Senseless Wisdom Of Life

Bücher

MM: Huch, ein E-Buch – Zeit wird’s, oder?

by on Jan.16, 2012, under Bücher, Meinungen

Bio-Bücher

Image by NiceBastard via Flickr

Was? Is’ schon 2012? Das 21. Jahrhundert? Shit!

Mir scheint, dass jeder “der Zukunft zugewandt” ist, solange sie noch weit entfernt ist. Wenn die Zukunft plötzlich zur Gegenwart zu werden droht, dann wird’s spannend.
Dieser Beitrag am Meinungsmontag dreht sich um das E-Buch. Ich bin seit Weihnachten Besitzer von Amazons Lesegerät “Kindle”. Zuvor hatten einige Verwandte inklusive meiner Eltern sich mit dieser Sorte Gerät (Kindle, iPad, Motorola Xoom) versorgt, was für mich immer ein untrügliches Zeichen ist, dass es Zeit wird, sich mit einem Trend zu beschäftigen.

Ich werd’ jetzt zwangläufig (schon wieder) auch die Medienkonzerne schelten. Die meisten verstehen es (immer noch) nicht. Mir ist klar, dass es schmerzt etablierte Strukturen schwinden zu sehen und sich mit neuen anzufreunden. Immerhin, dass ist im Grunde ein Teil der Prozesse, die wir als Bildung bezeichnen. Dass das Medium Buch (und seine Produzenten), als Inbegriff eines überholten, ja geradezu vormodernen bürgerlichen Bildungsbegriffs, Probleme hat, sich in die Zukunft transferieren zu lassen, ist insofern schon eine beachtenswerte Ironie. Aber das Buch bringt, im Gegensatz zu anderen Medienformen, auch eine lange Kultur mit sich, die sich über hunderte von Jahren entwickelt hat. Eine Kultur, die als Fundament gelten kann, für vieles, was heute unsere Gesellschaft ausmacht, für die Informationsgesellschaft, die Wissengesellschaft, die Mediengesellschaft (was immer man im Detail darunter verstehen mag).

Das E-Buch hat Probleme und zwar ganz gewaltige, weil wir alle einen Habitus im Umgang mit Büchern entwickelt haben (aka Kulturtechnik) und den gerne übernehmen würden und auch müssen, wollen wir die Kultur dabei erhalten. Das ist in der digitalen Revolution immer schwierig, aber da die Möglichkeiten im Grunde technisch nicht begrenzt sind, erwartet man natürlich von einem ‘Upgrade’ (also vom Buch zum E-Buch) nicht, dass man sich verschlechtert.

Bücher lesen

various e-book readers. From right to left iPa...

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Ein normales Buch kaufe ich und lese es, wie wo wann ich will. Man muss es halt mitnehmen. Mit dem E-Buch gibt es (schon wieder) den K(r)ampf der Lesegeräte und Formate. Beispiel: Apple setzt auf .epub und Bücher, die ich im Apple Buchladen kaufe, kann ich nur auf i-Geräten lesen. Das ist ja leider typisch, allerdings hat Apple auch die beste Präsentation und das Gerät ist zwar sauteuer, kann aber dafür eben nicht nur Bücher lesen. Wer sehen will, was man in E-Büchern alles machen könnte, schaue sich einfach mal das kostenlose “Yellow Submarine”-Buch an. Schon geil, oder? Amazon nutzt in seinen Kindle-Geräten das .mobi Format, mit weiteren Funktionen als .amz getarnt.
Sofort wird klar, dass die Kulturtechnik des Lesens hier komplexer statt einfacher wird, setzt sie doch schlimmstenfalls eine beachtliche Technikkompetenz vorraus, die man vorher nicht benötigte. Besonders im Detail gibt es Probleme, die es nicht geben müßte. Warum nicht alle Formate unterstützen?

Der Elefant im Raum ist natürlich DRM, dass hatte ich schon mal thematisiert. Alle großen Anbieter bauen DRM in ihre kommerziellen E-Bücher ein, nur wenige Autoren (oder Verlage) wehren sich dagegen. Viele Möglichkeiten mit und über Bücher zu interagieren sind damit schon mal vom Tisch. Das ist natürlich soo was von “1984″. 

