Politik
Ein Piratenmeinungmittwoch: Urheberrecht
by yodahome on Apr.12, 2012, under Allgemein / Generic, Meinungen, Politik
UPDATE: Der Beitrag war eigentlich für Mittwoch geplant, daher der Titel. Mea Culpa.
Immer wieder wird an der Piratenpartei, der ich in eher passiver Rolle seit einiger Zeit angehöre, kritisiert, dass sie das Urheberrecht abschaffen und die Kreativen dieser Welt enteignen wolle. Das haben unlängst einige Drehbuchautoren kritisiert und nun auch eine erlesene Gruppe von 100 ‘Kreativen’, die das Handelsblatt zusammengetrommelt hat (hier im Original). Die Piraten haben immer wieder betont, dass sie die Urheber stärken und nicht schwächen wollen, dass hier nicht Diebstahl legitimiert, sondern kulturelle Praxis nicht länger kriminalisiert werden soll. Ich persönlich unterstütze das und füge gern hinzu, dass ja in der Sache das Urheberrecht gar nicht im Zentrum der Kritik der Piraten steht, sondern die damit verbundenen Verwertungsrechte, die ja möglicherweise durchaus unseren derzeitigen Umgang mit Kultur definieren, aber ja wohl nicht die Existenz von Kultur universell verursacht haben können und folglich zur Disposition stehen dürfen. Da haben sich Strukturen gebildet, die zum Teil mit Marktwirtschaft nichts zu tun haben. Sie zu verändern heißt den Umgang mit Kultur zu verändern. Das an sich kann ja nicht schlimm sein. Auch wenn es da möglicherweise einigen an die Geldbörse geht.
Das immer von Urheberrecht gesprochen wird, wenn man Leistungsschutz- oder Verwertungsrechte meint, scheint mir einer unpräzisen Wortwahl auf beiden Seiten geschuldet zu sein. Ich bin kein Jurist, aber in meinem Kurs zum Medienrecht im Rahmen meines Studiums haben wir das sehr deutlich getrennt. Das kann also nicht so schwer sein. Im Grundsatzprogramm der Piraten (nur zwei Absätze nach dem Satz, der für die 100 Köpfe offenbar so anstößig wirkt) geschieht die Trennung sehr deutlich:
“Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an. Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht.”
Euer Recht, liebe Urheber, mit eurem Werk zu tun, was ihr wollt, ist also grundsätzlich nicht gefährdet. Niemand wird enteignet! Niemand will ernsthaft alle Kunst und Kultur für umsonst. Aber wenn, wie das Handelsblatt schreibt, in Deutschland “[..] stets aufs Neue eine Kreativwirtschaft” entsteht [..], die das Land mit Ideen und so mit zusätzlichem Wohlstand versorgt”, dann muss man doch über die Bedingungen dafür reden dürfen. So wie wir mittlerweile neu über Atomkraftwerke oder Benzinpreise diskutieren. Und auch wenn man darin übereinstimmt, dass in der realen Marktwirtschaft für jede Nachfrage ein kostenpflichtiges Angebot entsteht (was man schon mal bestreiten kann), dann darf man doch über die Höhe der Preise und wem sie zugute kommen diskutieren. Alles klar?
Aber auf dieser Ebene wird eben von den Gegnern nicht diskutiert. Konkret klingen die Vorwürfe gegen die Piraten entsprechend teils wild bis fast schon komisch. Ein Herr Tiedje (Ehemaliger von der Bild) argumentiert: “Wer im Internet klaut, der stiehlt! So einfach ist das. Die Piraten könnten ihr bisher ziemlich nutzloses Dasein sinnvoll entwickeln, wenn sie ihren Anhängern einen belastbaren Eigentumsbegriff vermitteln würden. Andernfalls werden sie sehr schnell einen neuen Namen bekommen: Partei der Diebe.”
Bestechende Logik im ersten Satz, geschenkt. Das Argument dagegen lautet wohl, das keinem Urheber sein Recht am Werk gestohlen werden kann, wenn eine MP3 digital vervielfältigt wird. Er verliert – wenn überhaupt – vielleicht potentielles Einkommen. Vielleicht aber auch nicht.
