Meinungen
Meinungsmontag: Ein eiserner Himmel und der erste Rächer
by yodahome on Apr.23, 2012, under Filme, Meinungen
Wie der Titel vermuten lässt, handelt dieser Beitrag vom Film Iron Sky, den ich letzte Woche im Kino sah und andererseits von Captain America: The first Avenger, während dessen letzten Minuten ich diesen Text zu schreiben beginne. Der Bogen mag zunächst nicht nahe liegen, trotzdem versuche ich mal mein Glück. Bei beiden Filmen werde ich wahrscheinlich spannende Details verraten, wer also die Filme noch unbeleckt sehen will, verlasse jetzt diesen Artikel. Und los…
Iron Sky ist in vielerlei Hinsicht ein beeindruckendes Projekt. Zum einen versucht es die Elemente Satire, Parodie, Science-Fiction und Nazis miteinander zu verbinden. Inwiefern das gelungen ist, thematisiere ich gleich. Dann ist es eine europäische Independent-Koproduktion, die aber versucht zumindest optisch mit den großen Blockbustern mitzuhalten. Teilweise wurde der Film durch Crowdfunding finanziert, im Gegenzug hatte die Community von Anfang an auch bei der Story ein Mitspracherecht. Und natürlich ist die Prämisse überaus originell:

Actors Julia Dietze, Christopher Kirby, Stephanie Paul, director Timo Vuorensola, actors Goetz Otto and Peta Sergeant attend the 'Iron Sky' Photocall. (Image credit: Getty Images via @daylife)
Bei einer erneuten Mondmission der Amerikaner, treffen diese unerwartet auf Bewohner des Erdtrabanten. Denn kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges haben sich Nazis auf der dunklen Seite niedergelassen und bereiten dort seit über 60 Jahren die Rückkehr zur Erde vor. Unter dem Vertretungsführer Kortzfleisch (gespielt von Udo Kier) soll die Superwaffe “Götterdämmerung”, eine Art Automaten-Todesstern, dafür startklar gemacht werden. Mit der Rechenpower eines Smartphones der Amerikaner scheint dieser Plan endlich möglich. Doch leider ist der Akku alle. Also macht Klaus Adler, der gerne Führer anstelle des Führers wäre, auf zur Erde um noch ein Telefon zu holen und dann die Erde zu erobern. Unfreiwillig begleitet wird er dabei von Lehrerin Renate Richter, die wohl das ist, was einer Protagonistin am nächsten kommt. Sie hat – auch anhand von Filmen, wie einer auf 10 Minuten geschnittenen Fassung von Chaplins Diktator – die Erde studiert und ist von der Rechtschaffenheit der nationalsozialistischen Ideologie vollends überzeugt. Weitere illustre Elemente des Films sind eine von Sarah Palin inspirierte Präsidentin, die sich erst von den Nazis beim Wahlkampf helfen läßt und dann eine Koalition im Kampf gegen sie anführt sowie diverse Regierungschefs, die trotz internationaler Verträge mit eigenen Raumschiffen in den Kampf eingreifen sowie ein beachtliche Menge computergeneriertes Spektakel. Letzteres übertüncht eine reichlich flache Narration, die sich im Grunde relativ geradlinig zwischen verschiedenen ebenso flachen Gags entlang schlängelt. Das Ganze endet erwartungsgemäß nicht nur mit dem Ende der Nazis, sondern auch dem der restlichen Menschheit, als sich die ‘Siegermächte’ wegen des Helium-3, das die Nazis auf dem Mond gesammelt haben, in die Haare kriegen und den Atomkrieg auf der Erde auslösen.
Zwei Höhepunkte sind die Parodie von Hitlers Zusammenbruchs im Führerbunker in “Der Untergang” durch die amerikanische Wahlkampfmanagerin (den Gag hat im Kino scheinbar sonst kaum einer verstanden, weil das Meme offenbar nur im Netz präsent war) sowie ein albinisierte Afroamerikaner, der uns den Dr. Seltsam im Rollstuhl macht und seinen Arm nicht kontrollieren kann. Allerdings gibt es weder genug dieser Momente noch sind sie sehr pointiert umgesetzt, als dass sie die Qualität des Films merklich steigern können oder ihm gar die Aura anderer Parodieklassiker – man erinnere sich nur an die Zucker-Abrahams-Zucker Filme – verleiht. Als Kurzfilm mit höherer Gag-Dichte wäre das im Netz vielleicht ein Achtungserfolg. Als Spielfilm, das merkt man spätestens, wenn nach ca. einem Drittel des Werks die vorhersehbaren Plotpoints abgelaufen werden, trägt die Idee aber eher nicht. Charakterentwicklung nimmt der Film pragmatisch und minimalistisch vor, so sieht Renate Richter den ungeschnittenen Diktator im Kino (der Film inszeniert das mit einer Blende) und schwört von einer auf die andere Sekunde den Nazis ab. Boah.
Insbesondere merkt man dem Film auch das Stückwerk an, das wohl entstehen muss, wenn viele Leute ihre Ideen auf ein Plotgerüst schieben. Da ist es schwer einen homogenen Humor oder auch nur Ton zu finden. Wikipedia sagt “Der Film will allerdings keine seriöse Politik-Satire sein [..]” und da ist auch das Problem, denn es stünde ihm gut zu Gesicht, wenn er sich konkrete Ziele gesetzt und diese verfolgt hätte. So ist von allem ein wenig drin, bissl Charakterentwicklung, bißchen lustig, bißchen Liebe, bissl Action, wenn auch übertrieben hoch zehn. Die Filmzitate sind ebenso ziellos, aus allen Genres werden da zum Teil nur visuelle Elemente, zum Teil konkrete Szenen entlehnt, aber das macht halt noch keine Parodie, die der Film ja dann auch nicht richtig sein will. Was bleibt ist eine interessante Steampunk-Optik, ein paar gute Gags und eine Prämisse, der man nach Ende des Films mehr zugetraut hätte. Schade.
Nun fällt der Schritt zum Marvel-Comic vielleicht nicht leicht, aber wo Iron Sky durch übertriebene Nazi-Klischees strotzt, setzen die Amis eher auf Zurückhaltung und das erstaunt vielleicht erstmal. Denn obwohl es um den zweiten Weltkrieg geht, werden die Nazis hier sinnbildlich auf zwei Figuren reduziert, wie es sich für den klassischen Hollywoodfilm gehört. Aber erstmal zur Story…

Hugo Weaving as The Red Skull in the 2011 film, Captain America: The First Avenger. (Photo credit: Wikipedia)
Steve Rogers (Chris – aka die Fackel – Evans) ist ein ziemlicher Hämpfling und wird als solcher nicht in die US Army gelassen, obwohl er sich nach Kräften sehnt, ein paar Nazis die Stahlhelme wegzuballern. Wir befinden uns folglich im Jahr 1943 und mitten im zweiten Weltkrieg mit amerikanischer Beteiligung. Der Forscher Abraham Erskine jedoch sieht das Ehrenwerte in Rogers und holt ihn in die Armee, aber nur, um an ihm ein Experiment zu testen, das Supersoldaten hervorbringen soll. Tatsächlich wird Rogers magere Statur durch ein Serum und Technik aus dem Hause Stark mächtig aufgepumpt, kurz darauf tötet ein Spion aber den Forscher und stiehlt das Serum, welches die Verwandlung bewirkt hat. Rogers verfolgt und stellt ihn, aber das Serum geht verloren. Tatsächlich sind nicht wirklich die Nazis die Gegner sondern ein anderer verrückter Forscher mit Namen Johann Schmidt (Hugo Weaving) und seine Forschungsabteilung namens Hydra. Der ist selber Opfer eines Experiments von Erskine und dadurch entstellt worden. Zunächst für Hitler forschend sagt er sich von ihm los, um die Welt auf eigene Faust zu erorbern.
Während Rogers zunächst nur als Unterhaltungskünstler unter dem Titel Captain America für Kriegsunterstützung wirbt und die Truppen unterhält, bekommt er bald die Möglichkeit sich zu beweisen und befreit in Italien 400 Gefangene. In der Folge reisen er und sein Team um die Welt um Schmidts (aka Red Skull) Waffenproduktionsstätten zu zerstören. Letztendlich muss Captain America in einer finalen Auseinandersetzung Red Skull davon abhalten, mit einem Riesenbomber bemannte Bomben über den USA abzuwerfen. Das gelingt ihm zwar, doch er muss das Flugzeug am nördlichen Polarkreis abstürzen lassen und kann auch durch ein Suchaktion nicht gefunden werden. Sieben Jahrzehnte später aber findet man ihn im ewigen Eis, wo er – natürlich – überlebt hat. Damit endet der Film, eigentlich ist es aber der Auftakt zum Sommerblockbuster “The Avengers”, den wir bald im Kino haben werden. Cross-Promotion at its best.