Bücher tauschen

Geht bei Apple ja schon mal gar nicht. Bei Amazon soll es möglich sein, Bücher für zwei Wochen an andere Kindle-Nutzer zu verleihen, währenddessen steht das Buch in der eigenen Bibliothek nicht(!) zur Verfügung. Immerhin ähnlich wie mit echten Büchern. Außerdem entscheiden die Verlage, ob die Option freigeschaltet ist, daher scheint es noch nicht sonderlich verbreitet zu sein. WTF? Im Google Ebookstore scheint das derzeit auch keine Option zu sein. Bei freien Büchern (z.B. gemeinfreie Werke) kann man die Dateien natürlich einfach weitergeben. Sowohl beim iPad als auch beim Kindle kann man per USB (bei Apple natürlich nur per iTunes) freie E-Bücher auf die Geräte kopieren. Dafür fallen aber meist die Sync-Features weg, die bei gekauften Büchern vorhanden sind (die aktuell gelesene Seite z.B. aktualisiert sich nicht über mehrere Geräte). Amazon bietet darüberhinaus auch Lesesoftware für Windows und Mac sowie Apps für Android und i-Geräte an. Da kann man seine Bücher also potentiell auch ohne Kindle lesen. Ein unersetzliches Tool für den freien E-Buch-Leser ist die Software Calibre, mit der man seine E-Bibliothek verwalten, konvertieren und mit unterschiedlichen Werkzeugen  auf nahezu alle Lesegeräte überspielen kann.

Professionelle Nutzung

Die meisten Lesegeräte sollen personalisiert sein, d.h. sie sind an einen (und genau einen)  Nutzeraccount bei Apple, Amazon etc. gebunden. Im professionellen Kontext stell’ ich mir das schnell schwierig vor, weil man entweder einen Gruppenaccount hat oder jeder individuell einen eigenen, dann kann man aber eben nicht tauschen bzw. ein Buch für alle anschaffen (außer man kauft es x-mal). Ebenso sieht’s mit persönlichen Dokumenten aus, die müsste man dann manuell aufs Gerät tun (alle Geräte unterstützen PDF, was aber abhängig vom Bildschirm auch suboptimal sein kann) oder eben über Gruppenaccounts teilen. Alles irgendwie unnötig umständlich im 21. Jahrhundert. Ich will Star Trek-Feeling, wo ich mit jedem verdammten PADD auf den Schiffscomputer zugreifen und Faust lesen kann. Machen Sie es so!

Benjamin Jörissen weist auch auf gänzlich undigitale Probleme bei der Abrechnung hin. Als Selbstständiger oder Professioneller,der viel beruflich liest/lesen muss, ist das sicherlich ein Problem. Dazu kommt, dass man wie so oft mit digitalen Medien, lediglich eine Lizenz mit dem eingeschränkten Recht zum Lesen erwirbt, nicht etwa das Buch oder gar die 367 kb an Nullen und Einsen, die man zur Vertragserfüllung erhält. Anders also als mit den Büchern im Regal, kann so ein digitales Buch mal ganz schnell wieder weg sein. Oder die Bedingungen stillschweigend geändert werden. Und der Inhalt womöglich auch?

Andere wünschenswerte Szenarien wie E-Bücher an Kindergärten, Schulen, Jugendclubs oder Hochschulen scheinen mir da auch erstmal stark eingeschränkt. Toll wär’s doch, wenn die Schulbücher als E-Buch inkl. Leih-Lesegerät an Schüler gelangen könnten. Ich war in der Grundschule das erste Mal mit der ganzen Klasse in der Stadtteilbibliothek, daraufhin war ich viele Jahre Mitglied und regelmäßig dort. Aufgrund von allgemeinen Einsparungen hätte ich diese Möglichkeit heute nicht mehr. Wäre es nicht super, auch Kinder in abgelegenen Ortschaften oder Stadtteilen mit allen Büchern versorgen zu können, die sie interessieren? Ich wüßte nicht, wie das mit den aktuellen Geräten und Diensten praktisch umsetzbar wäre. Traurig.

Preisgestaltung

Die Anbieter sind offenbar immer noch sehr zögerlich und verunsichert, vielleicht sogar zu Recht. Man will sich ja auch nicht selbst Konkurrenz machen. Oder Bücher verschenken? Nun, offenbar nicht. Ein nicht repräsentativer Vergleich einiger aktueller Titel (deutsch & englisch) im iTunes Book Store und im Kindle Store zeigt zwei interessante Fakten auf:

1. Gerade bei aktuellen, deutschen Büchern ist der Preis im Vergleich zur Papiervariante nicht oder nur unwesentlich geringer. In Anbetracht der Tatsache, dass nur minmale Material- und Transportkosten entstehen, scheint mir das schwer zu rechtfertigen. Ich gehe auch davon aus, dass das nicht von der Buchpreisbindung abhängt, lasse mich aber gerne vom (dann sehr unsinnigen) Gegenteil überzeugen.

