Meinungsmontag: Ein eiserner Himmel und der erste Rächer
by yodahome on Apr.23, 2012, under Filme, Meinungen
Wie der Titel vermuten lässt, handelt dieser Beitrag vom Film Iron Sky, den ich letzte Woche im Kino sah und andererseits von Captain America: The first Avenger, während dessen letzten Minuten ich diesen Text zu schreiben beginne. Der Bogen mag zunächst nicht nahe liegen, trotzdem versuche ich mal mein Glück. Bei beiden Filmen werde ich wahrscheinlich spannende Details verraten, wer also die Filme noch unbeleckt sehen will, verlasse jetzt diesen Artikel. Und los…
Iron Sky ist in vielerlei Hinsicht ein beeindruckendes Projekt. Zum einen versucht es die Elemente Satire, Parodie, Science-Fiction und Nazis miteinander zu verbinden. Inwiefern das gelungen ist, thematisiere ich gleich. Dann ist es eine europäische Independent-Koproduktion, die aber versucht zumindest optisch mit den großen Blockbustern mitzuhalten. Teilweise wurde der Film durch Crowdfunding finanziert, im Gegenzug hatte die Community von Anfang an auch bei der Story ein Mitspracherecht. Und natürlich ist die Prämisse überaus originell:

Actors Julia Dietze, Christopher Kirby, Stephanie Paul, director Timo Vuorensola, actors Goetz Otto and Peta Sergeant attend the 'Iron Sky' Photocall. (Image credit: Getty Images via @daylife)
Bei einer erneuten Mondmission der Amerikaner, treffen diese unerwartet auf Bewohner des Erdtrabanten. Denn kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges haben sich Nazis auf der dunklen Seite niedergelassen und bereiten dort seit über 60 Jahren die Rückkehr zur Erde vor. Unter dem Vertretungsführer Kortzfleisch (gespielt von Udo Kier) soll die Superwaffe “Götterdämmerung”, eine Art Automaten-Todesstern, dafür startklar gemacht werden. Mit der Rechenpower eines Smartphones der Amerikaner scheint dieser Plan endlich möglich. Doch leider ist der Akku alle. Also macht Klaus Adler, der gerne Führer anstelle des Führers wäre, auf zur Erde um noch ein Telefon zu holen und dann die Erde zu erobern. Unfreiwillig begleitet wird er dabei von Lehrerin Renate Richter, die wohl das ist, was einer Protagonistin am nächsten kommt. Sie hat – auch anhand von Filmen, wie einer auf 10 Minuten geschnittenen Fassung von Chaplins Diktator – die Erde studiert und ist von der Rechtschaffenheit der nationalsozialistischen Ideologie vollends überzeugt. Weitere illustre Elemente des Films sind eine von Sarah Palin inspirierte Präsidentin, die sich erst von den Nazis beim Wahlkampf helfen läßt und dann eine Koalition im Kampf gegen sie anführt sowie diverse Regierungschefs, die trotz internationaler Verträge mit eigenen Raumschiffen in den Kampf eingreifen sowie ein beachtliche Menge computergeneriertes Spektakel. Letzteres übertüncht eine reichlich flache Narration, die sich im Grunde relativ geradlinig zwischen verschiedenen ebenso flachen Gags entlang schlängelt. Das Ganze endet erwartungsgemäß nicht nur mit dem Ende der Nazis, sondern auch dem der restlichen Menschheit, als sich die ‘Siegermächte’ wegen des Helium-3, das die Nazis auf dem Mond gesammelt haben, in die Haare kriegen und den Atomkrieg auf der Erde auslösen.
Zwei Höhepunkte sind die Parodie von Hitlers Zusammenbruchs im Führerbunker in “Der Untergang” durch die amerikanische Wahlkampfmanagerin (den Gag hat im Kino scheinbar sonst kaum einer verstanden, weil das Meme offenbar nur im Netz präsent war) sowie ein albinisierte Afroamerikaner, der uns den Dr. Seltsam im Rollstuhl macht und seinen Arm nicht kontrollieren kann. Allerdings gibt es weder genug dieser Momente noch sind sie sehr pointiert umgesetzt, als dass sie die Qualität des Films merklich steigern können oder ihm gar die Aura anderer Parodieklassiker – man erinnere sich nur an die Zucker-Abrahams-Zucker Filme – verleiht. Als Kurzfilm mit höherer Gag-Dichte wäre das im Netz vielleicht ein Achtungserfolg. Als Spielfilm, das merkt man spätestens, wenn nach ca. einem Drittel des Werks die vorhersehbaren Plotpoints abgelaufen werden, trägt die Idee aber eher nicht. Charakterentwicklung nimmt der Film pragmatisch und minimalistisch vor, so sieht Renate Richter den ungeschnittenen Diktator im Kino (der Film inszeniert das mit einer Blende) und schwört von einer auf die andere Sekunde den Nazis ab. Boah.