Und belastbar ist der Begriff des geistigen Eigentums ja wohl schon per Definition nicht, denn: Die Gedanken sind frei. (Wer kann sie erraten? Richtig, keiner.) Externalisiert man sie allerdings, wird ein Werk daraus, das zu schützen ist. Die Freiheit des Gedankens oder der Idee bleibt jedoch weiterhin erhalten. Warum der Begriff des “geistigen Eigentums” (von intellectual property) einfach unzutreffend ist, kann man sich mittlerweile in Text und Bild erklären lassen. Kurz gesagt: Der implizite Vergleich mit Besitzverhältnissen physischer Güter hinkt in jeder Hinsicht.
Wenn beispielsweise Dr. Helmut Thoma feststellt, dass es “bislang noch keinen sicheren Weg gibt, den Diebstahl geistigen Eigentums zu verhindern” dann fragt man sich, was er denn damit meint. Das Urheberrecht tut ja genau das, für konkrete Werke, automatisch und ohne Aktion des Urhebers. Für Ideen, Gedanken und andere Luftschlösser, die man da offenbar neu als Gut definieren will, gilt das nicht und das ist gut so.
Das Urheberrecht gilt für Werke (“persönliche geistige Schöpfungen” oder auch “Schöpfungen mit geistigem Gehalt”) und die müssen eine wahrnehmbare Form haben. Sie sind somit explizit nicht vollends immateriell oder mit Ideen/Gedanken gleichzusetzen. Sie sind aber ebenso nicht vergleichbar mit physischen Gütern, darum stellen sie eine eigene Kategorie dar. Natürlich braucht der Urheber das Recht, zu entscheiden, wer für ihn unter welchen Bedingungen sein Werk veröffentlicht. Dieses Recht war aber immer eingeschränkt z.B. durch das Recht auf Privatkopie, durch das Zitatrecht und andere Rechte. Und es ist zeitlich begrenzt, irgendwann wird jedes Werk Gemeingut. Mit Recht.
Frau Leutheuser-Schnarrenberger meint:”Die Piraten blenden die wirtschaftlichen Wirkungsmechanismen in der digitalen Welt aus. Sie verstehen das Internet der frühen Neunziger als Blaupause für das Urheberrecht im 21. Jahrhundert. Das Netz ist kein eigener Raum, der nach seiner eigenen Logik tickt.“
Lustig, genau die gegenteilige Behauptung kann man ja auch oft lesen. Das Netz als rechtsfreier Raum und so. Als Forscher kann ich sagen, dass das Netz in der Tat ein anderer Raum ist, insbesondere verglichen mit realweltlichen Räumen, aber nicht unabhängig davon. Und genauso heterogen, was das Argument schon zum Teil entkräftet. Und lustig die Zweite, gerade die Piraten blenden die wirtschaftlichen Mechanismen mitnichten aus, wir erkennen sogar die neuen Chancen und Potentiale. Damit hat ja insbesondere die Medienwirtschaft häufig Probleme. Haben die damit mehr Recht den gesellschaftlichen Konsens zu bestimmen?
So wie das werbefinanzierte Fernsehen sich schnell als Alternative zu öffentlich-rechtlichen Anbietern etabliert hat, gibt es durch das Netz viele neue Möglichkeiten und Modelle, mit Werken Geld zu verdienen und sie zu verbreiten. Nur, dass die Medienindustrie (im Gegensatz zu vielen Urhebern) diese Möglichkeiten diesmal weit weniger enthusiastisch aufgegriffen hat. Wer also hält sich hier nicht an die Spielregeln des Marktes?
Das könnte ich munter weiter fortsetzen. Darum nochmal zum mitschreiben: Die Piraten wollen das Urheberrecht nicht abschaffen, niemand wird enteignet. Eigentlich geht es um Verwertungs- und Leistungsschutzrechte. Da sehen wir Verhandlungsbedarf für ein neues Jahrtausend. Der Wissenschaftler in mir findet beispielsweise, dass öffentlich finanzierte Arbeit auch offen, frei und kostenlos (Stichwort: Open Access) zur Verfügung stehen sollte. Nicht nur für andere Wissenschaftler, sondern für alle, die mit ihren Steuern dafür gezahlt haben. Und Daten, die durch öffentliche Institutionen erhoben werden, gehören der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das ist einerseits transparent und bietet andererseits Freiraum für das Entstehen neuer kreativer Ideen. Die müssen nicht unbedingt aus der Riege sogenannter Professioneller kommen. Wir glauben, dass der Amateur manchmal mindestens genauso kreativ sein kann. Überhaupt kann, entgegen der Definition der Industrie, jeder kreativ sein in dem was er tut.