2. Viele Buchtitel sind in beiden Buchläden gleich teuer. Während bei Musik die Preise teils sehr unterschiedlich sind oder sich die Alben durch bestimmte Beigaben unterscheiden (Videos oder Booklets), scheint es beim Buch überhaupt keinen Wettbewerb zu geben. Das hat für deutsche Bücher primär mit der Buchpreisbindung zu tun, wobei deren Gültigkeit rechtlich ungeklärt und die derzeitige Umsetzung wohl eher ein stiller Konsenz ist. Das sollte mal offen geklärt werden. Warum das bei ausländischen Büchern auch so ist, wundert mich nur.

Übrigens kann man nur bei Amazon die mir noch aus Buchladenzeiten bestens bekannte Spiegel Bestseller-Liste einsehen. Die “echten” Bestseller ermitteln die Stores automatisch und durch die Bewertungen und Ratings der Kunden. Ob sich der Lesegeschmack der Deutschen mittelfristig dort anders darstellt?

Fazit

Da sind schon viele offene Fragen. Viele davon behindern eine etablierte Kulturtechnik in ihrer Entwicklung. Gut, man könnte nun sagen, dass man Bücher halt nicht mehr verleihen oder weiterverschenken soll. Schadet doch keinem. Eben doch meinen viele Kritiker (unter anderem Autor Cory Doctorow). Denn Bücher und die Lust am Lesen ist nicht nur ein Geschäft, es ist ebenso Kultur. Und die wird hier eingeschränkt, damit kommerzielle Interessen geschützt werden.

Nun gibt es auch Positives. Mit aktuellen Geräten läßt sich schon sehr gut auch in der Sonne lesen, die Geräte sind leicht und relativ bedienfreundlich. 1000 Bücher in der Handtasche hat schon was. Mir macht das Lesen Spaß und trotzdem brauche ich nicht unbedingt mehr Platz im Regal. Es gibt immer mehr Titel, aber meiner Meinung nach noch nicht annähernd so viele, wie im gut sortierten Buchhandel. Warum? Kein Platz im virtuellen Regal? Zeitungen und Zeitschriften gibt’s so gut wie gar nicht. Agressives Vorstoßen in neue Märkte sieht anders aus. Dabei ist doch klar, dass das E-Buch das Buch genauso wenig obsoletisieren wird wie die MP3 die CD.
Es bleibt am Schluss der bittere Beigeschmack, das die schöne neue Welt, in der digitale Bücher eine Revolution auslösen könnten (diese Übertreibung ist als solche kenntlich gemacht), künstlich zurückgehalten wird. Und das schlecht, denn es ist natürlich gar kein Problem die künstlichen Barrieren zu umgehen. Im Netz gibt es kaum ein E-Buch nicht auch illegal und frei. Tauschbar, Verschenkbar, Verteilbar. Doch wie bei allen Medien gilt auch hier: Menschen lieben Bücher und zahlen gern dafür. Derzeit wächst eine Generation von Lesern heran, die illegal lesen müssen, wenn Sie frei lesen wollen. Und das schädigt irgendwann Verlage und Autoren. Was wäre das für eine Zukunft?
 

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Gottes Trümmer – ein Gedankenexperiment

by on Jan.05, 2010, under Bücher, life, thoughts

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Liebe/r Leser/in,

ich begrüße dich im neuen Jahr 2010, dem Jahr der Fussball-WM in Südafrika, dem finalen Abschluss der Agenda 2010, dem erste Jahr der Zehnerjahre des 21. Jahrhunderts.

