Aus dem Archiv: Alte Gedichte (Fremdschämen bis 2007)

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Wolken

Geistige Ergüsse meinerseits nach dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“. Vorsicht, denn hier tummelt sich sowohl Tiefsinniges als auch (äußerst) Profanes. Fröhliches und Trauriges. Gefühlvolles und Banales. Auf deutsch und englisch. Unter den Texten steht wenn möglich das Datum, hier finden sich diverse Werke die 2007 oder früher entstanden sind. War vorher schon als Seite hier vertreten, nun der Ordnung halber ein Beitrag.

Zu kurz

Zu kurz die Zeit, die wir verbracht
zu kurz der Tag, zu lang die Nacht
zu kurz die Zeilen, um zu danken
zu fad das Wort, zu eng die Schranken

zu kalt der Wind, doch warm das Licht
ich schreibe, doch verstehe nicht
die Zeit, getrennt, sie sei nicht lang
denk‘ ich daran wird mir fast bang.

Ich seh‘ die Nacht, ich fühl das Leere
doch dies Gefühl, das ich noch nähre
es geht nicht fort, wohl anderes geht
und schwindest du, ist’s doch zu spät.

Zusatz für einen Poesiespruch (in Verbindung mit der ersten Strophe):

So wünsch‘ ich denn, ich sag‘ es eben
Gesundheit, Glück in Ihrem Leben
und hoff‘ ,dass Träume wenn sie wollen
auch einmal Wahrheit werden sollen.

(23.50 Uhr, 20.06.2001)

Glaube (1)

Wolken„Ich glaube“, sagt man voller Stolz
„Ich glaube nicht, Herr Gott was soll’s“
Auch dies kann man bisweilen hören,
doch läßt sich davon niemand stören.
Und so geschieht das jedermann, 
was sie auch wollen, glauben kann.

Die Frage, die wir stellen müssen
können wir Menschen denn auch wissen?
Ist nicht, was wir Erkenntnis nennen
und uns nachts hilft recht ruhig zu pennen
nur Glaube an die Wissenschaft 
und ihre grenzenlose Kraft?

Ist nicht das meiste nur verschwommen 
und wird ganz einfach angenommen
weil wir nicht fähig zu beweisen
die geistigen Entdeckungsreisen.
Noch schlimmer: Ist so ein Beweis
Garant dafür, daß man ‚was weiß?

So sei es Buddha, Shiva, Gott
oder Professor Haferschrott
der Uni Chemnitz, der doch denkt
das er uns neues WISSEN schenkt:
Man muß ihm wohl die Hoffnung rauben
vertritt er doch nur anderen Glauben.

(03.05 Uhr, 05.07.2001)

Can’t tell her

As long as rain will fall
as long as birds will call
as long as we see the flying dove
much longer will I keep My Love.

As long as darkness won’t survive
as long as evening makes sun dive
as long as life keeps getting rough
much longer will I keep My Love.

as long as world keeps turning round
as long as we search and are found
as long as my heart crushes right through
You won’t know My Love is You.

(9.50 Uhr, 02.08.2002)

Das R-Wort

manche brauchen alkohol
andere brauchen einen freund
wieder andere brauchen nicht viel
aber alle brauchen Respekt

manche verdienen viel geld
andere verdienen ihr schicksal
wieder andere verdienen den tod
aber jeder verdient Respekt

manche erhalten sich die jugend
andere erhalten ein geschenk
wieder andere erhalten sich künstlich am leben
doch erhalten sie alle Respekt?

ungereimtheiten

„Da liegt einer im Dreck
und keiner schafft ihn weg“
so höre ich die Leute reden 
und dreh mich um und sehe eben
wie ein Mann, scheinbar besoffen
umringt von Menschen, die betroffen (tun),
versucht sich langsam zu erheben
leichter ist’s wär der Boden… glatt.

Da lallt er los: „Macht euch vom Acker
verpisst euch schnell“, schimpft auf das Pack er
Doch die Leute bleiben stehen,
sie wollen einfach nicht gehen
sie murmeln leise und bald lauter
’ne alte frau bangt: „Vielleicht haut er?“
manche beklagen was sie seh’n
sie können’s einfach nicht … begreifen.

