde ich dann später wiedergeben.

Keine B-Wertung

Ich war eingeschränkt befremdet, dass Spore in der PC Games nur 73% bekommen hat, in der Gamestar steht es mit 79% etwas besser da. Die ComputerbildSpiele konnte sich gar nicht zu einem Test in ihrer aktuellen Ausgabe durchringen (wird für die nächste Nummer angekündigt). Sicher hat das Spielprinzip stark repitiven Charakter, allerdings finde ich das auch bei Titeln wieCommand & Conqueronquer oder Far Cry (bzw. fast allen anderen Shootern) und die kopieren dabei auch noch dasselbe Spielprinzip zum x-ten Mal während Spore so wirklich innovativ ist.

Was Spore besonders gut kann, ist eine Verbindung zwischen Spieler und Spielfigur herzustellen, denn der Spieler schafft sich Schritt für Schritt ja die Figur, die er haben will. Und egal welche Kombination der Hunderten von Bauteile man wählt, es kommt immer eine Kreatur dabei heraus, die man lieb gewinnt und es entsteht eine empatische Ebene, die sich immer weiter verfestigt. Das funktioniert ähnlich wie immer Rollenspiel. Der Genre-Mix ist aber natürlich primär bestimmt durch seine Editorfunktionen und beflügelt den Wunsch des Spielers, das Spiel (das sich ja selbst nicht verändert) mit anderen Kreaturen nochmal zu spielen. Das ist zumindest meinen Vermutung, mich persönlich juckt es schon, den Lebensweg nochmal mit einer eher agressiven Rasse zu beschreiten, nachdem ich mich doch erstmal sehr friedlich verhalten habe.

Wer eher fortschrittsorientiert spielt wird wahrscheinlich nicht so viel Spass haben, es macht mehr Sinn absichtlich länger in den Stufen zu verweilen, die Welt zu erkunden, alle Rassen kennenzulernen und -zumindest in den ersten beiden Stufen – alle Teile zu finden.

Insofern ist die im Text der PC Games formulierte Kritik an Spore durchaus berechtigt (die Wertung aber nicht), dieses Spiel hat kein Ziel, braucht auch keines und ist als einen Art Baukasten (so wie Lego) zu betrachten, mit dem man sich austoben kann und das, meiner Meinung nach, immer und immer wieder. Es ist kein richtig anspruchsvolles Strategiespiel, keine komplexe Aufbausimulation, keine tiefgründiges Rollenspiel und es erzählt keine mitreissende Story aber es vereint bestandteile aller Bereiche in einer Form, die vor allem für Casual Gamer besonders zugänglich sein dürfte. Der Hardcore Gamer sich von bekannten Strukturen verabschieden, wenn er mit „Spore“ Spaß haben will.

Mir fallen wahrscheinlich dutzende Dinge ein, die man noch hätte einbauen können – und wer weiß, vielleicht werkelt man schon an Upgrades wie bei „Die Sims“ – aber das Spiel funktioniert für mich auch so.

To be continued

Reblog this post [with Zemanta]