Insbesondere merkt man dem Film auch das Stückwerk an, das wohl entstehen muss, wenn viele Leute ihre Ideen auf ein Plotgerüst schieben. Da ist es schwer einen homogenen Humor oder auch nur Ton zu finden. Wikipedia sagt “Der Film will allerdings keine seriöse Politik-Satire sein [..]” und da ist auch das Problem, denn es stünde ihm gut zu Gesicht, wenn er sich konkrete Ziele gesetzt und diese verfolgt hätte. So ist von allem ein wenig drin, bissl Charakterentwicklung, bißchen lustig, bißchen Liebe, bissl Action, wenn auch übertrieben hoch zehn. Die Filmzitate sind ebenso ziellos, aus allen Genres werden da zum Teil nur visuelle Elemente, zum Teil konkrete Szenen entlehnt, aber das macht halt noch keine Parodie, die der Film ja dann auch nicht richtig sein will. Was bleibt ist eine interessante Steampunk-Optik, ein paar gute Gags und eine Prämisse, der man nach Ende des Films mehr zugetraut hätte. Schade.
Nun fällt der Schritt zum Marvel-Comic vielleicht nicht leicht, aber wo Iron Sky durch übertriebene Nazi-Klischees strotzt, setzen die Amis eher auf Zurückhaltung und das erstaunt vielleicht erstmal. Denn obwohl es um den zweiten Weltkrieg geht, werden die Nazis hier sinnbildlich auf zwei Figuren reduziert, wie es sich für den klassischen Hollywoodfilm gehört. Aber erstmal zur Story…

Hugo Weaving as The Red Skull in the 2011 film, Captain America: The First Avenger. (Photo credit: Wikipedia)
Steve Rogers (Chris – aka die Fackel – Evans) ist ein ziemlicher Hämpfling und wird als solcher nicht in die US Army gelassen, obwohl er sich nach Kräften sehnt, ein paar Nazis die Stahlhelme wegzuballern. Wir befinden uns folglich im Jahr 1943 und mitten im zweiten Weltkrieg mit amerikanischer Beteiligung. Der Forscher Abraham Erskine jedoch sieht das Ehrenwerte in Rogers und holt ihn in die Armee, aber nur, um an ihm ein Experiment zu testen, das Supersoldaten hervorbringen soll. Tatsächlich wird Rogers magere Statur durch ein Serum und Technik aus dem Hause Stark mächtig aufgepumpt, kurz darauf tötet ein Spion aber den Forscher und stiehlt das Serum, welches die Verwandlung bewirkt hat. Rogers verfolgt und stellt ihn, aber das Serum geht verloren. Tatsächlich sind nicht wirklich die Nazis die Gegner sondern ein anderer verrückter Forscher mit Namen Johann Schmidt (Hugo Weaving) und seine Forschungsabteilung namens Hydra. Der ist selber Opfer eines Experiments von Erskine und dadurch entstellt worden. Zunächst für Hitler forschend sagt er sich von ihm los, um die Welt auf eigene Faust zu erorbern.
Während Rogers zunächst nur als Unterhaltungskünstler unter dem Titel Captain America für Kriegsunterstützung wirbt und die Truppen unterhält, bekommt er bald die Möglichkeit sich zu beweisen und befreit in Italien 400 Gefangene. In der Folge reisen er und sein Team um die Welt um Schmidts (aka Red Skull) Waffenproduktionsstätten zu zerstören. Letztendlich muss Captain America in einer finalen Auseinandersetzung Red Skull davon abhalten, mit einem Riesenbomber bemannte Bomben über den USA abzuwerfen. Das gelingt ihm zwar, doch er muss das Flugzeug am nördlichen Polarkreis abstürzen lassen und kann auch durch ein Suchaktion nicht gefunden werden. Sieben Jahrzehnte später aber findet man ihn im ewigen Eis, wo er – natürlich – überlebt hat. Damit endet der Film, eigentlich ist es aber der Auftakt zum Sommerblockbuster “The Avengers”, den wir bald im Kino haben werden. Cross-Promotion at its best.