Man sollte das neue Jahr vielleicht mit leichtem Lesestoff beginnen, etwas unterhaltsam Erbauliches oder etwas, das die eigene Humorzentrale in Schwingungen versetzt. Stattdessen möchte eine Buch (und ein Hörbuch) vorschlagen, welches Faszinierendes zum philosophischen Fundament unserer Gesellschaft anzumerken hat. Es handelt sich um ein Buch von Scott Adams, der dir, geneigte/r Leser/in, möglicherweise von seinem erfolgreichen Comic “Dilbert”  und den diversen dazu erschienenen Büchern bekannt ist. “God’s debris – A Thought Experiment” hat mit Dilbert aber überhaupt nichts zu tun, es zeigt vielmehr die philosophische Seite von Adams, der auch in seinem Blog immer wieder seine Leser mit wilden Theorien und Gedankenexperimente konfrontiert, ohne sich selbst und seinen Standpunkt dabei allzu ernst zu nehmen.

Die beiden Hauptcharaktere des Buches sind gleichsam auch die einzigen Charaktere. Der Protagonist ist ein Paketlieferant, der ein Paket an einen alten Mann genannt Avatar ausliefert. Dieser verwickelt ihn in ein Gespräch um Gott und die Welt, der daraus folgende Dialog ist zentraler Gegenstand des Buches.
Der Avatar diskutiert zunächst einige zentrale Begriffe wie “freien Willen” (free will) und das K0nzept “Gott”. Er argumentiert außerdem dafür, dass das menschliche Gehirn lediglich ein Täschungsgenerator (delusion generator) ist, weil es nicht dazu in der Lage ist, die komplexe Welt tatsächlich zu verstehen und als Ersatz dafür vereinfachte Modelle schafft.

Basierend auf diesen Grundmotiven behauptet der Avatar, dass anzunehmen ist, dass es für einen allmächtigen Gott nur eine wirkliche Herausforderung, nur eine Motivation geben kann: Selbstzerstörung. Daraus folgert er, dass Gott sich selbst zerstört hat und alles was existiert (inklusive der Menschen) Gottes Trümmer sein müssen. Diese bestehen aus zwei Komponenten: Materie, in einer uniformen stofflichen Form, die so klein ist, dass wir sie noch nicht entdeckt haben, und Wahrscheinlichkeit (Probability). Aus dieser Annahme speisen sich die folgenden Theorien und Erklärungen, die sich über astronomische und physischen, gesellschaftliche und philosophische Sphären erstrecken. Letztendlich schickt sich der Avatar an, uralte philosophische Fragen zu diskutieren, wobei er immer wieder darauf verweist, sich auf die einfachsten möglichen Erklärungen zu berufen.
So wird im Buch das Leben und unsere Existenz als ein Prozess des Wieder-Zusammen-Setzens von Gott interpretiert, weil scheinbar nur auf diese Weise eine erklärbare Motivation für unsere Existenz vorhanden wäre.

Der Untertitel “Ein Gedankenexperiment” ist hier nicht nur inhaltlich zu sehen: Das gesamte Buch fordert den Leser dazu auf, zunächst andere Erklärungen und Denkansätze zu akzeptieren und die eigenen Überzeugungen kritisch zu prüfen. Letztendlich sollen aber keine Antworten gegeben sondern neue Fragen aufgeworfen werden. Die ‘einfachen’ Erklärungen sind interessante Möglichkeiten, aber nicht unbedingt viel mehr.

Scott Adams, MBA 1986, creator of the comic st...

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Mich persönlich haben einige Gedanken durchaus fasziniert, teilweise stößt man mit ein bißchen Überlegung auch schnell an Grenzen. Gibt es eine natürliche Tendenz zu einfachen Erklärungen? Und hat das überhaupt Konsequenzen für das Individuum? Adams behauptet außerdem, er habe beim Schreiben des Buches eine Hypnosetechnik eingebaut, die dem Leser ein positives Gefühl des Erkenntnisgewinnes geben soll. Eine gewisse erleuchtende Wirkung kann man durchaus verspüren, ob das Aha-Erlebnis durch die Hypnose ausgelöst wird, kann natürlich kaum belegt werden.

Wer gerne geistige Luftschlösser baut oder einreißt, sollte hier unbedingt mal seine Nase reinstecken, das Werk liegt aussließlich im Englischen vor, dafür ist das eBuch sogar gratis herunterladbar. Nichtsdestotrotz kann man es auch käuflich erwerben. Ich persönlich habe es mir vorlesen lassen, ein Hörbuch ist bei Audible über den iTunes Store für knappe 4 € zu erstehen. Es gibt auch eine Fortsetzung mit dem Titel “The Reglion War”, dies sei jedoch nur der Vollständigkeit wegen erwähnt, ich habe es nicht gelesen. Bis jetzt.

Liebe Grüße!