Außerdem müssen wir darüber reden dürfen, ob es in Ordnung ist, wenn Erben viele Jahre nach dem Tod eines Urhebers noch für dessen Werke bezahlt werden wollen und verhindern, dass sie Allgemeingut werden, nachdem sie bereits (ggf. mehrfach) monetarisiert worden sind. Und das Privatleute für Remixe auf Youtube und anderen Plattformen oder wegen des nichtkommerziellen Tauschens von digitalen Daten mit urheberrechtlichem Hintergrund unverhältnismäßig kriminalisiert werden. Wie Dieter Bohlen in diesem Clip schon vor fünf Jahren so richtig bemerkt, gab es das immer und nur wegen der Vermassung eines Phänomens, das mangels legaler Alternativen ja zusätzlich angeheizt wurde, wird es nicht plötzlich illegaler. Hier sehen wir wirklich Bedarf für Veränderung, denn das Netz ist nicht nur einfach ein Raum mit zum Teil anderer Logik, er ermöglicht die Reflexion über die gängige Logik in unser aller Realität. Hier können wir Neues ausprobieren. Wir (die Piraten) glauben nicht ganz unbegründet, dass in dieser veränderten Realität mit digitalen Medien auch einige Regeln angepasst werden müssen. Und würden davon gerne auch den Souverän überzeugen.
Die Diskussion, so wie sie z.B. im Handelsblatt geführt wird, geht an den eigentlichen Absichten der Piraten vorbei. Es ist Schwarzmalerei für eine fiktive Zukunft, die keiner beabsichtigt, und man will wohl davon ablenken, dass es durchaus idealistische Vorstellungen für eine bessere Zukunft mit digitalen Medien gibt. Was der Artikel aber zeigt, ist die unheimliche geistige Begrenztheit einiger Menschen. Den wenigen Urhebern selbst kann man da vielleicht nicht mal einen Vorwurf machen, wer weiß aus welchem Kontext die Satzfetzen tatsächlich stammen, mit denen sie da im HB zitiert werden. Und die vielen Industrievertreter wollen nur ihre Schäfchen im Trockenen halten. Da werden teils sehr kreative Dystopien entworfen von einer möglichen Zukunft ohne Urheberrecht. Auf dieser Ebene braucht man gar nicht diskutieren, ich könnte für jede von ihnen eine gleichwertige Utopie erfinden. Aber das führt ja zu nichts.
Der Wulff, das Lamm, auf der grünen Wiese…
by yodahome on Feb.18, 2012, under Meinungen, Politik
Liebe Mitbürger,
wir mussten gestern gegen Mittag zur Kenntnis nehmen, dass unser aller Bundespräsident (BunPrä) sein Amt niederlegte. Schon wieder. Ganz Deutschland (aber vor allem die Bild-Leser) hat in den letzten Wochen mitverfolgt, wie die schreibenden Medien diverse Hinweise darauf aufgedeckt haben, dass Christian Wulff sich diverse geldwerte Vorteile über vermögende Freunde verschafft haben soll. Während er selbst dies über Wochen wahlweise bestritt und/oder sich entschuldigte, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, der Antrag der Staatsanwaltschaft die Immunität des BunPrä aufzuheben.
Just in diesem Moment zeigt die ARD eine Zusammenfassung der ganzen Geschichte, zeigt einen Wulff, der im dritten Anlauf Ministerpräsident von Niedersachsen wurde und die Freunde des Vorgängers Gerhard Schröder erbte, die sich im Glamour seines Amtes sonnten. Sie sprechen über die schwere Kindheit Wulffs einerseits und seine gezielte mediale Selbstinszenierung im Politischen sowie im Privaten andererseits. Einer, der sich gerne bejunbeln läßt sch aber nicht hinterfragen oder kritisieren lassen will. Ein häufiger Kommentar am gestrigen Tag war, dass Wulff nicht seine möglicherweise rechtswidrigen Taten zu Fall gebracht haben, sondern sein schlechtes “Krisenmanagement”, sein verzögertes Veröffentlichen von Halbwahrheiten und seine inkonsequenten Entschuldigungen, die immer auch mit Beschuldigungen an andere Adressen (insbesondere die Medien) verknüpft waren.
Nach den Berichterstattungen der letzten Wochen kann Wulff vieles sein: Ein Täter, der gezielt getäuscht und sich private Vorteile verschafft hat, ein Opfer der Medien, die sich ja durchaus gerne mal an moralischen Verfehlungen hochziehen oder eben ein Opportunist, der wie viele andere Politiker, ach was, Menschen dieses Landes gern die Möglichkeit nutzte, sich selbst zu bedienen in der Hoffnung, dass es keiner merkt. Und daran im Grunde auch nichts Falsches finden kann. Was tatsächlich passiert ist weiß man nicht, wird man wohl auch kaum wissen, will man vielleicht auch gar nicht.