Während Iron Sky sich visuell damit beschäftigt, eine stereotype Darstellung von Technik – Steampunk wie gesagt – aus der ersten Hilfe des 20. Jahrhunderts überzeichnet in die Gegenwart zu transferieren, zeigt Captain America uns schon in den 1940ern moderne Technologie, die so erst sehr viel später möglich scheint. Beide erheben keinen Anspruch auf Authentizität, das eine ist ein Parodie-SF-Satire-Verwurstung und das andere ein Comic und außerdem ein Hollywodfilm. Trotzdem habe ich bei beiden Filmen das Gefühl, dass sie ihre Sorglosigkeit im Umgang mit Technologie im historischen Kontext, der in beiden Fällen ja nur als Leinwand dient, ein wenig teuer bezahlen, weil sie zu nah an der Linie operieren, wo man noch erwartet, dass es möglich sein könnte oder müßte. Mir scheint die Glaubwürdigkeit der Charakterentwicklung und des Szenarios leiden darunter. Den zentralen Konflikt trägt in guten Superheldenfilmen der Held zunächst mit sich selbst aus. Spiderman, Batman, Superman (invers, weil der sich nicht als Held verkleidet, sondern als Mensch) zeigen, das die Filme darum erfolgreich sind. Captain America ist in diesem Sinn wenig superheldenhaft, für ihn ist es die Erfüllung seines eigenen Wunsches und überhaupt entsteht er quasi erst als Reaktion auf das Böse. Ein innerer Konflikt deutet sich erst am Ende des Films an, wenn er sich in der falschen Zeit befindet. Im restlichen Film zuvor gibt es zwar Rückschläge, aber nichts was den Charakter ernsthaft aus der Bahn wirft. Und so bleibt der Mann im bunten Kostüm doch farblos, während das Gadget-Feuerwerk, dass selbst für die Gegenwart zu futuristisch wäre, abgebrannt wird.
Und in Iron Sky funktioniert die Überzeichnung der Nazis nicht wirklich, weil alles und jeder andere ebenso überzeichnet ist. Da verkommen die Nazis, die ja irgendwie der Angelpunkt des Films sein müssten, zu einer farblosen gegnerischen Fraktion, wie das Imperium in Krieg der Sterne – nur ohne Vader. Man nimmt sie nicht weniger nicht ernst als jede andere Figur im Film, die alle nicht so wirklich fertig wirken. Dass die Nazis nicht so aus dem Rahmen fallen ist vielleicht auch Ausdruck des unpolitischen Anspruchs führt aber schlicht zu einer schwachen Dramaturgie. Das Abbilden auf Charaktere nach dem Hollywoodvorbild klappt so nicht. Ein Film, der sich selbst nicht ernst nehmen will ist aber noch lange kein lustiger Film. Genausowenig, wie ein Superheldenfilm, der sich eigentlich nur als Exposition für den nächsten Sommerblockbuster versteht.
Ein Piratenmeinungmittwoch: Urheberrecht
by yodahome on Apr.12, 2012, under Allgemein / Generic, Meinungen, Politik
UPDATE: Der Beitrag war eigentlich für Mittwoch geplant, daher der Titel. Mea Culpa.
Immer wieder wird an der Piratenpartei, der ich in eher passiver Rolle seit einiger Zeit angehöre, kritisiert, dass sie das Urheberrecht abschaffen und die Kreativen dieser Welt enteignen wolle. Das haben unlängst einige Drehbuchautoren kritisiert und nun auch eine erlesene Gruppe von 100 ‘Kreativen’, die das Handelsblatt zusammengetrommelt hat (hier im Original). Die Piraten haben immer wieder betont, dass sie die Urheber stärken und nicht schwächen wollen, dass hier nicht Diebstahl legitimiert, sondern kulturelle Praxis nicht länger kriminalisiert werden soll. Ich persönlich unterstütze das und füge gern hinzu, dass ja in der Sache das Urheberrecht gar nicht im Zentrum der Kritik der Piraten steht, sondern die damit verbundenen Verwertungsrechte, die ja möglicherweise durchaus unseren derzeitigen Umgang mit Kultur definieren, aber ja wohl nicht die Existenz von Kultur universell verursacht haben können und folglich zur Disposition stehen dürfen. Da haben sich Strukturen gebildet, die zum Teil mit Marktwirtschaft nichts zu tun haben. Sie zu verändern heißt den Umgang mit Kultur zu verändern. Das an sich kann ja nicht schlimm sein. Auch wenn es da möglicherweise einigen an die Geldbörse geht.
Das immer von Urheberrecht gesprochen wird, wenn man Leistungsschutz- oder Verwertungsrechte meint, scheint mir einer unpräzisen Wortwahl auf beiden Seiten geschuldet zu sein. Ich bin kein Jurist, aber in meinem Kurs zum Medienrecht im Rahmen meines Studiums haben wir das sehr deutlich getrennt. Das kann also nicht so schwer sein. Im Grundsatzprogramm der Piraten (nur zwei Absätze nach dem Satz, der für die 100 Köpfe offenbar so anstößig wirkt) geschieht die Trennung sehr deutlich:
“Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an. Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht.”