Während Iron Sky sich visuell damit beschäftigt, eine stereotype Darstellung von Technik – Steampunk wie gesagt – aus der ersten Hilfe des 20. Jahrhunderts überzeichnet in die Gegenwart zu transferieren, zeigt Captain America uns schon in den 1940ern moderne Technologie, die so erst sehr viel später möglich scheint. Beide erheben keinen Anspruch auf Authentizität, das eine ist ein Parodie-SF-Satire-Verwurstung und das andere ein Comic und außerdem ein Hollywodfilm. Trotzdem habe ich bei beiden Filmen das Gefühl, dass sie ihre Sorglosigkeit im Umgang mit Technologie im historischen Kontext, der in beiden Fällen ja nur als Leinwand dient, ein wenig teuer bezahlen, weil sie zu nah an der Linie operieren, wo man noch erwartet, dass es möglich sein könnte oder müßte. Mir scheint die Glaubwürdigkeit der Charakterentwicklung und des Szenarios leiden darunter. Den zentralen Konflikt trägt in guten Superheldenfilmen der Held zunächst mit sich selbst aus. Spiderman, Batman, Superman (invers, weil der sich nicht als Held verkleidet, sondern als Mensch) zeigen, das die Filme darum erfolgreich sind. Captain America ist in diesem Sinn wenig superheldenhaft, für ihn ist es die Erfüllung seines eigenen Wunsches und überhaupt entsteht er quasi erst als Reaktion auf das Böse. Ein innerer Konflikt deutet sich erst am Ende des Films an, wenn er sich in der falschen Zeit befindet. Im restlichen Film zuvor gibt es zwar Rückschläge, aber nichts was den Charakter ernsthaft aus der Bahn wirft. Und so bleibt der Mann im bunten Kostüm doch farblos, während das Gadget-Feuerwerk, dass selbst für die Gegenwart zu futuristisch wäre, abgebrannt wird.
Und in Iron Sky funktioniert die Überzeichnung der Nazis nicht wirklich, weil alles und jeder andere ebenso überzeichnet ist. Da verkommen die Nazis, die ja irgendwie der Angelpunkt des Films sein müssten, zu einer farblosen gegnerischen Fraktion, wie das Imperium in Krieg der Sterne – nur ohne Vader. Man nimmt sie nicht weniger nicht ernst als jede andere Figur im Film, die alle nicht so wirklich fertig wirken. Dass die Nazis nicht so aus dem Rahmen fallen ist vielleicht auch Ausdruck des unpolitischen Anspruchs führt aber schlicht zu einer schwachen Dramaturgie. Das Abbilden auf Charaktere nach dem Hollywoodvorbild klappt so nicht. Ein Film, der sich selbst nicht ernst nehmen will ist aber noch lange kein lustiger Film. Genausowenig, wie ein Superheldenfilm, der sich eigentlich nur als Exposition für den nächsten Sommerblockbuster versteht.
Ein Piratenmeinungmittwoch: Urheberrecht
by yodahome on Apr.12, 2012, under Allgemein / Generic, Meinungen, Politik
UPDATE: Der Beitrag war eigentlich für Mittwoch geplant, daher der Titel. Mea Culpa.
Immer wieder wird an der Piratenpartei, der ich in eher passiver Rolle seit einiger Zeit angehöre, kritisiert, dass sie das Urheberrecht abschaffen und die Kreativen dieser Welt enteignen wolle. Das haben unlängst einige Drehbuchautoren kritisiert und nun auch eine erlesene Gruppe von 100 ‘Kreativen’, die das Handelsblatt zusammengetrommelt hat (hier im Original). Die Piraten haben immer wieder betont, dass sie die Urheber stärken und nicht schwächen wollen, dass hier nicht Diebstahl legitimiert, sondern kulturelle Praxis nicht länger kriminalisiert werden soll. Ich persönlich unterstütze das und füge gern hinzu, dass ja in der Sache das Urheberrecht gar nicht im Zentrum der Kritik der Piraten steht, sondern die damit verbundenen Verwertungsrechte, die ja möglicherweise durchaus unseren derzeitigen Umgang mit Kultur definieren, aber ja wohl nicht die Existenz von Kultur universell verursacht haben können und folglich zur Disposition stehen dürfen. Da haben sich Strukturen gebildet, die zum Teil mit Marktwirtschaft nichts zu tun haben. Sie zu verändern heißt den Umgang mit Kultur zu verändern. Das an sich kann ja nicht schlimm sein. Auch wenn es da möglicherweise einigen an die Geldbörse geht.
Das immer von Urheberrecht gesprochen wird, wenn man Leistungsschutz- oder Verwertungsrechte meint, scheint mir einer unpräzisen Wortwahl auf beiden Seiten geschuldet zu sein. Ich bin kein Jurist, aber in meinem Kurs zum Medienrecht im Rahmen meines Studiums haben wir das sehr deutlich getrennt. Das kann also nicht so schwer sein. Im Grundsatzprogramm der Piraten (nur zwei Absätze nach dem Satz, der für die 100 Köpfe offenbar so anstößig wirkt) geschieht die Trennung sehr deutlich:
“Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an. Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht.”
Euer Recht, liebe Urheber, mit eurem Werk zu tun, was ihr wollt, ist also grundsätzlich nicht gefährdet. Niemand wird enteignet! Niemand will ernsthaft alle Kunst und Kultur für umsonst. Aber wenn, wie das Handelsblatt schreibt, in Deutschland “[..] stets aufs Neue eine Kreativwirtschaft” entsteht [..], die das Land mit Ideen und so mit zusätzlichem Wohlstand versorgt”, dann muss man doch über die Bedingungen dafür reden dürfen. So wie wir mittlerweile neu über Atomkraftwerke oder Benzinpreise diskutieren. Und auch wenn man darin übereinstimmt, dass in der realen Marktwirtschaft für jede Nachfrage ein kostenpflichtiges Angebot entsteht (was man schon mal bestreiten kann), dann darf man doch über die Höhe der Preise und wem sie zugute kommen diskutieren. Alles klar?
Aber auf dieser Ebene wird eben von den Gegnern nicht diskutiert. Konkret klingen die Vorwürfe gegen die Piraten entsprechend teils wild bis fast schon komisch. Ein Herr Tiedje (Ehemaliger von der Bild) argumentiert: “Wer im Internet klaut, der stiehlt! So einfach ist das. Die Piraten könnten ihr bisher ziemlich nutzloses Dasein sinnvoll entwickeln, wenn sie ihren Anhängern einen belastbaren Eigentumsbegriff vermitteln würden. Andernfalls werden sie sehr schnell einen neuen Namen bekommen: Partei der Diebe.”
Bestechende Logik im ersten Satz, geschenkt. Das Argument dagegen lautet wohl, das keinem Urheber sein Recht am Werk gestohlen werden kann, wenn eine MP3 digital vervielfältigt wird. Er verliert – wenn überhaupt – vielleicht potentielles Einkommen. Vielleicht aber auch nicht.
Und belastbar ist der Begriff des geistigen Eigentums ja wohl schon per Definition nicht, denn: Die Gedanken sind frei. (Wer kann sie erraten? Richtig, keiner.) Externalisiert man sie allerdings, wird ein Werk daraus, das zu schützen ist. Die Freiheit des Gedankens oder der Idee bleibt jedoch weiterhin erhalten. Warum der Begriff des “geistigen Eigentums” (von intellectual property) einfach unzutreffend ist, kann man sich mittlerweile in Text und Bild erklären lassen. Kurz gesagt: Der implizite Vergleich mit Besitzverhältnissen physischer Güter hinkt in jeder Hinsicht.
Wenn beispielsweise Dr. Helmut Thoma feststellt, dass es “bislang noch keinen sicheren Weg gibt, den Diebstahl geistigen Eigentums zu verhindern” dann fragt man sich, was er denn damit meint. Das Urheberrecht tut ja genau das, für konkrete Werke, automatisch und ohne Aktion des Urhebers. Für Ideen, Gedanken und andere Luftschlösser, die man da offenbar neu als Gut definieren will, gilt das nicht und das ist gut so.
Das Urheberrecht gilt für Werke (“persönliche geistige Schöpfungen” oder auch “Schöpfungen mit geistigem Gehalt”) und die müssen eine wahrnehmbare Form haben. Sie sind somit explizit nicht vollends immateriell oder mit Ideen/Gedanken gleichzusetzen. Sie sind aber ebenso nicht vergleichbar mit physischen Gütern, darum stellen sie eine eigene Kategorie dar. Natürlich braucht der Urheber das Recht, zu entscheiden, wer für ihn unter welchen Bedingungen sein Werk veröffentlicht. Dieses Recht war aber immer eingeschränkt z.B. durch das Recht auf Privatkopie, durch das Zitatrecht und andere Rechte. Und es ist zeitlich begrenzt, irgendwann wird jedes Werk Gemeingut. Mit Recht.