Der Schaden, in meinen Augen, liegt aber eindeutig darin, dass der Glaube an ein funktionierendes politisches System mal wieder von ganz oben erschüttert wurde. Schon der zweite BunPrä zieht sich vor Ablauf der vollen Amtszeit zurück, was man sowohl als Unvermögen der politischen Klasse als auch des Souveräns sehen muss, der ihn gewählt hat. Liebe Mitbürger, das sind letztendlich wir. Die Minister wechseln sowieso alle paar Monate, keiner hat augenscheinlich noch Lust, Politiker zu sein, wenn man dann für jede Verfehlung gescholten wird. Daran hat man sich ja schon fast gewöhnt. Aber wenn wir es nicht mal hinkriegen, einen Typen über 40 in Deutschland zu finden, der fünf Jahre Dauerrepräsentation skandalfrei hinter sich bringen kann (oder wenigstens so schlau ist, sich beim Bescheißen nicht erwischen zu lassen), dann scheint mir das kein gutes Zeichen zu sein. Aber vielleicht sollten wir einfach kollektiv aufhören, den Politzirkus überhaupt noch ernst zu nehmen.
Und nun zu etwas vollkommen anderem:
Meinungsmontag: Google+, London und so weiter…
by yodahome on Aug.15, 2011, under Computer, Meinungen, Politik
Der letzte Meinungsmontag hatte ein konkretes Thema, dieser wird mehrere haben, denn in den letzten Wochen ist ja durchaus einiges Kommentierenswertes geschehen: Google bastelt sich mit G+ seine eigene Netzwerkplattform, die Welt versinkt in ihren eigenen Schulden und in London zeigte sich, wie wertlos 24/7 Überwachung sein kann. Die Reihenfolge läßt keinen Rückschluß auf die Relevanz zu. Na denn mal los… (continue reading…)
Meinungssonntag (weil Wahl is)
by yodahome on Mrz.20, 2011, under Meinungen, Politik
Ich hoffe, lieber Leser, dass auch du heute deine demokratische Pflicht erfüllt und gewählt hast, falls du im Lande Sachsen-Anhalt und/oder zum Bürgerentscheid in Magdeburg wahlberechtigt warst. Vielen scheint ja nicht ganz klar zu sein, warum sie zum einen überhaupt und zum anderen wen von den Fratzen, die uns da seit Wochen von Straßenlaternen angrinsen, sie wählen sollen. Zur Frage des Warum: Weil du sonst auch zu allem und jedem deinen Senf ungefragt dazu gibst und immer eine Meinung hast. Und hier fragen sie dich sogar danach. Ist doch toll!
Die Frage des Wen scheint indes immer weniger von Belang, nach intensiver Recherche und Auswertung des Wahlkampfes war die Entscheidung für mich recht klar: Nicht die bösen Rechten. Das war für mich die einzige klare Aussage des Wahlkampfes und auch die war, wie die anderen Parteiwerbesprüche, doch sehr dürftig begründet. Denn das Desinteresse für begründete Standpunkte ist es doch, was die NPD so gar nicht vom Rest des Parteienfeldes unterscheidet. Wie auch immer, dem füge ich meinerseits mental – schon allein wegen der Symmetrie – ein “nicht die doofen Linken” hinzu und die Auswahl ist hinreichend eingeschränkt. Den unregelmäßigen Wählern sei gesagt, dass der Wahlzettel immer hinlänglich Auswahl anbietet, leider fehlt mir – wie vielen anderen sicher auch – ein Schnelldurchlauf à la DSDS, wo man alle Kandidaten nochmal singen hört, bevor man sich entscheidet. Hier sehe ich Verbesserungsbedarf.