Und als der mann dann endlich auf-
recht steht da nimmt er es in Kauf
dass all die dummen Menschen geh’n
denn jetzt gibt’s ja nichts mehr zu seh’n
Alles geht wieder seinen Gang
und auch ich geh‘ den Weg entlang
frag‘ mich muss man da lamentieren
dass kann doch jedem mal … geschehen.

Gäbe es hier ’ne Moral
wär sie zu Finden eine Qual
darum sag‘ ich hier gibt es keine
nein wirklich nicht einmal ’ne kleine
doch lass all das Revue passieren
und ins Gehirn dir einmassieren
der einzig Sinn den Worte meinen
sie sollen sich vortrefflich … anhör’n.

The Spell

What if you feel sad
like you never felt before
but you cannot cry
although you would like to.

What if your heart is filled with joy
filled up to the brim
but you cannot laugh, not even grin
although you would like to.

What if you need somebody to love
more than the air to breath
but there is nobody there
although you would like her to be

What else can you do?
Can you do anything else?

purpose

to see, to talk
to help to walk
to love, to fear
that’s why we’re here

to work, to rest
to reach, to test
to listen, to chew
that’s what we do

to seek, to hide
to try, to fight
to think, to die
don’t ask me why

to harm, to drill
to hurt, to kill
to suffer from life
it’s that we derive?

Ein Ende

Es ist wieder da. 
Dieses Gefühl von Leere. 
Von Sinnlosigkeit. 
Es ist nicht nur Alleinsein. 
Es wiegt wesentlich schwerer.
Es liegt auch wesentlich tiefer. 
Es ist eine tiefe, bohrende Enttäuschung.
Es ist das Gefühl versagt zu haben. 
Das Gefühl mit etwas fertig zu sein.
Wie wenn etwas Schönes zu Ende geht, ohne dass man dies möchte oder bestimmen kann. 
Ohne die Einsicht, dass man aufhören sollte, wenn es am Schönsten ist.
Es ist der Verlust von Kontrolle. 
Oder die Erkenntnis sie nie gehabt zu haben?
Es ist die Suche nach etwas, von dem man nicht wei?, ob man es je finden wird. 
Ob man es je finden kann. Oder finden muss.
Es ist wie Hunger, unendlicher Hunger nach einer Nahrung, die es nicht zu kaufen gibt.
Auch in der Magengegend.
Es kommt und geht ohne dass man weiß wieso oder woher.
Man ist komplett ausgeliefert. Und möchte aufgeben. 
Manchmal ist es das Gefühl nicht mehr sein zu wollen.
Mit allem aufzuhören. Und nie wieder etwas anzufangen.
Es ist wie ein tiefer Fall, nachdem man ganz oben war.
Es ist wie die lauteste, unpassendste Musik, die man sich vorstellen kann.
Man würde vielleicht darüber reden, wenn jemand da wäre.
Aber wenn jemand da ist, dann will man nicht mehr reden. Nicht über dieses Gefühl.
Es ist das Gefühl, nicht weitermachen zu können. Nicht zu wissen wie.
Es ist nicht-lächeln-können-oder-wollen. Es ist nicht-weinen-können-oder-wollen.
Man kann es nicht sehen, hören, schmecken, erklären oder beschreiben. 
Es ist völlige Abwesenheit von Hoffnung. Und Freude.
Vielleicht geht es vorbei während ich die letzten Zeilen schreibe. 
Vielleicht geht es letztendlich zugrunde.
Vielleicht aber auch ich…

(20.03.2005 22:11)

Ein Anfang

Schon verloren geglaubt und dann doch wieder gefunden

Schon ans Dunkel gewähnt, als plötzlich die Sonne aufging

schon beinahe verblutet doch dann heilte die Wunde

schon beinahe vergessen als plötzlich die Erinnerung wach wurde

schon komplett verirrt und dann doch den Weg wiedergefunden

schon mit dem Strom geschwommen

und dann erst langsam eingesehen

dass es manchmal nur weiter geht

wenn man gegensteuert.