Frau Leutheuser-Schnarrenberger meint:”Die Piraten blenden die wirtschaftlichen Wirkungsmechanismen in der digitalen Welt aus. Sie verstehen das Internet der frühen Neunziger als Blaupause für das Urheberrecht im 21. Jahrhundert. Das Netz ist kein eigener Raum, der nach seiner eigenen Logik tickt.“
Lustig, genau die gegenteilige Behauptung kann man ja auch oft lesen. Das Netz als rechtsfreier Raum und so. Als Forscher kann ich sagen, dass das Netz in der Tat ein anderer Raum ist, insbesondere verglichen mit realweltlichen Räumen, aber nicht unabhängig davon. Und genauso heterogen, was das Argument schon zum Teil entkräftet. Und lustig die Zweite, gerade die Piraten blenden die wirtschaftlichen Mechanismen mitnichten aus, wir erkennen sogar die neuen Chancen und Potentiale. Damit hat ja insbesondere die Medienwirtschaft häufig Probleme. Haben die damit mehr Recht den gesellschaftlichen Konsens zu bestimmen?
So wie das werbefinanzierte Fernsehen sich schnell als Alternative zu öffentlich-rechtlichen Anbietern etabliert hat, gibt es durch das Netz viele neue Möglichkeiten und Modelle, mit Werken Geld zu verdienen und sie zu verbreiten. Nur, dass die Medienindustrie (im Gegensatz zu vielen Urhebern) diese Möglichkeiten diesmal weit weniger enthusiastisch aufgegriffen hat. Wer also hält sich hier nicht an die Spielregeln des Marktes?
Das könnte ich munter weiter fortsetzen. Darum nochmal zum mitschreiben: Die Piraten wollen das Urheberrecht nicht abschaffen, niemand wird enteignet. Eigentlich geht es um Verwertungs- und Leistungsschutzrechte. Da sehen wir Verhandlungsbedarf für ein neues Jahrtausend. Der Wissenschaftler in mir findet beispielsweise, dass öffentlich finanzierte Arbeit auch offen, frei und kostenlos (Stichwort: Open Access) zur Verfügung stehen sollte. Nicht nur für andere Wissenschaftler, sondern für alle, die mit ihren Steuern dafür gezahlt haben. Und Daten, die durch öffentliche Institutionen erhoben werden, gehören der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das ist einerseits transparent und bietet andererseits Freiraum für das Entstehen neuer kreativer Ideen. Die müssen nicht unbedingt aus der Riege sogenannter Professioneller kommen. Wir glauben, dass der Amateur manchmal mindestens genauso kreativ sein kann. Überhaupt kann, entgegen der Definition der Industrie, jeder kreativ sein in dem was er tut.
Außerdem müssen wir darüber reden dürfen, ob es in Ordnung ist, wenn Erben viele Jahre nach dem Tod eines Urhebers noch für dessen Werke bezahlt werden wollen und verhindern, dass sie Allgemeingut werden, nachdem sie bereits (ggf. mehrfach) monetarisiert worden sind. Und das Privatleute für Remixe auf Youtube und anderen Plattformen oder wegen des nichtkommerziellen Tauschens von digitalen Daten mit urheberrechtlichem Hintergrund unverhältnismäßig kriminalisiert werden. Wie Dieter Bohlen in diesem Clip schon vor fünf Jahren so richtig bemerkt, gab es das immer und nur wegen der Vermassung eines Phänomens, das mangels legaler Alternativen ja zusätzlich angeheizt wurde, wird es nicht plötzlich illegaler. Hier sehen wir wirklich Bedarf für Veränderung, denn das Netz ist nicht nur einfach ein Raum mit zum Teil anderer Logik, er ermöglicht die Reflexion über die gängige Logik in unser aller Realität. Hier können wir Neues ausprobieren. Wir (die Piraten) glauben nicht ganz unbegründet, dass in dieser veränderten Realität mit digitalen Medien auch einige Regeln angepasst werden müssen. Und würden davon gerne auch den Souverän überzeugen.
Die Diskussion, so wie sie z.B. im Handelsblatt geführt wird, geht an den eigentlichen Absichten der Piraten vorbei. Es ist Schwarzmalerei für eine fiktive Zukunft, die keiner beabsichtigt, und man will wohl davon ablenken, dass es durchaus idealistische Vorstellungen für eine bessere Zukunft mit digitalen Medien gibt. Was der Artikel aber zeigt, ist die unheimliche geistige Begrenztheit einiger Menschen. Den wenigen Urhebern selbst kann man da vielleicht nicht mal einen Vorwurf machen, wer weiß aus welchem Kontext die Satzfetzen tatsächlich stammen, mit denen sie da im HB zitiert werden. Und die vielen Industrievertreter wollen nur ihre Schäfchen im Trockenen halten. Da werden teils sehr kreative Dystopien entworfen von einer möglichen Zukunft ohne Urheberrecht. Auf dieser Ebene braucht man gar nicht diskutieren, ich könnte für jede von ihnen eine gleichwertige Utopie erfinden. Aber das führt ja zu nichts.
Brot und Hungerspiele
by yodahome on Apr.07, 2012, under Filme, Meinungen
Wenn man ins Kino geht, will man sich manchmal einfach überraschen lassen. Wenn man sich dann spontan für einen Film entscheidet (in einer Gruppe muss man ja erstmal einen Kompromiss finden *g*) und er ist gut, dann ist die Freude umso größer. Im anderen Fall wird’s womöglich immer noch ein netter Blogeintrag. Vor diesem Hintergrund möchte ich heute gern über den Film “Die Tribute von Panem – The Hunger Games” berichten. Ich sollte darauf hinweisen, dass ich den Film – wie gesagt – spontan und völlig unvorbelastet gesehen habe, ich kenne weder das Buch (wusste aber wohl, dass es welche gibt und offenbar stehen die bei Teenies auch hoch im Kurs), noch hatte ich mich vorher über den Film schlau gemacht. Achtung, hier wird wie immer gespoilert. Vor allem, dass es eigentlich nichts zu spoilern gibt.
Die Story ist erschreckend schnell erzählt, wenn man bedenkt das Regisseur Gary Ross dafür 144 Minuten braucht:
In einer wohl zukünftigen Zeitperiode (nach einem vermuteten Krieg, Weltuntergang oder so) mit stark diktatorischen Zügen, die sich als bunte Mischung aus High-Tech und Vorindustrialität darstellt, gibt es ein Land namens Panem (lat. das Brot) bestehend aus 12 Distrikten. Nach einem Aufstand hat die Regierung (oder so) beschlossen, dass jeder Distrikt je einen Jungen und ein Mädchen auswählen muss, die dann in die Hauptstadt gebracht werden um sich dort während eines mehrtägigen Medienspektakels gegenseitig zu töten, bis ein Sieger übrig bleibt. Warum? Damit die armen Leute Schiss haben und die reichen Spass und was zum Wetten. Oder so.
Dieses sehr antik anmutenden Ritual nennt sich die Hungerspiele. Warum auch immer. Im Distrikt 12 (eine Art Bergbau-Gilde) meldet sich Jägerin Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) freiwillig, um ihre Schwester, die eigentlich ausgelost wurde, zu schützen. Zusammen mit Peeta, den sie bis dahin wohl kaum kennt, der ihr aber mal Brot hingeworfen hat, reist sie zu den 74. Spielen, wird dort von Lenny Kravitz hübsch gemacht, um die Massen für sich zu gewinnen. Das bringt dann Sponsoren, die sie für die Spiele ausrüsten. Woody Harrelson spielt ihren Mentor, der erst ein betrunkenes Arschloch und dann doch ganz nett ist. In der Hauptstadt gibt es offenbar Reichtum im Überfluss, während bis dahin eigentlich nur Armut präsentiert wurde. Die Schere ist also weit auseinander, parallel zeichnet sich eine Romanze zwischen den beiden Protagonisten ab. Keine Überraschung.
Katniss mausert sich zur Favoritin, folglich sind während der Spiele, die in einer Waldarena ausgetragen werden, mehr oder weniger alle hinter ihr her, während die Zuschauer sie lieben. Weil der Präsident (Donald Sutherland) fürchtet, dass das Mädchen in der Bevölkerung zu viel Hoffnung auslöst und letztendlich durch ethisches Verhalten (sie tötet nur, wenn sie angegriffen wird) zur Märtyrerin werden könnte, ändert man kurzerhand die Regeln, damit es zwei Sieger aus einem Distrikt geben kann. So können Katniss und Peeta nach langem Leiden und Jagen, viel Blut (keine Angst, er ist ab 12) und toten Teenies letztendlich wieder zurück ihn ihr Distrikt. Und alle leben glücklich bis an ihr seliges Ende.
So weit so vorhersehbar. Ich zweifelte vom Introtext an nicht eine Sekunde lang, dass die Protagonistin zu den Spielen fahren und dort gewinnen würde. Beziehungsweise, ich dachte, das wäre die unkreativste Auflösung und hoffte auf irgendwas Unerwartetes, eine Wendung, die nicht abzusehen war. Aber die gab es schlicht nicht. Somit verkommt die erste Hälfte des Films zur Makulatur. Es gibt auch keine Erklärung, aus welchem Kontext diese Dystopie ihre Berechtigung zieht. Warum lassen sich die Menschen durch Gladiatorenspiele einschüchtern? Wie funktioniert diese Welt überhaupt? Warum Kinder? Womit beschäftigen sich die reichen Leute außerhalb der Spiele? Und, nachdem Anflüge von Auflehnung gezeigt werden, warum scheinen die Ereignisse am Ende vollkommen beliebig und überflüssig? Was will uns der Autor damit sagen? Viele Fragen bleiben bei mir offen. Dazu die verstörenden Bilder von Kindern/Jugendlichen, die auf einander gehetzt werden und sich offenbar fern jeder Ethik bereitwillig gegenseitig abschlachten. Ich würde annehmen, dass das auch noch das einzig originelle am Film ist. Upps, stimmt nicht, dass haben wir mit mehr Einfallsreichtum relativ aktuell erst in Kick-Ass gesehen. Da prügeln sogar Erwachsene auf Kinder ein.