Während man sich freuen könnte, dass es einen ersten Bürgerentscheid in MD gibt, bin ich doch ob des Themas mehr als enttäuscht, da sich für mich nicht erschließt, worin hier eigentlich die Meinungsverschiedenheit besteht. Da will eine kleine Gruppe Menschen ein Gebäude wiederaufbauen, dass nicht benötigt wird und dessen symbolische Bedeutung für Magdeburg man zumindest fragwürdig finden sollte, wenn man mal von religösen Begründungen absieht. Ich hab’ meinen Standpunkt dazu ja schon mal formuliert, ich sehe nicht, warum bei so einer eindeutigen Gewichtung von Argumenten nicht schon die dafür verantwortlichen Entscheider klare Stellung beziehen können. Bei Projekten wie dem Allee-Center oder dem City-Carré hat uns keiner gefragt. Und die möchte man heute schon aus ökonomischer Sicht nicht missen. Die Tatsache, dass also ein Bürgerentscheid ausgerechnet hier gemacht wird, zeugt doch schon von der untergeordneten Bedeutung, die das Thema Ulrichskirche offenbar hat.
Und nun zu etwas völlig anderem: Ich habe mich zurückgehalten mit Äußerungen zum Thema Naturkatastrophe und Atomunfall in Japan. Aber kurz zwei Dinge: 1. Die Medien haben kontinuierlich wie schon beim Guttenberg rigoros auf Vermutungen gesetzt. Ich finde es traurig, dass man Sondersendung nach Sondersendung rausballert, wenn die dann zu 10 % aus Informationen (<2 % davon wirklich genuin neu) und zu 90 % aus Mutmaßungen, Schwarz- und Teufel-an-die-Wand-Malerei und Panikmache besteht. Es ist eine schlimme Katastrophe. die Bilder haben wohl jeden beeindruckt und gezeigt, dass man auch mit dem Unerwarteten rechnen muss. Aber wenn ihr nichts Neues oder Interessantes zu berichten habt, außer dass das THW jetzt vor Ort ist, dann lasst es einfach. 2. Dass man als Mensch da unruhig wird wenn man diese Berichte sieht ist klar, zumal viele offenbar ja noch weniger Ahnung von Atomkraftwerken haben als ich und das Unbekannte immer Angst macht. Trotzdem ist das kein Grund die Vernunft abzuschalten und Amok zu laufen. Atomkraft ist gefährlich, aber m.M. nach viel eher wegen des Endlagerproblems als wegen der GAU-Gefahr. Der Ausstieg war beschlossene Sache, der Ausstieg vom Ausstieg schon für die Regierung sehr peinlich und unüberlegt. Aber das Moratorium und der mögliche Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg ist an Unglaubwürdigkeit ja kaum noch zu überbieten. Denn entweder sind die Atomkraftwerke nach jetzigen Standards sicher oder nicht. Frau Merkel als Physikerin sollte doch fast persönlich in der Lage sein, dass zu prüfen BEVOR sie Deals mit der Atomlobby macht. Zeigt also nur, dass da wieder gemauschelt wurde und jetzt ist das Bein dick. Offenbar können wir derzeit problemlos auf einige AKWs verzichten, also weg damit. Klar muss aber auch sein, dass jede Energieform ihre Nachteile hat. Windräder und Solarkraftwerke brauchen viel Fläche und verschandeln die Umwelt. Wasserkraft zerstört das Ökosystem Meer. Wo bleibt das Mikrowellenkraftwerk aus Sim City 2000? Und wann sagt endlich mal einer, dass wir auch einfach weniger Energie verbrauchen müssen? Kann mal endlich einer eine Sondersendung machen zum Thema “Wie ich eine informierte Entscheidung treffe”?
Meinungsmontag: Endlich über den (Gutten-)Berg
by yodahome on Feb.27, 2011, under Meinungen, Politik
Mittlerweile ist ja selbst den alles auf der Schlachtbank ausweidenden Medien der Spaß am zu Guttenberg vergangen, Zeit also für mich einen Beitrag nachzuschießen. ;-)
Die Sachlage ist ja ganz Deutschland bekannt, was aber ist nun daraus zu schließen? Herr zu Gutenberg, der trotz aller Plagiatierung weiterhin die Beliebtheitsskalen anführt, hat letztendlich einen akademischen Titel aberkannt bekommen, der ihm offenbar auch nicht zustand. Das er versucht hat, sich damit durchzuschummeln, muss man ihm zum Vorwurf machen, dass er offenbar auch nach Auftauchen der Vorwürfe unbeirrt weiter gelogen hat hingegen erwartet man ja schon fast von einem professionellen Politiker. Denn klar ist: Für so dumm, die zahlreichen eigenen “handwerklichen Fehler” nicht zu bemerken, die er auch noch mit der Mehrfachbelastung durch Job und Familie begründet, kann man den Herr Verteidigungsminister wirklich nicht halten.