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Lese gerade "Understanding Comics" von Scott McCloud

by on Dez.14, 2009, under Bücher, Computer, life, Meinungen, thoughts

Ich glaube ja, dass man im Leben niemals ernsthaft etwas abschließt sondern es lediglich für eine Zeit x links liegen läßt. So führe ich diverse Listen von angefangenen Gedanken und Vorhaben, die ich dann meist schnell vergesse bis sie mich irgendwie wieder einholen. “Understanding Comics” ist so ein Fall. Das Buch bzw. der Titel sind mir schon mindestens zwei Mal über den Weg gelaufen, beide Male als Buchtipps eines Dozenten bzw. eines Referenten aus der Computerspielebranche. Ich habe mir immer Notizen gemacht mit der Absicht das Buch zu lesen. Jetzt endlich hab’ ich das tatsächlich auch geschafft. *g*

Understanding Comics. The Invible Art” oder zu deutsch “Comics richtig lesen. Die unsichtbare Kunst” ist ein Comic über Comics von Scott McCloud. McCloud ist Comic-Zeichner und versucht in diesem Buch dem Comic als -scheinbar- noch recht jungem neuen Medium auf die Spur zu kommen. Das ist schon deswegen spannend, weil neben den großen visuellen Technikmedien wie Film, dem Web oder Internet die breite Palette der “Sequentiellen Kunst”, wie McCloud es neutraler benennt, gerne übersehen wird. Beginnend mit der historischen Entwicklung arbeitet sich das Buch, welches schon 1993 erschienen ist, durch alle wichtigen Fragen die Comics aufwerfen: Was bewirken Panels, wie stellt man Zeitverläufe und Bewegung dar oder wie wirken sich verschiedene Darstellungen auf die Interpretation des Lesers aus? Der Autor selbst führt dabei (als Comicfigur) durch seine Gedanken und bedient sich allerhand Beispiele verschiedener Künstler. Dabei soll das Buch keine Sammlung von unumstößlichen Wahrheiten darstellen, es versucht vielmehr eine überfällige Diskussion um ein recht unterschätztes Medium anzustoßen und war darin auch durchaus erfolgreich. Es folgten noch zwei weitere Bücher: Reinventing Comics (2000) und Making Comics (2006). Die muss ich dann wohl auch noch lesen (Notiz an mich…)

Besonders interessant ist das Buch insbesondere auch für Nicht-Comic-Geeks wegen seiner interessanten Ausführungen was das Konzept von Zeichen und Ikonografie beziehungsweise ihre Funktionen zum Transport von Bedeutung betrifft. Denn in Comics kann nur über die visuelle Darstellung und über Sprache – auch nur eine Sammlung abstrakter visueller Repräsentationen für Laute – kommuniziert werden. McCloud zieht dabei eine Ebene (“The picture plane”) zwischen

1. dem Ab-Bild, das eine Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit herstellt

2. der Bedeutung, welche durch ein Symbol repräsentiert wird, das keine Ähnlichkeit mit dem eigentlich Gegenstand hat (z.B. das Bild eines Gesichts und das Wort ‘Gesicht’) und

3. Der abstrakten Darstellung, die weder Ähnlichkeit noch Bedeutung haben muss.

Hier geht es also um essentielle Fragen der visuellen Kommunikation. So visualisiert McCloud beispielsweise die These, dass Bild und Text in einer Balance stehen und sich in verschiedenen Weisen aufeinander beziehen können um daraus spezifische Wirkungen abzuleiten. Wenn man bedenkt, dass wir uns in einer dominant visuellen Kultur bewegen und dazu die Gedanken des Buches aufnimmt, fragt man sich, warum unsere gesellschaftliche Idee von (Aus-)Bildung – ja liebe Insider, nicht im Sinne der StruMebi – so textlastig ausfällt.
Wie gesagt, man kann bestimmte Schlußfolgerungen kritisch betrachten, viele der Grundannahmen sind aber verstehenswert und können auch für andere Themenbereiche – beispielsweise die visuell-unterstützte Präsentation – wertvolle Anregungen geben. In diesem Zusammenhang werde ich dann bestimmt einige Ausführungen nochmals zu Tage fördern.