Und so ziemlich alles andere haben wir auch schon gesehen. Der Film klaut so schamlos aus zahlreichen Filmen, dass man meinen könnten zu Guttenberg sei Produzent gewesen. Ein bisschen Zukunfts-Dystopie aus Fahrenheit 451, 1984, THX 1138 (Polizisten in weiß) und nicht zuletzt Running Man (ihr wisst schon, Arnie schießt nicht auf Zivilisten, wird verknackt, bricht aus, wird wieder eingefangen und darf in einer populären Spielshow um sein Leben kämpfen, wobei er schlussendlich erfolgreich das System kollabieren lässt). Dazu ein bissl Medienkritik á la Truman Show (die Spielfläche ist ein virtuell erweiterbarer, komplett verdrahteter Wald mit Kameras in jedem Baum) oder Ed-TV. Der Anfang erinnert sehr an diverse Geschichten des Strickmusters “häßliches Entlein” (kennt man Plötzlich Prinzessin?), der Rest ein wenig an Gladiator. Dazu ein Hauch Fantasy wie in Narnia. Und natürlich eine schmalzige Romanze, die den Biss-Filmen aber keine Konkurrenz macht. Denn festhalten kann man: Der Film ist routiniert, aber reicht mit keiner seiner Anleihen an die Vorlagen heran. Die meisten Charaktere erschienen mir so flach, dass sie mich nicht weiter kümmern mochten. Die einzige Ausnahme ist hier die Protagonistin, deren Entwicklung aber eben standardisiert ist. Insbesondere die 21 Randfiguren unter den ‘Kämpfern’ werden so lieblos (oder gar nicht) eingeführt, dass auch ihr späterer Tod kaum emotional mitnimmt. Alles irgendwie so mittel. Visuell und akustisch gibt es ebenfalls keine Ausreißer, keine Überraschungen. Plus Minus Null. Donald Sutherland als Präsident (oder so) kann auch nix reißen, erscheint nicht wie ein starker Führer sondern eher wie ein deplatzierter Gärtner. Letztendlich ist auch die Charakterentwicklung von Katniss völlig bedeutungslos. Legt man die Heldenreise von Campbell zugrunde, dann sollte der Held/die Heldin letztendlich beide Welten retten. Hier rettet keiner irgendwas, jede Action und jeder Dialog ist beliebig und ersetzbar, die Auswirkungen der Handlung hebt man sich wohl für die Fortsetzungen auf (es gibt drei Bände, soweit ich weiß). Als Happy End ist es allerdings zu vorhersehbar, für mich als Zuschauer zu wenig Satisfaktion, wo man doch mehr als zwei Stunden bei wenig Panem und viel Circenses ausgeharrt hat.
Da das Kino meinte, den Film mit einer 15-minütigen Pause unterbrechen zu müssen, hab’ ich unterdessen auf RottenRomatoes und Metacritic nach den Wertungen für die Hungerspiele geschaut. Die Tomatenkritiker geben dem Film eine Gesamtwertung von 85%, der Metascore liegt bei imho realistischeren 67 von 100. Die Zuschauer finden’s offenbar trotzdem toll. Ich kann nicht so recht verstehen, warum. Zu wenig Science und Fiction für Science-Fiction und wenn man das Buch nicht kennt, versteht man offenbar den Kontext überhaupt nicht. Mehr als ein müdes Achselzucken kann ich als Endzwanziger da nicht bieten, vielleicht wirkt’s auf Jugendliche aus irgendeinem Grund anders. Offenbar gehöre ich nicht mehr zur Zielgruppe.
Dass derselbe Film auch etwas anders wahrnehmbar ist, kann man beim befreundeten Blogger im Moosbett nachlesen, der findet auch noch ganz andere ‘Vorlagen’. Und weitere Kritikpunkte. Ich für meinen Teil kann dem Machwerk aber wenig abgewinnen und würde dem geneigten Leser einen der genannten anderen Filme empfehlen. Oder vielleicht ‘ne schöne Folge GZSZ. Oder so.
Der Wulff, das Lamm, auf der grünen Wiese…
by yodahome on Feb.18, 2012, under Meinungen, Politik
Liebe Mitbürger,
wir mussten gestern gegen Mittag zur Kenntnis nehmen, dass unser aller Bundespräsident (BunPrä) sein Amt niederlegte. Schon wieder. Ganz Deutschland (aber vor allem die Bild-Leser) hat in den letzten Wochen mitverfolgt, wie die schreibenden Medien diverse Hinweise darauf aufgedeckt haben, dass Christian Wulff sich diverse geldwerte Vorteile über vermögende Freunde verschafft haben soll. Während er selbst dies über Wochen wahlweise bestritt und/oder sich entschuldigte, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, der Antrag der Staatsanwaltschaft die Immunität des BunPrä aufzuheben.
Just in diesem Moment zeigt die ARD eine Zusammenfassung der ganzen Geschichte, zeigt einen Wulff, der im dritten Anlauf Ministerpräsident von Niedersachsen wurde und die Freunde des Vorgängers Gerhard Schröder erbte, die sich im Glamour seines Amtes sonnten. Sie sprechen über die schwere Kindheit Wulffs einerseits und seine gezielte mediale Selbstinszenierung im Politischen sowie im Privaten andererseits. Einer, der sich gerne bejunbeln läßt sch aber nicht hinterfragen oder kritisieren lassen will. Ein häufiger Kommentar am gestrigen Tag war, dass Wulff nicht seine möglicherweise rechtswidrigen Taten zu Fall gebracht haben, sondern sein schlechtes “Krisenmanagement”, sein verzögertes Veröffentlichen von Halbwahrheiten und seine inkonsequenten Entschuldigungen, die immer auch mit Beschuldigungen an andere Adressen (insbesondere die Medien) verknüpft waren.
Nach den Berichterstattungen der letzten Wochen kann Wulff vieles sein: Ein Täter, der gezielt getäuscht und sich private Vorteile verschafft hat, ein Opfer der Medien, die sich ja durchaus gerne mal an moralischen Verfehlungen hochziehen oder eben ein Opportunist, der wie viele andere Politiker, ach was, Menschen dieses Landes gern die Möglichkeit nutzte, sich selbst zu bedienen in der Hoffnung, dass es keiner merkt. Und daran im Grunde auch nichts Falsches finden kann. Was tatsächlich passiert ist weiß man nicht, wird man wohl auch kaum wissen, will man vielleicht auch gar nicht.
Der Schaden, in meinen Augen, liegt aber eindeutig darin, dass der Glaube an ein funktionierendes politisches System mal wieder von ganz oben erschüttert wurde. Schon der zweite BunPrä zieht sich vor Ablauf der vollen Amtszeit zurück, was man sowohl als Unvermögen der politischen Klasse als auch des Souveräns sehen muss, der ihn gewählt hat. Liebe Mitbürger, das sind letztendlich wir. Die Minister wechseln sowieso alle paar Monate, keiner hat augenscheinlich noch Lust, Politiker zu sein, wenn man dann für jede Verfehlung gescholten wird. Daran hat man sich ja schon fast gewöhnt. Aber wenn wir es nicht mal hinkriegen, einen Typen über 40 in Deutschland zu finden, der fünf Jahre Dauerrepräsentation skandalfrei hinter sich bringen kann (oder wenigstens so schlau ist, sich beim Bescheißen nicht erwischen zu lassen), dann scheint mir das kein gutes Zeichen zu sein. Aber vielleicht sollten wir einfach kollektiv aufhören, den Politzirkus überhaupt noch ernst zu nehmen.
Und nun zu etwas vollkommen anderem:
MM: Huch, ein E-Buch – Zeit wird’s, oder?
by yodahome on Jan.16, 2012, under Bücher, Meinungen
Was? Is’ schon 2012? Das 21. Jahrhundert? Shit!
Mir scheint, dass jeder “der Zukunft zugewandt” ist, solange sie noch weit entfernt ist. Wenn die Zukunft plötzlich zur Gegenwart zu werden droht, dann wird’s spannend.
Dieser Beitrag am Meinungsmontag dreht sich um das E-Buch. Ich bin seit Weihnachten Besitzer von Amazons Lesegerät “Kindle”. Zuvor hatten einige Verwandte inklusive meiner Eltern sich mit dieser Sorte Gerät (Kindle, iPad, Motorola Xoom) versorgt, was für mich immer ein untrügliches Zeichen ist, dass es Zeit wird, sich mit einem Trend zu beschäftigen.