29. Oktober 2006, 2.19

Besonderes

Manchmal fällt mir das Aufstehen besonders schwer

Besonders gut seh‘ ich dann auch nicht aus
Ich brauch‘ dann auch besonders lange
irgendwie sonderbar…

Ich schätze ich bin oft besonders naiv
aber eigentlich ist das nicht besonders schlimm
auch wenn man dann als besonders dumm gilt
hat mich nie besonders gestört…

Ich habe gerne besondere Menschen um mich
denn jeder verdient gesonderte Aufmerksamkeit
aber ab und zu geht es mir insbesondere um mich
und dann bin ich nicht besonders gesellig

Ich will eigentlich keine Sonderbehandlung
aber doch gesondert betrachtet werden
denn wenn ich besonders nachdenklich war
dann merk‘ ich oft: Is‘ ja nix Besonderes…

yodahome 00:47, 7. Apr 2005 (CEST)

Zier Veilen

In nur vier Zeilen was zu sagen
das klingt zwar leicht doch ist es schwer
ich versuch’s seit Jahr und Tagen
und brauche doch noch immer mehr.
Ehrlich. Mist, schon wieder…

(frei nach Heinz Erhardt)

19:48 17. Juli 2005 

Alles was ich nicht kann

Dich-und-Dein-Herz-zum-Lachen-bringen
die-Tränen-trocknen-in-Deinem-Gesicht
Dir-jeden-Tag-Balladen-singen
Nein, das alles kann ich nicht.

Deine-Kummer-und-Sorgen-im-Keim-ersticken
die-Nacht-zu-verjagen-zu-Gunsten-dem-Tage
Dein-bestes-Selbst-ins-rechte-Licht-zu-rücken
auch dazu bin ich kaum in der Lage.

Dir-bei-Allem-zur-Seite-zu-stehen
mich-nicht-zu-benehmen-wie-jedweder-Affe
Mit-dir-auch-die-längsten-Wege-gehen
Wie sehr wünschte ich, dass ich das schaffe

Dich-ohne-ein-Wort-sofort-zu-verstehen
Dich-immer-zu-wärmen-in-dieser-Welt-dieser-kalten
Stets-nur-das-Gute-in-dir-zu-sehen
auch das Versprechen könnt ich wohl nicht halten.

So kann ich nichts geben von Ewigkeit
nicht Zeit, nicht Liebe, egal was man nennt
was wir nur haben und was uns auch bleibt
ist der Augenblick, ist dieser eine Moment

(c) JHE 2005 16.05.05 1:35

Ganz nebenbei auch mein Beitrag zum Thema „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ 😉

One more time

Another  
  time
day
	What
  passing
gone
	am
  by
 I      I
 am
  nothing
it      supposed
 not
  is
	to
does    
  important
not
  Nobody 
	do
  to  nothing
make  to
  listen
 important 
sense say   
...	?

07.November 2006 – 23:25 

Gefangener eines Selbst

Ich mag es und bin doch nicht gern dabei
Das Reden, das Denken, das Musizieren, das Alles

Bild und Ton und Geist und Witz und so
aber ich sehe es und ich höre es und ich mag es nicht erleben

Trennt mich Glas und Zeit und Strom und Kathodenstrahlen oder Flüssigkristalle
Alles ist bestens, und ich freue mich 

höre ich Atem, und Tuscheln und Pause und Menschheit
kann ich mich nicht einlassen wie ich wollte.

Ich bin mit Vielen und doch allein
gefangen im Paradoxon der Paradoxonne 

bin da aber doch hier und wei? 
ich wollte dort nicht sein und kann es doch.