Insofern ist nicht verwunderlich, dass seine politischen Ämter unangetastet bleiben, hat er durch die Affäre doch bewiesen, dass er für die politische Karriere mehr als qualifiziert ist: Er hat den Willen und die Fähigkeit ganz Deutschland ein X für ein U vorzumachen, selbst wenn seine gesamte Umwelt überzeugend das Gegenteil beweisen kann. Er kann kunstvoll die Medien einspannen, im direkten Umgang selbst aber einen amateurhaften, ja beinahe mitleiderregenden Eindruck vermitteln, damit Ersteres dem beiläufigen Zuschauer nicht all zu offenbar wird. Und er hat, ganz offensichtlich, außer der politischen Tätigkeit sonst keine Karriere in Aussicht, ja in diesem speziellen Fall nicht einmal nötig, gehört er doch in jeder Hinsicht zu den oberen Zehntausend, wirkt aber wie vom Olymp hinabgestiegen und dem Volke zugehörig.
Viel bedenklicher für mich aber ist, dass eine mehr als fragwürdige Arbeit offenbar alle Kontrollmechanismen einer Uni problemlos passiert hat, immerhin hat zu Guttenberg nicht nur einfach bestanden sondern sogar ein “summa cum laude” abgegriffen. Da muss man zurecht der Universität Vorwürfe machen. Die wiederum ist noch so dreist, sich nicht einmal zu bemühen den Sachverhalt vollends zu klären, man habe den Doktortitel aberkannt, weil der Freiherr Fehler eingeräumt habe. Also nicht etwa, weil man sie ihm nachgewiesen hat. Das hat man auch nicht mehr vor. So ist, schon fast im Baudrillardschen Sinn, eine Wirklichkeit auf Basis einer durch die Medien (mittels Vermutung) konstruierten Wirklichkeit geschaffen worden, deren tatsächlicher Ursprung und Verknüpfung mit den Tatsachen unbekannt bleibt.
Die Konsequenz aus diesem Nicht-Ereignis sollte vielleicht ein subtraktives akademisches System sein, dass jedem zunächst einen Doktortitel auf Probe verleiht und nur bei Verstößen gegen den wissenschaftlichen Kodex sukzessive Titel aberkennt. Auch den Medien muss man hier Vorwürfe machen, Sie haben hier ihre Rolle mehr als mangelhaft wahrgenommen und nicht wirklich dazu beigetragen, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Im Fall der Bild kann man sogar feststellen (und der gestrige Presseclub mit dem Bams-Chefredakteur machte dies sehr deutlich), dass der Vorfall sogar konsequent verharmlost und der Freiherr als Opfer porträtiert wird. Alles in allem zeichnet sich sehr deutlich das Bild einer Gesellschaft ab, die zwar alles kann aber auch alles nur mit dem halben Arsch macht.
Gute Idee! So’n Scheiss…
In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf eine Nachricht hinweisen, die vielleicht etwas im Taumel untergegangen ist: In Nordrhein-Westfalen (größtes Bundesland) hat man (nach Hessen und dem Saarland) kurzerhand die Studiengebühren wieder abgeschafft. Fast schon befremdlich, wie man die Korrektur eines unsinnigen Ausflugs auch noch als Fortschritt verkaufen will, allerdings zeigt sich hier sicher ein Trend. Traurig ist eigentlich nur, dass die Politik offenbar nicht in der Lage war, eine dumme Idee schon im Gesetzgebungsverfahren als solche zu erkennen, Proteste gab’s ja doch genug.
In weiteren Neuigkeiten haben die Roten in Hamburg die Wahl gewonnen, weil der Wähler, der schon seit Jahrzehnten gemütlich hin und her pendelt, dass so entschieden hat. Ich wage zu prophezeien, dass daraus keine weitreichenden Änderungen resultieren, aber was tut man nicht alles um das politische Desinteresse der breiten Bevölkerung zu überdecken. Während südlich des Mittelmeeres derzeit scheinbar die demokratischen Phasen einiger Länder beginnen könnten, scheint der Trend ja bei uns weitestgehend vorbei zu sein, man wartet nur noch auf das Nachfolgesystem. Hat bestimmt irgendwas mit dem Internet zu tun.
Und schlussendlich noch eine Gratulation an Judith Holofernes von “Wir sind Helden“, die mit ihrer scharfen Beobachtung zur Anzeigenkampagne der Bild und der Ablehnung zur Mitarbeit an eben jener der einzige Lichtblick der letzten Woche waren. Nachrichtentechnisch.