Euer Recht, liebe Urheber, mit eurem Werk zu tun, was ihr wollt, ist also grundsätzlich nicht gefährdet. Niemand wird enteignet! Niemand will ernsthaft alle Kunst und Kultur für umsonst. Aber wenn, wie das Handelsblatt schreibt, in Deutschland “[..] stets aufs Neue eine Kreativwirtschaft” entsteht [..], die das Land mit Ideen und so mit zusätzlichem Wohlstand versorgt”, dann muss man doch über die Bedingungen dafür reden dürfen. So wie wir mittlerweile neu über Atomkraftwerke oder Benzinpreise diskutieren. Und auch wenn man darin übereinstimmt, dass in der realen Marktwirtschaft für jede Nachfrage ein kostenpflichtiges Angebot entsteht (was man schon mal bestreiten kann), dann darf man doch über die Höhe der Preise und wem sie zugute kommen diskutieren. Alles klar?
Aber auf dieser Ebene wird eben von den Gegnern nicht diskutiert. Konkret klingen die Vorwürfe gegen die Piraten entsprechend teils wild bis fast schon komisch. Ein Herr Tiedje (Ehemaliger von der Bild) argumentiert: “Wer im Internet klaut, der stiehlt! So einfach ist das. Die Piraten könnten ihr bisher ziemlich nutzloses Dasein sinnvoll entwickeln, wenn sie ihren Anhängern einen belastbaren Eigentumsbegriff vermitteln würden. Andernfalls werden sie sehr schnell einen neuen Namen bekommen: Partei der Diebe.”
Bestechende Logik im ersten Satz, geschenkt. Das Argument dagegen lautet wohl, das keinem Urheber sein Recht am Werk gestohlen werden kann, wenn eine MP3 digital vervielfältigt wird. Er verliert – wenn überhaupt – vielleicht potentielles Einkommen. Vielleicht aber auch nicht.
Und belastbar ist der Begriff des geistigen Eigentums ja wohl schon per Definition nicht, denn: Die Gedanken sind frei. (Wer kann sie erraten? Richtig, keiner.) Externalisiert man sie allerdings, wird ein Werk daraus, das zu schützen ist. Die Freiheit des Gedankens oder der Idee bleibt jedoch weiterhin erhalten. Warum der Begriff des “geistigen Eigentums” (von intellectual property) einfach unzutreffend ist, kann man sich mittlerweile in Text und Bild erklären lassen. Kurz gesagt: Der implizite Vergleich mit Besitzverhältnissen physischer Güter hinkt in jeder Hinsicht.
Wenn beispielsweise Dr. Helmut Thoma feststellt, dass es “bislang noch keinen sicheren Weg gibt, den Diebstahl geistigen Eigentums zu verhindern” dann fragt man sich, was er denn damit meint. Das Urheberrecht tut ja genau das, für konkrete Werke, automatisch und ohne Aktion des Urhebers. Für Ideen, Gedanken und andere Luftschlösser, die man da offenbar neu als Gut definieren will, gilt das nicht und das ist gut so.
Das Urheberrecht gilt für Werke (“persönliche geistige Schöpfungen” oder auch “Schöpfungen mit geistigem Gehalt”) und die müssen eine wahrnehmbare Form haben. Sie sind somit explizit nicht vollends immateriell oder mit Ideen/Gedanken gleichzusetzen. Sie sind aber ebenso nicht vergleichbar mit physischen Gütern, darum stellen sie eine eigene Kategorie dar. Natürlich braucht der Urheber das Recht, zu entscheiden, wer für ihn unter welchen Bedingungen sein Werk veröffentlicht. Dieses Recht war aber immer eingeschränkt z.B. durch das Recht auf Privatkopie, durch das Zitatrecht und andere Rechte. Und es ist zeitlich begrenzt, irgendwann wird jedes Werk Gemeingut. Mit Recht.