März/April 2007

seelenverwandt

Deine Gedanken

Deine Sätze

kann ich vollenden

verstehe ich

ohne sie zu hören

auch wenn du schweigst

Deine Seele

Dein Herz

höre ich

fühle ich

in mir

schlagen

Wir

Unsere Leben

sind

suchen

dasselbe

eins

Ich

Du

Bist

bin

Ich

Du

Wo

Weil

ich bin

du bist

will ich sein

wie du bist

kann ich sein

wie ich sein will

Wenn ich

Fände ich

dich doch

bald

fände

(09.08.2007)

Ohne Titel

Arbeiten, aber nicht des Geldes wegen
Kochen, aber nicht weil ich hungrig bin
Schreiben, aber nicht um gelesen zu werden
Sprechen, aber nicht um geh?rt zu werden

Denken, aber nicht um in die Tat umzusetzen
Behalten, ohne in Besitz zu nehmen
Freundlich sein, ohne eine Gegenleistung zu erwarten
sich anstrengen, aber nicht des Erfolges wegen

Trinken, ohne wirklich Durst zu haben
Laufen, ohne ein bestimmtes Ziel zu verfolgen
Schlafen, trotz Mangels an M?digkeit
Leben, ohne wirklich da gewesen zu sein

Glaube 2

Ich glaube, dass auch morgen wieder die Sonne aufgeht
und dass ich dabei sein kann.
Ich glaube nicht an Gott, aber an Schicksal und die Menschen,
die mir jeden Tag aufs Neue begegnen
Ich glaube nicht, dass all den Worten, die gesagt werden, auch Taten folgen
aber ich versuche, es mit meinen Worten besser zu machen. 
Ich glaube, das man nicht alles im Leben richtig machen kann
aber auch, dass man es zumindest versuchen sollte.
Ich glaube manchmal, dass ich alles schaffen kann
wenngleich ich nicht alles schaffen muss

Ich glaube nicht blindlings drauf los
zumindest nicht alles und jedem
Ich glaube, man sollte nicht von anderen mehr erwarten
als man selber bereit ist zu geben
Ich glaube, dass es immer einen Grund zur Hoffnung gibt
aber manchmal kostet es viel Kraft, ihn zu finden.
Ich glaube, dass jedes Leben einen Sinn hat
nicht immer, aber immer wieder… auch meines
Ich glaube auch, dass der Weg das Ziel ist
Aber ohne ein Ziel vor Augen geht man doch nicht los?

Ich glaube nicht, dass ich alles weiß
ich glaube nicht einmal, irgendwas zu wissen
ich glaube nur.

irgendwann 2005

Verfühlt

Es schien alles ganz korrekt
an Richtigkeit kaum zu überbieten
da warst du und da war ich und Freundschaft
und es war für uns beide genugtuend
Alles schien konzeptionell gelungen, portioniert,
definiert und praktizierbar
zunächst

Doch dann sah ich dich mit anderen Augen
war perspektivisch verändert, 
doch es schien nicht fälscher als zuvor
und so glaubte ich, auch du sähest mich auf gleiche Art
und nicht nur das Sehen änderte sich
auch das Fühlen entglitt mir und beschritt bis dahin
unbekannte Pfade, neu
entkontrolliert war alles und alles anders
aber immer noch ganz gut
zunächst

Als ich aber dir gestand, 
verblich das Lachen in deinen Augen
zuerst 
und dann auch in meinen
als du ver- oder erklären wolltest, du sähest nicht
was ich schon beinahe greifen konnte.
Sicher war ich erst, doch dann nicht mehr
Hoffnung hatte ich, doch dann nicht mehr
zunächst

Dann war gerettet, was zu retten wert war
Ich widerrief, wider besseren Wissens, log
versuchte zu restaurieren, was vorher bestand
verliebt, verkannt, verrannt in mein Gefühl
hatte ich mich verfühlt? vertan? verraten?
zu weit gewagt, oder nicht weit genug? 
wer weiss. ich nicht. du nicht.
es scheint einerlei, solange wenigstens wir zwei bleiben
zunächst

Doch nun sitzen wir wieder hier. zusammen getrennt.
die Sonne verschienen und die Zeit verlaufen
mein Gefühl ist noch da, sitzt mit uns hier 
doch du weißt es nicht, wirst es nie wissen
meine Hoffnung ist ebenso da, ob wohl eines Tages
vielleicht nach vielen vertanen Schritten
wenn sich unsere Wege wiederum kreuzen
du doch noch sähest, dass nicht ich
sondern du dich in uns verfühlt hast.

12.10.2007