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HD+ oder warum DRM immer noch nicht funktioniert
by yodahome on Jan.29, 2011, under Meinungen, Politik

- Image via Wikipedia
Die Menschheit (abstrakter Begriff für Spezies) hat sich über die Jahrtausende ja durchaus beeindruckend weiterentwickelt, im Detail muss man jedoch feststellen, dass die Menschen (Summe aus Individuen) sich wiederholt als ebenso beeindruckend lernresistent erwiesen haben. Es gibt immer wieder Legenden, Mythen, Halbwahrheiten oder widerlegte Fakten, die sich über Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte am Leben erhalten und trotz besseren Wissens nicht tot zu kriegen sind.
In den Führungsetagen der großen Medienunternehmen halten sich zwei Mythen scheinbar seit mehr als einem Jahrzehnt mit Vehemenz:
- “Piracy” oder Raubkopieren – also das Verbreiten digitaler Medien ohne Berücksichtigung des Urheberrechts – ist ein – wenn nicht gar DAS – Problem für die Monetarisierung von “Content” (abstrakter Begriff für Medienprodukte, die man verkaufen will)
- “Digitales Rechtemanagement” (kurz DRM) ist eine wirkungsvolle Waffe gegen “Piracy”, weil sie dem Rechteinhaber weitgehend die Kontrolle über seinen Content ermöglicht und verhindert, dass illegal getauscht wird
Es gibt zahlreiche gute und kluge Darlegungen, warum beides in der Tat Mythen sind (z.B. hier, hier, hier und hier). Darum nur eine kurze Zusammenfassung:
- Es gibt kaum verlässliche Erhebungen zum Raubkopieren, oft wird der Schaden einfach mit Raubkopien x Einzelpreis = Schaden berechnet. Dabei ist höchst zweifelhaft, ob jede verhinderte Raubkopie zu einem legalen Verkauf führen würde. Das relativiert jegliche Angaben zum entstandenen Schaden. Durchaus entstehender Nutzen (z.B. in Form von Aufmerksamkeit und erhöhter Verbreitung z.B. in Märkte, die sonst gar nicht erreicht werden könnten) wird großzügig ausgeblendet.
- Raubkopieren wird mit Stehlen gleichgesetzt – obwohl tatsächlich ja nicht ein Objekt jemandem entwendet wird (es entsteht nur eine Kopie) und lediglich verhindert wird, dass jemand sein Geld dafür bekommt. Dass kann man verwerflich finden, aber ja noch lange nicht Stehlen nennen. Oder?
- DRM ist immer ein technisches System, das per Definition nie unverletzlich sein kann (weil z.B. immer ein Schlüssel in der Öffentlichkeit landet, man also die Geheimsoße nie geheim halten kann). Diese Systeme werden immer umgangen werden können. Schnell, einfach, endkundenfreundlich meist noch vor Veröffentlichung.
- DRM verhindert das Tauschen und Verleihen. Große Sache? Ganz große Sache! Wenn ihr überlegt, welche Musik, Filme, Bücher etc. ihr mögt und warum, werdet ihr meist darauf stoßen, dass ihr über Freunde, Bekannte etc. darauf gestoßen seid. Tonband, Mixtapes, Mix-CDs, Bücherverleih usw. sind für Kultur essentiell. Das gilt auch für digitale Medien, wenn sie als Kulturtechnik genutzt werden wollen. Und noch nie zuvor war es einfacher zu tauschen, kopieren und vervielfältigen.
- Viele Medienunternehmen haben den digitalen Trend verschlafen und vertuschen ihre Unfähigkeit zur Kundenorientierung jetzt, indem sie die verlorene Kundschaft kriminalisieren, die einfach zum besseren Anbieter abgewandert ist. Vor iTunes und musicload (mit freien MP3s) war nun mal nur Kazaa, Napster oder “The Pirate Bay”.
- Oft wird argumentiert, kostenloses Kopieren schade dem Künstler, Autoren etc. Monetär ist das möglich, aber auch nicht sicher und quantifizierbar (siehe ersten Stichpunkt). Was die Verbreitung angeht, so sollte jeder Hersteller daran interessiert sein, eine möglichst hohe zu erreichen. Das ist auf dem digitalen Wege und mit angemessen niedrigen Preisen natürlich viel eher möglich. Wie die Musikindustrie gezeigt hat.