Scott McCloud hat auch einen faszinierenden Vortrag bei TED gehalten, der im folgenden zur Ansicht bereit steht, für alle, die das Thema gerne vertiefen möchten. (Und wehe ihr möchtet nicht!) Achja, und dann gibt’s natürlich überall im Text noch die Links zu den Büchern bei Amazon, bei denen ich immer ein Kleinigkeit mitverdiene, wenn ihr was bestellt. *g* Danke.

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Reading "The Element" or why I am not good at drawing (anymore)…

by on Sep.26, 2009, under Bücher, life, Meinungen, thoughts

MSC_1175
Image by USV via Flickr

I’m reading a book  at the moment called “The Element” by Sir Ken Robinson. The subtitle says “How finding your passion changes everything”. I have blogged about Sir Ken Robinson before because of his marvelous talk at the TED conference. Many points he made there are in this book that he kind of announces during the talk.
He has a simple yet powerful message: Everybody is born creative but many of us are educated out of our native creativity. He claims that school systems are predetermined on a certain type of intelligence thereby ignoring other forms and sorting out people who rely on them. According to him three features seem to be similar across school system around the world:

“First, there is the preoccupation with certain sorts of academic ability, I know that academic ability is very important. But school system tend to be preoccupied with certain sorts of critical analysis and reasoning, particularly with words and numbers. Important as those skills are, there is much more to human intelligence than that. [..] The second feature is the hierarchy of subjects. At the top of the hierarchy are mathematics, science, and language skills. In the middle are the humanities. At the bottom are the arts. In the arts, there is another hierarchy: music and visual arts normally have a higher status than theater and dance. In fact, more and more schools are cutting the arts out of the curriculum altogether. A hugh high school might have only one fine arts teacher, and even elementary school children get very little time to simply paint and draw.
The third feature is the growing reliance on particular types of assessment. Children everywhere are under intense pressure to perform at higher and higher levels on a narrow range of standardized tests.”

If you think about this for a second you immediately realise it is true. For example I went to a catholic school that focuses especially on languages and arts (and religion, which is not that important in this context). However, while we always had math, physics, chemistry up to three times a week each, languages, history and geography took place -  as far as I can remember – two times weekly at maximum while we had music and art (and sports) once a week. And in the final ‘Abitur‘ you could only have sciences and languages as primary written exams, humanities and arts were just allowed as secondary or oral exams. Dance and theater were not taught as subjects (although they had brilliant teachers ready to do it) and were rather offered as after-school activities. Same goes for sports. Also, there were much more and more intense formal exams in sciences and languages than in the other subjects. And by the end of school I guess I (and most of the other students) had learned at least unconsciously that those things were simply valued more by society. But already – after being out of school for only 7 years – I realise that this is plain wrong. My advanced level courses were math and chemistry in which I scored 8 out of 15 points in the final exams – obviously a bad choice on my part – , both of which I don’t need today studying media literacy. My basic level courses English (15 points) and Ethics (11 points) were much more relevant, yet the knowledge in computers and media that I rely on today was not formally taught at school, I did it mostly on my own. I was at a pretty good school though and we were offered a great variety of after-school courses by highly motivated teachers, but I know for a fact that this was not common on public schools back then and it probably isn’t today.

Now in the book Ken Robinson collected stories from several people like Gillian Lynne or Matt Groening explaining how they found their “element” or their talent/passion and how it changed their lifes. He also stresses the point that those talents could have been overlooked easily due to the nature of the educational systems and uniform approach to learning. I remember I used to draw a lot when I was small, maybe five or six years old. I wasn’t particularly fond of going outside and so I spend my time drawing, I had a lot of fantasy and made up stuff. When I got into primary school and we started getting drawing lessons I probably noticed for the first time that my drawing was not so good because I started to get bad grades (not really that bad but bad compared what I usually expected). But even more I realised I couldn’t do what we were supposed to do. We were told to draw certain things and I didn’t understand how to do it properly. And I could no longer choose what to draw. Everybody else seemed to get it. I didn’t. And over time I lost interest and joy in drawing which only slightly started to come back two or three years before school was over when I already had found other things I was interested in and was good at doing. Today I’m quite sure drawing is not a particular talent of mine, but then again who knows? Maybe I would have needed another approach to learning to draw.  Maybe I was just not interested in the kind of drawing we practised during the lessons. I will never be able to restore the state of mind I was in when I was a child and drew all day long. Robinson now claims that this is no error in the system but rather that the system is designed to work just that way. It’s the believe that the world consists of essential and non-essential knowledge and that we just need to feed children the essential stuff – and doing that in an uniform way – to prepare them for the future – a future we can’t possibly imagine – and the believe that there is only one relevant form of intelligence. These believes are profoundly wrong. And we start to see the symptoms.