Frau Leutheuser-Schnarrenberger meint:”Die Piraten blenden die wirtschaftlichen Wirkungsmechanismen in der digitalen Welt aus. Sie verstehen das Internet der frühen Neunziger als Blaupause für das Urheberrecht im 21. Jahrhundert. Das Netz ist kein eigener Raum, der nach seiner eigenen Logik tickt.“
Lustig, genau die gegenteilige Behauptung kann man ja auch oft lesen. Das Netz als rechtsfreier Raum und so. Als Forscher kann ich sagen, dass das Netz in der Tat ein anderer Raum ist, insbesondere verglichen mit realweltlichen Räumen, aber nicht unabhängig davon. Und genauso heterogen, was das Argument schon zum Teil entkräftet. Und lustig die Zweite, gerade die Piraten blenden die wirtschaftlichen Mechanismen mitnichten aus, wir erkennen sogar die neuen Chancen und Potentiale. Damit hat ja insbesondere die Medienwirtschaft häufig Probleme. Haben die damit mehr Recht den gesellschaftlichen Konsens zu bestimmen?
So wie das werbefinanzierte Fernsehen sich schnell als Alternative zu öffentlich-rechtlichen Anbietern etabliert hat, gibt es durch das Netz viele neue Möglichkeiten und Modelle, mit Werken Geld zu verdienen und sie zu verbreiten. Nur, dass die Medienindustrie (im Gegensatz zu vielen Urhebern) diese Möglichkeiten diesmal weit weniger enthusiastisch aufgegriffen hat. Wer also hält sich hier nicht an die Spielregeln des Marktes?
Das könnte ich munter weiter fortsetzen. Darum nochmal zum mitschreiben: Die Piraten wollen das Urheberrecht nicht abschaffen, niemand wird enteignet. Eigentlich geht es um Verwertungs- und Leistungsschutzrechte. Da sehen wir Verhandlungsbedarf für ein neues Jahrtausend. Der Wissenschaftler in mir findet beispielsweise, dass öffentlich finanzierte Arbeit auch offen, frei und kostenlos (Stichwort: Open Access) zur Verfügung stehen sollte. Nicht nur für andere Wissenschaftler, sondern für alle, die mit ihren Steuern dafür gezahlt haben. Und Daten, die durch öffentliche Institutionen erhoben werden, gehören der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das ist einerseits transparent und bietet andererseits Freiraum für das Entstehen neuer kreativer Ideen. Die müssen nicht unbedingt aus der Riege sogenannter Professioneller kommen. Wir glauben, dass der Amateur manchmal mindestens genauso kreativ sein kann. Überhaupt kann, entgegen der Definition der Industrie, jeder kreativ sein in dem was er tut.
Außerdem müssen wir darüber reden dürfen, ob es in Ordnung ist, wenn Erben viele Jahre nach dem Tod eines Urhebers noch für dessen Werke bezahlt werden wollen und verhindern, dass sie Allgemeingut werden, nachdem sie bereits (ggf. mehrfach) monetarisiert worden sind. Und das Privatleute für Remixe auf Youtube und anderen Plattformen oder wegen des nichtkommerziellen Tauschens von digitalen Daten mit urheberrechtlichem Hintergrund unverhältnismäßig kriminalisiert werden. Wie Dieter Bohlen in diesem Clip schon vor fünf Jahren so richtig bemerkt, gab es das immer und nur wegen der Vermassung eines Phänomens, das mangels legaler Alternativen ja zusätzlich angeheizt wurde, wird es nicht plötzlich illegaler. Hier sehen wir wirklich Bedarf für Veränderung, denn das Netz ist nicht nur einfach ein Raum mit zum Teil anderer Logik, er ermöglicht die Reflexion über die gängige Logik in unser aller Realität. Hier können wir Neues ausprobieren. Wir (die Piraten) glauben nicht ganz unbegründet, dass in dieser veränderten Realität mit digitalen Medien auch einige Regeln angepasst werden müssen. Und würden davon gerne auch den Souverän überzeugen.
Die Diskussion, so wie sie z.B. im Handelsblatt geführt wird, geht an den eigentlichen Absichten der Piraten vorbei. Es ist Schwarzmalerei für eine fiktive Zukunft, die keiner beabsichtigt, und man will wohl davon ablenken, dass es durchaus idealistische Vorstellungen für eine bessere Zukunft mit digitalen Medien gibt. Was der Artikel aber zeigt, ist die unheimliche geistige Begrenztheit einiger Menschen. Den wenigen Urhebern selbst kann man da vielleicht nicht mal einen Vorwurf machen, wer weiß aus welchem Kontext die Satzfetzen tatsächlich stammen, mit denen sie da im HB zitiert werden. Und die vielen Industrievertreter wollen nur ihre Schäfchen im Trockenen halten. Da werden teils sehr kreative Dystopien entworfen von einer möglichen Zukunft ohne Urheberrecht. Auf dieser Ebene braucht man gar nicht diskutieren, ich könnte für jede von ihnen eine gleichwertige Utopie erfinden. Aber das führt ja zu nichts.