Ich werd’ jetzt zwangläufig (schon wieder) auch die Medienkonzerne schelten. Die meisten verstehen es (immer noch) nicht. Mir ist klar, dass es schmerzt etablierte Strukturen schwinden zu sehen und sich mit neuen anzufreunden. Immerhin, dass ist im Grunde ein Teil der Prozesse, die wir als Bildung bezeichnen. Dass das Medium Buch (und seine Produzenten), als Inbegriff eines überholten, ja geradezu vormodernen bürgerlichen Bildungsbegriffs, Probleme hat, sich in die Zukunft transferieren zu lassen, ist insofern schon eine beachtenswerte Ironie. Aber das Buch bringt, im Gegensatz zu anderen Medienformen, auch eine lange Kultur mit sich, die sich über hunderte von Jahren entwickelt hat. Eine Kultur, die als Fundament gelten kann, für vieles, was heute unsere Gesellschaft ausmacht, für die Informationsgesellschaft, die Wissengesellschaft, die Mediengesellschaft (was immer man im Detail darunter verstehen mag).
Das E-Buch hat Probleme und zwar ganz gewaltige, weil wir alle einen Habitus im Umgang mit Büchern entwickelt haben (aka Kulturtechnik) und den gerne übernehmen würden und auch müssen, wollen wir die Kultur dabei erhalten. Das ist in der digitalen Revolution immer schwierig, aber da die Möglichkeiten im Grunde technisch nicht begrenzt sind, erwartet man natürlich von einem ‘Upgrade’ (also vom Buch zum E-Buch) nicht, dass man sich verschlechtert.
Bücher lesen
Ein normales Buch kaufe ich und lese es, wie wo wann ich will. Man muss es halt mitnehmen. Mit dem E-Buch gibt es (schon wieder) den K(r)ampf der Lesegeräte und Formate. Beispiel: Apple setzt auf .epub und Bücher, die ich im Apple Buchladen kaufe, kann ich nur auf i-Geräten lesen. Das ist ja leider typisch, allerdings hat Apple auch die beste Präsentation und das Gerät ist zwar sauteuer, kann aber dafür eben nicht nur Bücher lesen. Wer sehen will, was man in E-Büchern alles machen könnte, schaue sich einfach mal das kostenlose “Yellow Submarine”-Buch an. Schon geil, oder? Amazon nutzt in seinen Kindle-Geräten das .mobi Format, mit weiteren Funktionen als .amz getarnt.
Sofort wird klar, dass die Kulturtechnik des Lesens hier komplexer statt einfacher wird, setzt sie doch schlimmstenfalls eine beachtliche Technikkompetenz vorraus, die man vorher nicht benötigte. Besonders im Detail gibt es Probleme, die es nicht geben müßte. Warum nicht alle Formate unterstützen?
Der Elefant im Raum ist natürlich DRM, dass hatte ich schon mal thematisiert. Alle großen Anbieter bauen DRM in ihre kommerziellen E-Bücher ein, nur wenige Autoren (oder Verlage) wehren sich dagegen. Viele Möglichkeiten mit und über Bücher zu interagieren sind damit schon mal vom Tisch. Das ist natürlich soo was von “1984″.
Bücher tauschen
Geht bei Apple ja schon mal gar nicht. Bei Amazon soll es möglich sein, Bücher für zwei Wochen an andere Kindle-Nutzer zu verleihen, währenddessen steht das Buch in der eigenen Bibliothek nicht(!) zur Verfügung. Immerhin ähnlich wie mit echten Büchern. Außerdem entscheiden die Verlage, ob die Option freigeschaltet ist, daher scheint es noch nicht sonderlich verbreitet zu sein. WTF? Im Google Ebookstore scheint das derzeit auch keine Option zu sein. Bei freien Büchern (z.B. gemeinfreie Werke) kann man die Dateien natürlich einfach weitergeben. Sowohl beim iPad als auch beim Kindle kann man per USB (bei Apple natürlich nur per iTunes) freie E-Bücher auf die Geräte kopieren. Dafür fallen aber meist die Sync-Features weg, die bei gekauften Büchern vorhanden sind (die aktuell gelesene Seite z.B. aktualisiert sich nicht über mehrere Geräte). Amazon bietet darüberhinaus auch Lesesoftware für Windows und Mac sowie Apps für Android und i-Geräte an. Da kann man seine Bücher also potentiell auch ohne Kindle lesen. Ein unersetzliches Tool für den freien E-Buch-Leser ist die Software Calibre, mit der man seine E-Bibliothek verwalten, konvertieren und mit unterschiedlichen Werkzeugen auf nahezu alle Lesegeräte überspielen kann.
Professionelle Nutzung
Die meisten Lesegeräte sollen personalisiert sein, d.h. sie sind an einen (und genau einen) Nutzeraccount bei Apple, Amazon etc. gebunden. Im professionellen Kontext stell’ ich mir das schnell schwierig vor, weil man entweder einen Gruppenaccount hat oder jeder individuell einen eigenen, dann kann man aber eben nicht tauschen bzw. ein Buch für alle anschaffen (außer man kauft es x-mal). Ebenso sieht’s mit persönlichen Dokumenten aus, die müsste man dann manuell aufs Gerät tun (alle Geräte unterstützen PDF, was aber abhängig vom Bildschirm auch suboptimal sein kann) oder eben über Gruppenaccounts teilen. Alles irgendwie unnötig umständlich im 21. Jahrhundert. Ich will Star Trek-Feeling, wo ich mit jedem verdammten PADD auf den Schiffscomputer zugreifen und Faust lesen kann. Machen Sie es so!
Benjamin Jörissen weist auch auf gänzlich undigitale Probleme bei der Abrechnung hin. Als Selbstständiger oder Professioneller,der viel beruflich liest/lesen muss, ist das sicherlich ein Problem. Dazu kommt, dass man wie so oft mit digitalen Medien, lediglich eine Lizenz mit dem eingeschränkten Recht zum Lesen erwirbt, nicht etwa das Buch oder gar die 367 kb an Nullen und Einsen, die man zur Vertragserfüllung erhält. Anders also als mit den Büchern im Regal, kann so ein digitales Buch mal ganz schnell wieder weg sein. Oder die Bedingungen stillschweigend geändert werden. Und der Inhalt womöglich auch?
Andere wünschenswerte Szenarien wie E-Bücher an Kindergärten, Schulen, Jugendclubs oder Hochschulen scheinen mir da auch erstmal stark eingeschränkt. Toll wär’s doch, wenn die Schulbücher als E-Buch inkl. Leih-Lesegerät an Schüler gelangen könnten. Ich war in der Grundschule das erste Mal mit der ganzen Klasse in der Stadtteilbibliothek, daraufhin war ich viele Jahre Mitglied und regelmäßig dort. Aufgrund von allgemeinen Einsparungen hätte ich diese Möglichkeit heute nicht mehr. Wäre es nicht super, auch Kinder in abgelegenen Ortschaften oder Stadtteilen mit allen Büchern versorgen zu können, die sie interessieren? Ich wüßte nicht, wie das mit den aktuellen Geräten und Diensten praktisch umsetzbar wäre. Traurig.
Preisgestaltung
Die Anbieter sind offenbar immer noch sehr zögerlich und verunsichert, vielleicht sogar zu Recht. Man will sich ja auch nicht selbst Konkurrenz machen. Oder Bücher verschenken? Nun, offenbar nicht. Ein nicht repräsentativer Vergleich einiger aktueller Titel (deutsch & englisch) im iTunes Book Store und im Kindle Store zeigt zwei interessante Fakten auf:
1. Gerade bei aktuellen, deutschen Büchern ist der Preis im Vergleich zur Papiervariante nicht oder nur unwesentlich geringer. In Anbetracht der Tatsache, dass nur minmale Material- und Transportkosten entstehen, scheint mir das schwer zu rechtfertigen. Ich gehe auch davon aus, dass das nicht von der Buchpreisbindung abhängt, lasse mich aber gerne vom (dann sehr unsinnigen) Gegenteil überzeugen.
2. Viele Buchtitel sind in beiden Buchläden gleich teuer. Während bei Musik die Preise teils sehr unterschiedlich sind oder sich die Alben durch bestimmte Beigaben unterscheiden (Videos oder Booklets), scheint es beim Buch überhaupt keinen Wettbewerb zu geben. Das hat für deutsche Bücher primär mit der Buchpreisbindung zu tun, wobei deren Gültigkeit rechtlich ungeklärt und die derzeitige Umsetzung wohl eher ein stiller Konsenz ist. Das sollte mal offen geklärt werden. Warum das bei ausländischen Büchern auch so ist, wundert mich nur.
Übrigens kann man nur bei Amazon die mir noch aus Buchladenzeiten bestens bekannte Spiegel Bestseller-Liste einsehen. Die “echten” Bestseller ermitteln die Stores automatisch und durch die Bewertungen und Ratings der Kunden. Ob sich der Lesegeschmack der Deutschen mittelfristig dort anders darstellt?