Die Unverbesserlichen
Einige Medienunternehmen haben die Sache schon durchschaut. So wird Musik schon lange ‘ungeschützt’ z.B. bei Amazon, musicload und iTunes angeboten. Bei Filmen sieht es noch schlecht aus, die großen E-Buch-Anbieter nutzen mächtige DRM-Systeme, die sogar das nachträgliche Löschen gekaufter Bücher ermöglichen. Und die Fernsehlandschaft hat aus dem Versagen der anderen auch nichts gelernt. Ihr Wundermittel heißt CI+ oder – wie gerade prominent von den deutschen Privatsendern präsentiert - HD+.
Die Bezeichnung suggeriert ein ‘mehr’ für den Konsumenten, tatsächlich sind die +-Systeme nichts anderes als DRM und damit lediglich für all die interessant, die in der Verwertungskette vor dem Endkunden kommen. Ich spare mir die umständliche Erklärung, was HD+ im Einzelnen alles zu tun vermag und platziere stattdessen ein populäres YouTube-Video zum Thema.
Nicht nur, dass man also mit HD+ an der Nutzung des Fernsehsignals im vollen technischen Umfang seiner Ausrüstung gehindert wird (z.B. TimeShift), man soll ein schon durch Werbung finanziertes Programm und dessen Bearbeitung mit DRM (was sicher auch Geld kostet) auch noch selbst bezahlen. Hmm.
Nun, wir wollen den unbelehrbaren Executives nicht den Versuch verwehren, immerhin hat man sich sogar mittels der scharfen Argumente von Sonya Kraus redlich bemüht, nicht auf diese Nachteile hinzuweisen. Es steht außerdem jedem Nutzer frei, das Angebot unter Berücksichtigung aller Fakten zu beurteilen und trotzdem für gut zu befinden. Dafür muss er aber alle Fakten kennen und kennen können. Den Kunden daran zu hindern ist das eigentlich Verwerfliche. Und hier sind Astra, RTL, ProSiebenSat1 etc. nicht allein, denn um hier keinen falschen Eindruck zu vermitteln: Apple, Microsoft, Sony, Nintendo, Valve, Amazon und viele mehr nutzen DRM in ihren digitalen Vertriebssystemen. Sie mögen es anders nennen, trotzdem bleibt es DRM und eine Tatsache.
Tatsache ist aber auch, dass es nicht funktioniert, aus all den oben genannten und anderen Gründen. Was die Anbieter aber erreichen ist ein Generation von Mediennutzern heranzuziehen, die verstanden hat, dass es kein Problem ist, wenn man Inhalte, die man nutzen möchte, nicht legal zur Nutzung in vollem Umfang erwerben kann, weil es immer illegale Anbieter geben wird, die in die Bresche springen. Torrents von The Pirate Bay sind illegal, aber das einzige, was einem vordigitalen Produkt, das man frei nutzen, mitnehmen, tauschen oder verkaufen konnte ohne seine Identität nachzuweisen, annähernd nahe kommt. Zur weithin diagnostizierten Politikverdrossenheit gesellt sich so langsam eine Verdrossenheit gegenüber der traditionellen Medienindustrie. Und jeder anderen Industrie, wenn man kurz über den Tellerrand auf die regelmäßig auftretenden Probleme bei Nahrungsmitteln blicken möchte. Mangelnde Transparenz führt zu einemImageverlust, den sich eigentlich keine Firma leisten kann, wenn man dem Zittern und Zähneklappern Glauben schenken darf.
Was die Medienindustrie möglicherweise noch retten könnte, wäre die bedingungslose Akzeptanz der digitalen Plattform, die keinen Unterschied zwischen Original und Kopie kennt, keine nach Ländern oder Kontinenten gestaffelten Veröffentlichungsdaten, keine Bindung an Geräte, Software, Nutzer oder Ökosystem und keine sinnlosen juristischen Barrieren.
In vielleicht nicht mal 15 Jahren werden alle herzlich über die heutigen DRM-Scharmützel lachen, während sie fröhlich ihre Lieblingsserien, -filme, -spiele und -bücher aufzeichnen oder herunterladen, remixen und miteinander teilen während gleichzeitig kein Urheber, der gute Inhalte produziert, am Hungertuch nagen muss. Und sie werden es nicht “Piracy” oder Raubkopieren nennen, sondern schlicht Kultur.
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- DRM removal kits – Kindle, Nook, .. (i-programmer.info)
- Intel Claims DRM’d Chip Is Not DRM, It’s Just Copy Protection (techdirt.com)

