Brot und Hungerspiele
by yodahome on Apr.07, 2012, under Filme, Meinungen
Wenn man ins Kino geht, will man sich manchmal einfach überraschen lassen. Wenn man sich dann spontan für einen Film entscheidet (in einer Gruppe muss man ja erstmal einen Kompromiss finden *g*) und er ist gut, dann ist die Freude umso größer. Im anderen Fall wird’s womöglich immer noch ein netter Blogeintrag. Vor diesem Hintergrund möchte ich heute gern über den Film “Die Tribute von Panem – The Hunger Games” berichten. Ich sollte darauf hinweisen, dass ich den Film – wie gesagt – spontan und völlig unvorbelastet gesehen habe, ich kenne weder das Buch (wusste aber wohl, dass es welche gibt und offenbar stehen die bei Teenies auch hoch im Kurs), noch hatte ich mich vorher über den Film schlau gemacht. Achtung, hier wird wie immer gespoilert. Vor allem, dass es eigentlich nichts zu spoilern gibt.
Die Story ist erschreckend schnell erzählt, wenn man bedenkt das Regisseur Gary Ross dafür 144 Minuten braucht:
In einer wohl zukünftigen Zeitperiode (nach einem vermuteten Krieg, Weltuntergang oder so) mit stark diktatorischen Zügen, die sich als bunte Mischung aus High-Tech und Vorindustrialität darstellt, gibt es ein Land namens Panem (lat. das Brot) bestehend aus 12 Distrikten. Nach einem Aufstand hat die Regierung (oder so) beschlossen, dass jeder Distrikt je einen Jungen und ein Mädchen auswählen muss, die dann in die Hauptstadt gebracht werden um sich dort während eines mehrtägigen Medienspektakels gegenseitig zu töten, bis ein Sieger übrig bleibt. Warum? Damit die armen Leute Schiss haben und die reichen Spass und was zum Wetten. Oder so.
Dieses sehr antik anmutenden Ritual nennt sich die Hungerspiele. Warum auch immer. Im Distrikt 12 (eine Art Bergbau-Gilde) meldet sich Jägerin Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) freiwillig, um ihre Schwester, die eigentlich ausgelost wurde, zu schützen. Zusammen mit Peeta, den sie bis dahin wohl kaum kennt, der ihr aber mal Brot hingeworfen hat, reist sie zu den 74. Spielen, wird dort von Lenny Kravitz hübsch gemacht, um die Massen für sich zu gewinnen. Das bringt dann Sponsoren, die sie für die Spiele ausrüsten. Woody Harrelson spielt ihren Mentor, der erst ein betrunkenes Arschloch und dann doch ganz nett ist. In der Hauptstadt gibt es offenbar Reichtum im Überfluss, während bis dahin eigentlich nur Armut präsentiert wurde. Die Schere ist also weit auseinander, parallel zeichnet sich eine Romanze zwischen den beiden Protagonisten ab. Keine Überraschung.
Katniss mausert sich zur Favoritin, folglich sind während der Spiele, die in einer Waldarena ausgetragen werden, mehr oder weniger alle hinter ihr her, während die Zuschauer sie lieben. Weil der Präsident (Donald Sutherland) fürchtet, dass das Mädchen in der Bevölkerung zu viel Hoffnung auslöst und letztendlich durch ethisches Verhalten (sie tötet nur, wenn sie angegriffen wird) zur Märtyrerin werden könnte, ändert man kurzerhand die Regeln, damit es zwei Sieger aus einem Distrikt geben kann. So können Katniss und Peeta nach langem Leiden und Jagen, viel Blut (keine Angst, er ist ab 12) und toten Teenies letztendlich wieder zurück ihn ihr Distrikt. Und alle leben glücklich bis an ihr seliges Ende.
So weit so vorhersehbar. Ich zweifelte vom Introtext an nicht eine Sekunde lang, dass die Protagonistin zu den Spielen fahren und dort gewinnen würde. Beziehungsweise, ich dachte, das wäre die unkreativste Auflösung und hoffte auf irgendwas Unerwartetes, eine Wendung, die nicht abzusehen war. Aber die gab es schlicht nicht. Somit verkommt die erste Hälfte des Films zur Makulatur. Es gibt auch keine Erklärung, aus welchem Kontext diese Dystopie ihre Berechtigung zieht. Warum lassen sich die Menschen durch Gladiatorenspiele einschüchtern? Wie funktioniert diese Welt überhaupt? Warum Kinder? Womit beschäftigen sich die reichen Leute außerhalb der Spiele? Und, nachdem Anflüge von Auflehnung gezeigt werden, warum scheinen die Ereignisse am Ende vollkommen beliebig und überflüssig? Was will uns der Autor damit sagen? Viele Fragen bleiben bei mir offen. Dazu die verstörenden Bilder von Kindern/Jugendlichen, die auf einander gehetzt werden und sich offenbar fern jeder Ethik bereitwillig gegenseitig abschlachten. Ich würde annehmen, dass das auch noch das einzig originelle am Film ist. Upps, stimmt nicht, dass haben wir mit mehr Einfallsreichtum relativ aktuell erst in Kick-Ass gesehen. Da prügeln sogar Erwachsene auf Kinder ein.