Fazit
Da sind schon viele offene Fragen. Viele davon behindern eine etablierte Kulturtechnik in ihrer Entwicklung. Gut, man könnte nun sagen, dass man Bücher halt nicht mehr verleihen oder weiterverschenken soll. Schadet doch keinem. Eben doch meinen viele Kritiker (unter anderem Autor Cory Doctorow). Denn Bücher und die Lust am Lesen ist nicht nur ein Geschäft, es ist ebenso Kultur. Und die wird hier eingeschränkt, damit kommerzielle Interessen geschützt werden.
Nun gibt es auch Positives. Mit aktuellen Geräten läßt sich schon sehr gut auch in der Sonne lesen, die Geräte sind leicht und relativ bedienfreundlich. 1000 Bücher in der Handtasche hat schon was. Mir macht das Lesen Spaß und trotzdem brauche ich nicht unbedingt mehr Platz im Regal. Es gibt immer mehr Titel, aber meiner Meinung nach noch nicht annähernd so viele, wie im gut sortierten Buchhandel. Warum? Kein Platz im virtuellen Regal? Zeitungen und Zeitschriften gibt’s so gut wie gar nicht. Agressives Vorstoßen in neue Märkte sieht anders aus. Dabei ist doch klar, dass das E-Buch das Buch genauso wenig obsoletisieren wird wie die MP3 die CD.
Es bleibt am Schluss der bittere Beigeschmack, das die schöne neue Welt, in der digitale Bücher eine Revolution auslösen könnten (diese Übertreibung ist als solche kenntlich gemacht), künstlich zurückgehalten wird. Und das schlecht, denn es ist natürlich gar kein Problem die künstlichen Barrieren zu umgehen. Im Netz gibt es kaum ein E-Buch nicht auch illegal und frei. Tauschbar, Verschenkbar, Verteilbar. Doch wie bei allen Medien gilt auch hier: Menschen lieben Bücher und zahlen gern dafür. Derzeit wächst eine Generation von Lesern heran, die illegal lesen müssen, wenn Sie frei lesen wollen. Und das schädigt irgendwann Verlage und Autoren. Was wäre das für eine Zukunft?
“So the great Batman has fallen. Good.”
by yodahome on Jan.07, 2012, under computer games, Computerspiele, Meinungen, thoughts
Happy New Year everybody! The holidays are behind us and I had the time to play some games including one that I’ve been very much looking forward to called “Batman: Arkham City“. Now, I haven’t written a review about it’s predecessor, but of course I played Rocksteady’s first Batman game “Arkham Asylum” and did so with great pleasure, as it’s a hefty piece of gaming art. Story in short: When Batman delivers the Joker to the front porch of Arkham Asylum, where all the manics of Gotham City are kept, he wittnesses how the Joker breaks free and all hell breaks loose with Arkham overrun by its inmates. In the game Batman needs not only find the Joker, he also needs to defend himself against Bane, Scarecrow, Poison Ivy and other villains along with hords of freed prisoners. In the end he manages to capture the Joker and get Arkham under control but it’s hard work (for the player) as well as great fun. The game was a big success even to the critics and featured a lot of interesting treats for fans of the Dark Knight.
Now about 18 months after that the sequel kicks in. There is a series of comics to tie in with the game (Batman: Arkham City), telling some of the backstory: The head of Arkham Asylum named Quincy Sharp has, relying on the fact that he “managed” to get Arkham back under control after the forementioned events, stepped up to become mayor. Promising he’s going to clean the streets of Gotham once and for all he wins and since police forces are overwhelmed by crime his plan is to cut of a hude area of Gotham, completely conseal it and bring all criminals currently in Blackgate prison or the highly dangerous Arkham Asylum to this place that he names Arkham City. Inside the area they’re free to do as they wish while a private army called TYGER patrols the walls to make sure nobody leaves (or gets in, as is also revealed). From the get-go Batman suspects that there is a larger plan involved with the undertaking and that Sharp is only a marionette in this. And in fact he reveals (just as it’s publically announced though) that Arkham City will be run by Dr. Hugo Strange. Sounds Strange? Well, it’s going to be.
Story (very, very spoiler-ish)
When Bruce Wayne, who opposes the Arkham City plans throughout, gives a press conference in front of Arkham City (kind of stupid, no?) when it’s opened, he is captured and brought inside. Hugo Strange found out about his secret identity and rather than fighting Batman decided it would be easier this way. Well, of course Wayne escapes his imprisonment (kind of) climbs a roof and orders Alfred to send a suit.
After that Batman is captured inside Arkham City and starts getting to know the neighbourhood. First he frees Catwoman from the hands of Two-Face, then he learns that the big grin is ill because of the Titan-formula from the last game, going to die. Getting too close to the Joker, he is knocked out and Joker injects him some of his blood to make “Bats” look for the cure that Mr. Freeze could provide. To strengthen the motivation Joker has also send his blood to numerous hospitals in Gotham. Now it’s a race against time not only because of the Joker plot but because Strange announces to unleash “Protocol 10″ in about 10 hours. It’s unclear what that brings, so we’ve got to find out.
Batman meets the Penguin on his way while Catwoman, planning to steal from Strange’s safe, teams up with Poison Ivy. She’s a playable character in the game at certain points. But back to Batman, who needs to free Dr. Freeze as he was captured by the Penguin, then get him to make the cure. He however needs some special enzyme strand to create a medicine and Batman knows that Ra’s Al Ghul carries it. So he goes off to Wonder City beneath Gotham to find Ra’s and his daughter Thalia. To get to Ra’s he needs to go through the trial of the demons which ends with him being he’s asked to fight Ra’s ’til death and then take his place. He doesn’t really want to but is forced to fight him to get his blood sample. After returning to Freeze he needs to fight him for the cure, as he wants to convince Batman to find his wife first. During the fight Harley Quinn steals the cure and Batman needs to get to the Joker to reclaim it. He nearly does but when Thalia enters the scene she offers The Joker leadership of the League of Assassins as both Batman and her father have lost her trust. Batman is nearly killed when Hugo Strange activates Protocol 10 and starts to rocket bomb Arkham City from the helicopters to wipe out all inmates. Because of Alfred and Oracle hindering him to follow Thalia Batman sets of to Wonder Tower trying to stop Strange. Climbing to the control room on top of Wonder Tower he finds out that even Strange was only a puppet being supported by Ra’s Al Ghul and the League of Assassins. After stopping Protocol 10 in a rather spectecuar way, he set’s of to deal with the Joker and get the cure for the Titan-desease which leads into the final confrontation of the game which I’m not going to spoil.
Gameplay
The first game introduced a simple yet powerful fighting system, as it can genre-wise be considered a Beat’em’up/Puzzle-Adventure, and so one of the main things the player needs to deal with is hand-to-hand combat with up to a dozen burly thugs. This is easily done with two mouse buttons and and a few keys. You’re supposed to create a long chain of Kicks’n'stuff to add up through combos, thereby earning yourself experience points to level up and improve your gear with Waynetech upgrades. Because you never change a winning strategy all those things are back. Because Arkham City is fully open from the beginning there are side quests along with the main objectives and, like in the first game, lots and lots of riddles all over the map. You can find Riddler-statues, special locations and kidnapped people to free. Plenty of stuff to do. Batman starts out having most of the tools from the previous game but gets new ones at certain story points. Detective mode is also back, granting the ability to see hidden items and through walls. It also comes handy when there is a room of (possibly armed) goons you need to take out silently and quickly. After the combat scenes those stealth challenges are the second common scenario. Third are the boss fights which involve either modified henchmen or main villains. Those are interestingly hard but manageable once you found the matching attack.
Batman can use his line launcher to grapple through Arkham City and that’s really cool. You can even get an upgrade to get extra power to catapult you of edges and then glide on through the streets of Arkham. Pretty slick if you ask me, could do that for hours.
Technical stuff
To make it clear, I played on a PC. With that out of the way: It’s great! Just great! The graphics may not be top notch but they look insane and fit right in with the overall design, characters, environments, I liked all of it. Well, I still think there are too many muscles on those goons, and on Batman. A tiny bit over the top. Sound design is also very good and while I only had the german voice acting, they managed that pretty good as well. They got the german voice of Batman from the Nolan movies and everybody else is unknown to me but delivers nonetheless. The english Joker was voiced by Mark Hamill, I’d like to hear that but haven’t yet managed to switch languages in Steam.
As for the controls, I already said they’re quite easy to learn but they do in fact use many keys on the keyboard and that can get fiddly in combat which is all about the right timing. E.g. you can quickly use tools like the Batarang and Batclaw in combat by double tapping the dedicated number keys. Pretty neat.
Oh, the Direct X 11 support shall be buggy, but since I’m not familiar with what that would accomplish I’m not sure what I missed there, so no bugs for me.