I share this view and although I believe many good teachers know this and try to improve the educational experience  the system they rely on does not give them the freedom and ressources to properly fullfil their profession. It’s a sad fact – facing the national election here in Germany tomorrow – that none of the parties so far have actually made education a core subject in their programmes or have expressed clear ideas on what education should be like apart from the will “to improve” the situation and to raise availability and quality of education. Whatever that means. (Please feel free to prove me wrong  here!!)

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Cory Doctorow – Science-Fiction mit Zukunft

by on Sep.14, 2008, under Bücher, Meinungen

Cory Doctorow, a Canadian blogger/author, at a...Image via Wikipedia

Man kann mir zweifellos vorwerfen, dass ich nicht unbedingt immer auf dem Laufenden bin, selbst bei Themen, die mich für gewöhnlich interessieren. Science-Fiction beispielsweise fasziniert mich eigentlich unheimlich, aber es passiert immer wieder, dass mir da aktuelle Trends entgehen. Zum Beispiels Cory Doctorow.

Doctorow (englisch ausgesprochen, also doktorou) ist nicht nur ein sehr populärer zeitgenössischer Autor von Science-Fiction Literatur. Er ist auch ein Aktivist für Informationsfreiheit, Öffnung des Copyrights und gegen DRM, außerdem ist er einer der bekanntesten Blogger. Derzeit habe ich seinen Roman “Backup” (Originaltitel: Down and Out in the Magic Kingdom) beim Wickel, der aus dem Jahre 2003 stammt und mir von daher schon hätte schon länger bekannt sein können. Zumal Doctorow alle seine Romane mit einer Creative Commons Lizenz (Attribution-ShareAlike-Noncommercial) veröffentlicht, sie stehen auch als Download auf seiner Website zur Verfügung (gleiches gilt für viele der Übersetzungen).

habe ich innerhalb von ein paar Tagen im Urlaub gelesen, das ist mir schon seit Langem nicht mehr passiert, aber das Szenario ist einfach so abgefahren und die Charaktere so passig, dass ich gar nicht aufhören konnte, und das obwohl die Sprache möglicherweise etwas unter der Übersetzung leidet. Es spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der kein Mangel herrscht und sich die Bitchun-Society in der Welt ausgebreitet hat. Die Menschen – die natürlich vollständig mit dem Netz verschmolzen sind – speichern regelmäßig ihre Gedächtnisse und lassen sich im Todesfall in geklonter Form mit den Backups wiederherstellen. Wer keinen Bock hat, läßt sich für ein paar Jahrhunderte einfrieren, sterben muß man nicht – es sei denn man will. Außerdem gibt es keine mangelbasierte Wirtschaft und kein Geld mehr, jeder Mensch hat einen “Woppel” (im Original: Whuffie,) eine sich ständig anpassende Wertschätzung durch andere Menschen, das kennen wir ansatzweise aus dem Web 2.0. Die Geschichte spielt fast ausschließlich in Walt Disney World. Mehr will ich von der Geschichte nicht verraten, sie ist unbedingt lesenswert und spannend!!

Doctorow schreibt außerdem beim Blog BoingBoing mit, kann also durchaus als eine lebende Legende in Bloggerkreisen bezeichnet werden. Ferner schreibt er Essays und interessant Fachlektüre eben auch zum Bloggen, über Science-Fiction, DRM usw. , gerade ist eine Sammlung unter dem Titel “Content: Selected Essays on Technology, Creativity, Copyright, and the Future of the Future” erschienen, die ebenfalls ziemlich interessant ist.

In Deutschland scheint Doctorow noch nicht besonders aufgefallen zu sein, das zweite mir bekannte Werk auf deutsch ist “Upload”, welches auch im Heyne Verlag erschienen und folglich hier auch als Download verfügbar. Trotzdem würde ich den Kauf nahelegen, wenn ihr es euch leisten könnt und auf Science-Fiction steht. Die doch etwas einfallslosen Ein-Wort-Titel, die sich scheinbar nicht am Original orientieren kann man mal entschuldigen.

Zugegebenermaßen bin ich jetzt auch wirklich wieder motiviert auch selbst was zu schreiben, hoffentlich findet sich die Zeit dafür.

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