Und so ziemlich alles andere haben wir auch schon gesehen. Der Film klaut so schamlos aus zahlreichen Filmen, dass man meinen könnten zu Guttenberg sei Produzent gewesen. Ein bisschen Zukunfts-Dystopie aus Fahrenheit 451, 1984, THX 1138 (Polizisten in weiß) und nicht zuletzt Running Man (ihr wisst schon, Arnie schießt nicht auf Zivilisten, wird verknackt, bricht aus, wird wieder eingefangen und darf in einer populären Spielshow um sein Leben kämpfen, wobei er schlussendlich erfolgreich das System kollabieren lässt). Dazu ein bissl Medienkritik á la Truman Show (die Spielfläche ist ein virtuell erweiterbarer, komplett verdrahteter Wald mit Kameras in jedem Baum) oder Ed-TV. Der Anfang erinnert sehr an diverse Geschichten des Strickmusters “häßliches Entlein” (kennt man Plötzlich Prinzessin?), der Rest ein wenig an Gladiator. Dazu ein Hauch Fantasy wie in Narnia. Und natürlich eine schmalzige Romanze, die den Biss-Filmen aber keine Konkurrenz macht. Denn festhalten kann man: Der Film ist routiniert, aber reicht mit keiner seiner Anleihen an die Vorlagen heran. Die meisten Charaktere erschienen mir so flach, dass sie mich nicht weiter kümmern mochten. Die einzige Ausnahme ist hier die Protagonistin, deren Entwicklung aber eben standardisiert ist. Insbesondere die 21 Randfiguren unter den ‘Kämpfern’ werden so lieblos (oder gar nicht) eingeführt, dass auch ihr späterer Tod kaum emotional mitnimmt. Alles irgendwie so mittel. Visuell und akustisch gibt es ebenfalls keine Ausreißer, keine Überraschungen. Plus Minus Null. Donald Sutherland als Präsident (oder so) kann auch nix reißen, erscheint nicht wie ein starker Führer sondern eher wie ein deplatzierter Gärtner. Letztendlich ist auch die Charakterentwicklung von Katniss völlig bedeutungslos. Legt man die Heldenreise von Campbell zugrunde, dann sollte der Held/die Heldin letztendlich beide Welten retten. Hier rettet keiner irgendwas, jede Action und jeder Dialog ist beliebig und ersetzbar, die Auswirkungen der Handlung hebt man sich wohl für die Fortsetzungen auf (es gibt drei Bände, soweit ich weiß). Als Happy End ist es allerdings zu vorhersehbar, für mich als Zuschauer zu wenig Satisfaktion, wo man doch mehr als zwei Stunden bei wenig Panem und viel Circenses ausgeharrt hat.
Da das Kino meinte, den Film mit einer 15-minütigen Pause unterbrechen zu müssen, hab’ ich unterdessen auf RottenRomatoes und Metacritic nach den Wertungen für die Hungerspiele geschaut. Die Tomatenkritiker geben dem Film eine Gesamtwertung von 85%, der Metascore liegt bei imho realistischeren 67 von 100. Die Zuschauer finden’s offenbar trotzdem toll. Ich kann nicht so recht verstehen, warum. Zu wenig Science und Fiction für Science-Fiction und wenn man das Buch nicht kennt, versteht man offenbar den Kontext überhaupt nicht. Mehr als ein müdes Achselzucken kann ich als Endzwanziger da nicht bieten, vielleicht wirkt’s auf Jugendliche aus irgendeinem Grund anders. Offenbar gehöre ich nicht mehr zur Zielgruppe.
Dass derselbe Film auch etwas anders wahrnehmbar ist, kann man beim befreundeten Blogger im Moosbett nachlesen, der findet auch noch ganz andere ‘Vorlagen’. Und weitere Kritikpunkte. Ich für meinen Teil kann dem Machwerk aber wenig abgewinnen und würde dem geneigten Leser einen der genannten anderen Filme empfehlen. Oder vielleicht ‘ne schöne Folge GZSZ. Oder so.