Opinion
No marks, stars or points here but after I initially played through Arkham City (took me 16 hours or so with some side quests) I found it somehow disappointing story wise. There are some pretty nice twists to it but overall it seemed to have some very obvious points, expectable to some degree. But then it struck me, that this was actually a strength of the game. As a player you are so caught up with the smooth gameplay, controls and a very vivid and convincing presentation, not to mention the huge world and the Amount of things to do around Arkham City, that the only criticism you might come up with is in story details. And in fact it is a very interesting story nonetheless, so many interesting locations and so many cool moments. It plays quite beautifully with the limits, also with the Dark Knight’s rule to not kill anybody. What I personally really missed was a hidden batcave like we had in Arkham Asylum or some other great Finally-Batman-is-the-man-moment, coming up with something unexpected after he gets beat up so badly and is close to death after two thirds of the game. Since the end of the storyline is pretty dark this might have provided a little uplift in the overall slow demise of everything that is Arkham City. Still, you’ve got to love a game that gets so, so many things right and is true to its subject. Because – like in the first game – there are lots of backstory snippets and interview tapes hidden with the Riddlers challenges. And there are nodds to the Batman history, e.g. you can find the Monarch Theatre and Crime Alley, where Wayne’s parents were shot, inside Arkham City. Strange even took special care to mark the spot. Even villains that don’t appear in the came are hinted at. Fantastic details. It lead me to remember the three Batman comic books I own and in effect acquired some more. It’s a must have for every computer game nerd, it’s a must have for any Batman fan. Everybody else may think for a second but basically this is a game worth getting under any circumstances. I’m really looking forward to Batman: Gotham City in the not so distant future.
Was Spannendes und was zum Spielen…
by yodahome on Nov.09, 2011, under Computerspiele, Meinungen
Wenn es die Zeit erlaubt, neigt der moderne Akademiker (so wie viele andere Berufsgruppen auch) dazu, sich digitaler Unterhaltungssoftware zu widmen. Darum will ich an dieser Stele wieder ein paar interessante Machwerke vorstellen, die in letzter Zeit meine Aufmerksamkeit erregen konnten. Jenseits von Bettelfeld und Sternenwerk… Achtung: Auf das Verraten von wichtigen Storywendungen wird nicht notwendigerweise verzichtet.
Bastion
Spielmechanisch angelehnt an klassische Hack’n'Slay Titel wie “Diablo” oder “Torchlight” kommt “Bastion” ganz unprätentiös mit einer wunderschönen handgezeichneten Grafik daher, die erstmal nicht auf’s genannte Genre schließen läßt. Der Protagonist “Kid” erwacht in einer schwebenden Welt, die offenbar von einer Katastrophe zerstört wurde und scheint der einzige Überlebende zu sein, der sich auf die sichere Bastion zurückziehen kann. Mit jedem Schritt setzt sich die Spielwelt vor den Augen des Spielers zusammen, erscheinen zu Asche gewordene Bewohner und jede Menge abgedrehter Gegner. Bewaffnet mit Hammer, Bogen, Machete, Repetiergewehr oder anderen Gegenstände setzt sich dieser per simpler WASD/Maussteuerung zur Wehr und sammelt dabei Kristalle und Items, immer auf der Suche nach den xxx, mit denen sich die Bastion ausbauen läßt.
Die Geschichte wird ohne große Sequenzen In-Game meist von einem alten Mann erzählt, der auch während des Spieles immer wieder das Handeln des Spieler kommentiert. Die Kombination klassischer Rollenspielelemente mit der außergewöhnlich schönen Präsentation, die auch noch durch fantastische Musik unterstrichen wird, macht dieses Spiel aus. Wieder einmal ein Kleinod aus dem Independent-Bereich, dass ich jedem nur ans Herz legen kann. Da muss man auch nicht nur mein Wort für nehmen. Neben dem Review aus dem befreundeten Moosbett-Blog sprechen auch 88 von 100 Punkte im Metascore Bände.
Anno 2070
Ganz und gar nicht Indie ist der demnächst erscheinende Teil der Anno-Serie, die sich durch tolle Aufbaustrategie aus deutschen Landen und die Quersumme 9 auszeichnet. Nach 1602, 1503, 1701 und 1404 geht es nun erstmals in die nicht allzu ferne Zukunft, bei der die Erde flächendeckend Opfer der Erderwärmung geworden ist und sich durch den steigenden Meeresspiegel neue Küstengegenden gebildet haben. Ich habe mir die am 04.11. erschienene Demo heruntergeladen und die beiden Demomissionen durchgespielt. Für den erfahrenen Anno-Spieler stellen die Steuerung und das Interface keine Herausforderung dar. Mit ein bissl Abstraktionsvermögen findet man sich auch schnell bei der Gebäudeauswahl und den entsprechenden Kreisläufen zurecht. Änderungen gibt es eher im Details, so findet man jetzt z.B. alle zu einer Fertigungstrecke gehörigen Gebäude in einem Menü. Die Grafik ist einen Tick besser, zumindest belastet es die Grafikkarte etwas mehr als der Vorgänger.
In den Einführungsmissionen soll man eine Insel nahe einer Forschungsanlage besiedeln, wo eine tolle neue Turbine für einen Staudamm eingebaut werden soll. Das geht aufgrund von Missmanagement des Vorgesetzten allerdings gehörig schief. Man kan in etwas bis zur zweiten Bewohnerstufe spielen, darum bleibt noch offen, wie die Langzeitmotivation im fertigen Spiel wohl aussehen wird. Die Missionen sind eher stringent nach dem bekannten Schemata (Fahre Ware von X nach Y, Sammle Schiffbrüchige dort ein, produziere X von Gegenstand Y), trotzdem bleibt anzunehmen, dass das neue Szenario einiges an Abwechslung zuläßt. Interessant ist im weiteren Verlauf wohl die Rolle der Arche, mit der unsere Mission beginnt und die uns notfalls mit neuen Ressourcen versorgt. Eine große Revolution erwarte ich von Anno 2070 in der Tat eher nicht, aber was soll man bei einer so erfolgreichen und eingefahrenen Serie auch groß verändern? Spannende Multiplayer-Modi soll es geben, was für mich jetzt kein Kaufgrund wäre. Die Abwechslung bringen die verschiedenen Fraktionen, von denen man nun in der Demo wohl nur die Tycoons zu Gesicht bekommt. Schade, da hätte ich doch gerne mehr von gehabt. So werd’ ich mir dann doch noch das ein oder andere Review durchlesen, bevor ich die Geldbörse zücke.
Portal 2
Ha, durchgespielt. Während ich bei Portal an dem ein oder anderen Level durchaus verzweifelt bin, kam ich durch das wirklich hervorragende Portal 2 erschreckend entspannt durch. Acht Stunden hat es laut Steam gedauert, das fällt mir etwas schwer zu glauben, auf alle Fälle fühlte es sich länger an. Und das obwohl das altbekannte Spielprinzip ja recht simpel ist: Bewaffnet nur mit einer Kanone mittels welcher Frau (aka die schweigsame Chell) an entsprechenden Wänden jeweils zwei Ein-/Ausgänge platzieren kann, sollen wir uns durch teils verzwickte Levelkonstruktionen in den hochmodernen, automatisierten Laboren von Aperture Science puzzlen. Dabei folgen wir zunächst einem kugeligen KI-Begleiter, der uns aus unserer zerfallenden Behausung führt und letztendlich zur im letzten Teil vernichteten Über-KI GLaDOS. Unter Fehlanleitung unseres freundlichen Begleiters erwecken wir die künstliche Dame wieder und müssen sie kurzerhand gegen eine andere KI austauschen. Damit beginnt eigentlich der interessanteste Teil des Spieles, denn wir werden in die unteren. verwaisten Stockwerke von Aperture befördert, wo wir die historische Entwicklung der Firma erfahren und GLaDOS als Kartoffel auflesen, um sie zurück an ihren angestammten Platz zu bringen.
Neben neuen Puzzleteilen wie Laser, die wir mittels Spiegelkuben umleiten können, und verschiedenen Gels, die uns Springen, schnell laufen oder Portale kreieren lassen, macht vor allem die tolle Geschichte um die beiden widersprüchlichen künstlichen Intelligenzen GLaDOS und Wheatley sowie die indirekt erzählte Entstehungsgeschichte viel Spaß. Portal 2 leidet vielleicht unter den klasssichen Sequel-Problemen, bietet aber auch jede Menge Neues. Vor allem zeigt sich, dass man mit der Egoperspektive, die sonst nur zum mehr oder weniger sinnlosen Rumballern verführt, durchaus andere Genres bedienen kann. Man stelle sich vor, eine Welt in der es nicht nur Ego-Shooter, sondern eben auch Ego-Puzzles, Ego-Strategiespiele oder andere Crossover gibt. Und man kann Geschichte erzählen, ohne das der Hauptcharakter sich unterhalten muss. Leider hat sich das noch nicht wirklich flächendeckend herumgesprochen.
Wie auch immer, Portal 2 ist ein überaus empfehlenswertes Spiel, die Koop-Kampagne hab’ ich noch gar nicht probiert, aber da gibt’s sicherlich noch einiges zu erleben. Ich glaube, dass mich schon lange kein Spiel mehr so an den Bildschirm gefesselt hat.