Ein Gesteck zum Thema “Wir ham’s nich so mit Blumen”
by viaPosterous on Feb.27, 2012, under Ohne Kategorie, viaPosterous
Erster Tag in Ulm
by viaPosterous on Feb.27, 2012, under Ohne Kategorie, viaPosterous
Leave a Comment more...@having Blumenkohlsuppe mit Fleischklößchen
by viaPosterous on Feb.23, 2012, under Ohne Kategorie, viaPosterous
Leave a Comment more...Mit dem Kollegen Gassi gehen… hier nicht im Bild
by viaPosterous on Feb.22, 2012, under Ohne Kategorie, viaPosterous
Leave a Comment more...Was wollt ihr denn?? Ma… Ach nee…
by viaPosterous on Feb.21, 2012, under Ohne Kategorie, viaPosterous
Leave a Comment more...Der Wulff, das Lamm, auf der grünen Wiese…
by yodahome on Feb.18, 2012, under Meinungen, Politik
Liebe Mitbürger,
wir mussten gestern gegen Mittag zur Kenntnis nehmen, dass unser aller Bundespräsident (BunPrä) sein Amt niederlegte. Schon wieder. Ganz Deutschland (aber vor allem die Bild-Leser) hat in den letzten Wochen mitverfolgt, wie die schreibenden Medien diverse Hinweise darauf aufgedeckt haben, dass Christian Wulff sich diverse geldwerte Vorteile über vermögende Freunde verschafft haben soll. Während er selbst dies über Wochen wahlweise bestritt und/oder sich entschuldigte, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, der Antrag der Staatsanwaltschaft die Immunität des BunPrä aufzuheben.
Just in diesem Moment zeigt die ARD eine Zusammenfassung der ganzen Geschichte, zeigt einen Wulff, der im dritten Anlauf Ministerpräsident von Niedersachsen wurde und die Freunde des Vorgängers Gerhard Schröder erbte, die sich im Glamour seines Amtes sonnten. Sie sprechen über die schwere Kindheit Wulffs einerseits und seine gezielte mediale Selbstinszenierung im Politischen sowie im Privaten andererseits. Einer, der sich gerne bejunbeln läßt sch aber nicht hinterfragen oder kritisieren lassen will. Ein häufiger Kommentar am gestrigen Tag war, dass Wulff nicht seine möglicherweise rechtswidrigen Taten zu Fall gebracht haben, sondern sein schlechtes “Krisenmanagement”, sein verzögertes Veröffentlichen von Halbwahrheiten und seine inkonsequenten Entschuldigungen, die immer auch mit Beschuldigungen an andere Adressen (insbesondere die Medien) verknüpft waren.
Nach den Berichterstattungen der letzten Wochen kann Wulff vieles sein: Ein Täter, der gezielt getäuscht und sich private Vorteile verschafft hat, ein Opfer der Medien, die sich ja durchaus gerne mal an moralischen Verfehlungen hochziehen oder eben ein Opportunist, der wie viele andere Politiker, ach was, Menschen dieses Landes gern die Möglichkeit nutzte, sich selbst zu bedienen in der Hoffnung, dass es keiner merkt. Und daran im Grunde auch nichts Falsches finden kann. Was tatsächlich passiert ist weiß man nicht, wird man wohl auch kaum wissen, will man vielleicht auch gar nicht.
Der Schaden, in meinen Augen, liegt aber eindeutig darin, dass der Glaube an ein funktionierendes politisches System mal wieder von ganz oben erschüttert wurde. Schon der zweite BunPrä zieht sich vor Ablauf der vollen Amtszeit zurück, was man sowohl als Unvermögen der politischen Klasse als auch des Souveräns sehen muss, der ihn gewählt hat. Liebe Mitbürger, das sind letztendlich wir. Die Minister wechseln sowieso alle paar Monate, keiner hat augenscheinlich noch Lust, Politiker zu sein, wenn man dann für jede Verfehlung gescholten wird. Daran hat man sich ja schon fast gewöhnt. Aber wenn wir es nicht mal hinkriegen, einen Typen über 40 in Deutschland zu finden, der fünf Jahre Dauerrepräsentation skandalfrei hinter sich bringen kann (oder wenigstens so schlau ist, sich beim Bescheißen nicht erwischen zu lassen), dann scheint mir das kein gutes Zeichen zu sein. Aber vielleicht sollten wir einfach kollektiv aufhören, den Politzirkus überhaupt noch ernst zu nehmen.
Und nun zu etwas vollkommen anderem:
Und wieder mal lecker Pizza gebacken mit @danvers.
by viaPosterous on Feb.08, 2012, under Ohne Kategorie, viaPosterous
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