Robotek
Manchmal gibt auch der Mac App Store interessante Kleinode her. Robotek ist ein solches. Das Spielprinzip ist simpel. Ziel ist es die Energieknotenpunkte einer Weltkarte einer nach dem anderen in Zweikämpfen zu erobern. Die Zweikämpfe spielen sich wie folgt: Der Spieler kann an einer von drei Slotmaschinen entweder 3 verschiedene Roboter zur Verteidigung generieren und reparieren oder defensive Aktionen (Schutzschild, Hack oder Energie stehlen) beziehungsweise offensive Attacken (Laserstrahl, Blitzattacke, Mikrowellen) auslösen. Das erste Rad kann der Spieler selbst stoppen (und somit entscheiden, welche Option gewählt wird), der Rest ist eher Zufall. Je häufiger eine Option auf der Slotmaschine auftaucht desto stärker kommt diese zur Anwendung. Dreht man z.B. zweimal den Droiden-Roboter und einmal den Tank, bekommt man einen verbesserten Droiden und einen normalen Tank zur Seite gestellt, die dann entsprechend die Roboter des Gegners angreifen. Hat man alle drei richtig bekommt man jeweils die mächtigste Variante der gewählten Funktion und auch noch einen weiteren Zug. Das Gleiche gilt natürlich auch für den Gegner. Mit den im Kampf erworbenen Erfahrungspunkten steigt der eigene Level und mit Münzen kann man sich weitere Boni freischalten. Jeder Knoten auf der Karte produziert Energie, die man beim gewonnenen Kampf bekommt, bei Verlust aber auch abgeben muss. Energie und Münzen kann man allerdings auch als Pakete gegen harte Währung erwerben und so finanziert sich dieses ansonsten kostenlose Spiel. Ansonsten ist Robotek ein Spiel nach dem Motto “Leicht zu erlernen, schwer zu meistern”. Im Video sieht man etwas besser , wie’s funxioniert.
Hier gibt’s mehr Infos und hier den Download (für Mac)
Vor kurzem hab’ ich mir auch das sagenumwobene “Book of Unwritten Tales” bestellt, dass ja 2009 im Bereich Adventures alles abgeräumt hat. Bei Interesse: The Book of Unwritten Tales Collection. War bislang leider nicht auf meinem Schirm, aber das läßt sich ja ändern. *g*
Harry “Jesus” Potter – auf ein Letztes (Spoiler Alert!)
by yodahome on Sep.19, 2011, under Filme, Meinungen
Anders als bei meinen sonstigen Filmkritiken (wenn man sie so nennen will) werde ich bei diesem Beitrag nicht umhin kommen, zentrale Bestandteile des Plots wiederholt und detailliert zu nennen. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass irgendjemand, der sich für das Thema interessiert, den Film noch nicht gesehen bzw. das Buch noch nicht gelesen hat. Trotzdem seien alle Unwissenden hiermit gewarnt: Ab jetzt wird gespoilert! (continue reading…)
Meinungsmontag 29.08. – Steve leaves, Loriot starb
by yodahome on Aug.29, 2011, under Allgemein / Generic, Computer, Meinungen
One thing less
Da hat also Steve Jobs nun endlich öffentlichkeitswirksam beschlossen, was eh absehbar war: Er zieht sich von seinem Posten als CEO Geschäftsführer von Apple zurück, möchte forthin im Vorstand sein und ist also so richtig weg nicht. Als Reaktion darauf sinken prompt die öbstlichen Aktien ein wenig und – jetzt kommt der gespenstische Teil – überall im Netz sprießen Zusammenfassungen von Jobs’ illustrer Laufbahn aus dem Boden, die einem richtigen Nachruf verblüffend ähnlich sehen. Das ist auch schon Mario Sixtus aufgefallen. Zweifellos hat dieser Mann einige bedeutende Akzente in der Computerwelt gesetzt, mehr vielleicht als vielen bewusst ist, aber seinen Wechsel von der ersten in die zweite Reihe medial wie einen Akt des Sterbens zu begleiten scheint mir dann doch etwas übertrieben. Jobs hatte selbst kaum technisches Wissen oder Fähigkeiten, er war von Beginn an darauf angewiesen, dass jemand anderes seine Visionen in Hardware umsetzen kann (Steve Wozniak). Insofern haben viele andere schlaue Menschen die netten Gerätchen gebastelt, die jetzt zig millionenfach in den Händen der Mensch Dienst tun und das wird sich auch in Zukunft kaum ändern, wenn, wie überall behauptet wird, bei Apple dieser ganz besondere Anspruch/Erfindergeist herrscht, den keine Firma sonst derzeit bieten kann. Insofern: Sorry you’re leaving – und gut. Kein Grund zur Panik.
Ein wenig den Vogel ab schießt da dieser Artikel von Hajo Schumacher auf SPON. Der Vergleich der Apple-Fangemeinde mit einer religiösen Gemeinschaft ist zum einen sowas von nicht neu und zum anderen reichlich weit hergeholt. Immerhin kriege ich bei Apple im Zweifelsfall immer noch einen benutzbaren Computer für mein Geld. Bei den mir bekannten westlichen Religionen gibt’s lediglich tausende Jahre alte Schriften (die im Grunde schon lange Public Domain sein sollten), warme Worte und diffuse Versprechungen für ein Leben nach dem Tod. Wer meint, die Kirchen unterstützen ja auch soziale Projekte, sei erinnert, dass nur etwa 10% der Kirchensteuer dahin fließen. Von der historischen Schuld oder Gemeinschaften wie den Zeugen oder Scientology fangen wir gar nicht erst an. Womöglich hat Apple loyale Anhänger, aber die haben Bündnis 90/Die Grünen oder Tokio Hotel auch. Da unterläßt man diese Religiongleichnisse komischerweise. Um es zusammenzufassen, ich empfinde jegliche Vergleiche mit Religionen in dieser Form als Beleidigung für den jeweiligen Verglichenen, das hat im Grunde nichts mit Apple zu tun. Außerdem: Wer seine Gadgets als politisches Statement kauft, tickt eh schon nicht ganz richtig. Wer dann aber enttäuscht ist, dass ein kommerzielles Unternehmen nicht länger die Rolle des Underdogs und der Gegenkultur oder alternative feuchte Träume verkörpert, weil sie schlicht erfolgreich sind, der läuft glaube ich auf dem Zahnfleisch. Wurst.
Ach was?
Man weiß nicht so recht was überwiegt: Traurig ist es zweifellos, dass der große Vicco von Bülow, einer der wegweisenden deutschen Komiker – und das lange bevor aus Komik Comedy wurde – , in der letzten Woche mit 87 Jahren verstorben ist. Fast ebenso traurig ist aber wieder die mediale Ausschlachtorgie, die das deutsche Fernsehen – allen voran die öffentlich-rechtlichen Sender – im Gedenken an den Meister der scharfen Beobachtung auffahren. Nichts ist dagegen zu sagen, wenn die zeitlosen Sketche und die beiden Filme aus aktuellem Anlass ins Programm genommen werden oder das eine oder andere Interview gezeigt wird, dass ist/wäre im Gegenteil begrüßenswert. Leider meint man aber wohl die Anteilnahme besser abschöpfen zu können, indem man jedes Boulevardmagazin, jede Wurst-Talkshow (ich schaue in ihre Richtung Herr Lanz), seelenlose Off-Comment-Shows und was sonst noch an traurigen Formaten die Haupt- und Nebensendezeiten bevölkert mit platten Zusammenschnitten (nebst verwursteten Sketchflicken) oder belanglosen Gesprächen mit sogenannten Weggefährten anfüllt.
Sind denn die Zeiten wirklich vorbei, in denen das Gesamtwerk eines Künstlers einfach für sich selbst stehen und damit adäquat das Gedenken aufrecht erhalten werden konnte? Ich für meinen Teil habe und werde die gesammelten Werke des Meisters auf DVD nochmal Revue passieren lassen und stelle fest, dass in einer Medienwelt, die sich mit Vorliebe selbst recycelt wohl sich sobald kein neuer Loriot herauskristallisieren wird. Zumal das ja eh nur in den jungen Medienräumen passieren könnte. Insofern lohnt ein Blick auf nichtlustig.de, wo Zeichner Joscha Sauer den zwei Herren im Bad Tribut zollt. Hier ein anderer Klassiker:
In weiteren Meldungen gratuliere ich den Libyern zur Chance für eine politische Umstrukturierung, auch wenn noch keiner weiß, wie die aussehen wird. Und frage mich dann aber andererseits auch, ob Ölvorkommen im betroffenen Land die Vorraussetzung ist, um von der UN oder der NATO Hilfe bei der Entsorgung überzähliger Diktatoren zu erhalten. Weiß das jemand?
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Meinungsmontag: Google+, London und so weiter…
by yodahome on Aug.15, 2011, under Computer, Meinungen, Politik
Der letzte Meinungsmontag hatte ein konkretes Thema, dieser wird mehrere haben, denn in den letzten Wochen ist ja durchaus einiges Kommentierenswertes geschehen: Google bastelt sich mit G+ seine eigene Netzwerkplattform, die Welt versinkt in ihren eigenen Schulden und in London zeigte sich, wie wertlos 24/7 Überwachung sein kann. Die Reihenfolge läßt keinen Rückschluß auf die Relevanz zu. Na denn mal los… (continue reading…)































